VKI Blog Logo

Ab 4. Jänner sicherer: Tattoos und Permanent-Make Up

Die EU verbietet bedenkliche Inhaltsstoffe

tattoo-_myriams-fotos_auf_pixabay.jpg

Ein Aufschrei geht durch die Branche der Tätowierer:innen: ab 4. Jänner 2022 seien viele gängige, vor allem bunte Tätowierfarben verboten. Aus Sicht des Konsumentenschutzes kann das neue EU-Gesetz nur begrüßt werden.

Warum es wichtig ist, dass diese Farben unbedenklich sind

Beim sogenannten „Tattoo Stechen“ werden Nadeln, die sich an einem Tätowiergerät befinden, schnell auf und ab bewegt, so dass sie schnell und in der richtigen Tiefe in die Haut einstechen, um die Farbe einzubringen. Ähnlich werden auch Permanent Make-Up-Farben in die Haut eingebracht. Daher gilt auch für sie alles weitere. 

Die Farben bestehen aus Farbpigmenten, die in Gemischen aus Lösungsmitteln und verschiedenen zusätzlichen Chemikalien, wie z.B. Verunreinigungen aus der Pigmentherstellung, Emulgatoren, Entschäumungsmitteln und Konservierungsstoffen fein verteilt sind. Die Farbpigmente sind meistens sehr kleine (Nano)-Partikel. Nach dem Einbringen der Farbe in die Haut wird diese teilweise wieder ausgeschwitzt, aber auch über die Blutbahn und das lymphatische System zu anderen Organen im Körper transportiert. Insbesondere findet man die Pigmente in Lymphknoten nahe der Tätowierstelle und in der Leber. Nach ein paar Tagen oder Wochen hat sich die Konzentration der Farben in der tätowierten Haut stabilisiert, sie wird aber häufig durch weiteren Abbau oder die Sonneneinstrahlung langsam reduziert bzw. verändert.

Bei der Entfernung von Tätowierungen werden die Pigmente meistens durch Laserstrahlen fragmentiert, wodurch sie leichter von der Haut abtransportiert werden – wiederum in andere Organe im Körper.

Mögliche gesundheitliche Folgen

Wichtig ist natürlich die Einhaltung von Hygienevorschriften, damit keine Probleme durch in die Haut eingebrachten Schmutz, Bakterien etc. entstehen. Aber auch die verwendeten Farben können die Gesundheit belasten. 

In der Tattoo-Abteilung eines niederländischen Krankenhauses wurden die gesundheitlichen Probleme von 326 Patienten evaluiert. Viele der Komplikationen traten erst später auf, manchmal erst einige Jahre nach der Tätowierung. Mehr als Dreiviertel der Beschwerden sind Entzündungsreaktionen, z.B. allergische Hautreaktionen, im speziellen auf rote Farbpigmente. Daher hat die deutsche Kontaktdermatitis Gruppe DKG für die Diagnose der Tattoo-Allergie im Allergietest eine eigene Mischung entwickelt. Auf die schwarze Tattoofarbe reagieren manche Menschen mit der sogenannten CIBTR – chronic inflammatory black tattoo reaction. Dabei entstehen in verschiedenen inneren Organen Entzündungen. Und bei 0,6% der im Krankenhaus aufgenommenen Patienten wurden Neoplasmen gefunden, die die Vorläufer von Hautkrebs sind.

Eine neue Verordnung schützt Konsument:innen

Im EU Chemikaliengesetz REACH wurden folgende Regelungen für Tätowierfarben und jene für Permanent Make-Up aufgenommen:

Verboten oder stark beschränkt sind

  • Stoffe, die bereits in kosmetischen Mitteln nicht zugelassen sind,
  • Krebserregende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Chemikalien
  • Stoffe, die Allergien auslösen, die Haut verätzen oder reizen und die Augen schädigen oder reizen können.

Zu diesen Chemikalien zählen bestimmte Azofarbstoffe und krebserregende aromatische Amine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), und Metalle, wie Arsen, Barium, Kadmium, Chrom, Kobalt, Kupfer, Zink, Blei und Selen.

Die Beschränkungen sind nach einer Übergangsfrist von einem Jahr am 4. Januar 2022 in Kraft getreten, die Diskussionen dazu fanden bereits Jahre vorher statt. 

Die Österreichische Wirtschaftskammer setzt sich dafür ein, die Übergangsfristen zu verlängern, da am Markt noch zu wenige Alternativen vorhanden seien. Auf eine Petition, die ins EU Parlament eingebracht wurde, hat die Kommission (noch) nicht reagiert. Dem widerspricht die EU Kommission - sichere Alternativen seien vorhanden. Und es wurde der Industrie die Gelegenheit gegeben, nach Alternativen für 2 wichtige Pigmente zu suchen. Die Farbstoffe "Blau 15:3" und "Grün 7", die derzeitig häufig eingesetzt werden und in der Mischung verschiedene Farbtöne ergeben, sind noch bis 4. Jänner 2023 zulässig.

Auch wenn das Argument der WKO stimmen sollte: Aus Sicht des Konsumentenschutzes ist jedenfalls vorzuziehen, dass die Farbpalette vorübergehend ein wenig eingeschränkt ist, die vorhandenen Tattoofarben jedoch gesundheitlich unbedenklich sind.

Tipp

Lassen Sie sich die verwendete Farbe zeigen! 

Tätowierfarben und jene für Permanent Make-up müssen ab nun

  • mit dem Hinweis „Gemisch zur Verwendung in Tätowierungen oder Permanent Make-up“ gekennzeichnet sein.
  • Alle Inhaltsstoffe müssen, wie beim Kosmetika, aufgelistet werden.
  • Sollte Nickel oder Chrom in den erlaubten, geringen Konzentrationen enthalten sein, muss auf eine mögliche allergische Reaktion hingewiesen werden.

Quellen

BFR, 18–19 November 2021, Berlin: 2nd International Conference on Tattoo Safety – Abstracts (bfr-akademie.de)

Tätowierfarben und Permanent Make-up - ECHA (europa.eu)

Neue EU-Verordnung: Warum Tattoo-Studios Farbe verlieren - ZDFheute

Tätowierer warnen: Massive Reduktion der Farbpalette ab Jänner 2022 | Wirtschaftskammer Österreich, 21.09.2021 (ots.at)

 

Kommentare erstellen

0 Kommentare

Blog-Abonnement

Ich möchte bei neuen Blog-Beiträgen eine E-Mail-Benachrichtigung erhalten.
Informationen zum Datenschutz:

Die von Ihnen bekanntgegebenen Daten werden vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) zum Zweck der Blog-Benachrichtigungen verarbeitet. Detaillierte Informationen zu Ihren Rechten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.