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Angst, aber richtig

Vor manchen (möglichen) Ereignissen sollten wir uns tatsächlich etwas mehr fürchten

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Datenverlust am PC durch verschütteten Kaffee (Bild: Edgar Sereda/Shutterstock.com)

Datenverlust ist eine reale Gefahr. Tritt er ein, kann er durchaus auch körperliche Schmerzen verursachen.

Fürchten Sie sich auch vor Spinnen? Ich kann das nachvollziehen, zumindest wenn die Krabbeltiere eine bestimmte, mir gerade noch akzeptabel erscheinende Größe überschreiten. Warum sich das bei vielen Menschen so verhält, konnte bisher niemand schlüssig erklären – auch wenn es zahlreiche Hypothesen dazu gibt, wie ein aktueller KONSUMENT-Artikel zum Thema Angst besagt (wobei ich mir erlaube, im Rahmen dieses subjektiv gefärbten Blogbeitrags von der wissenschaftlich offenbar ohnehin nicht ganz haltbaren, strengen Unterscheidung zwischen Furcht und Angst abzusehen).

Den Tag retten

Wir fürchten uns vor Spinnen ebenso wie vor Flugzeugabstürzen, steigen aber unbesorgt täglich ins Auto, obwohl die Gefahr, dabei zu Schaden zu kommen, ungleich höher ist. Und auch wenn es jetzt schwierig ist, diese Kurve elegant zu nehmen: Aus meiner Erfahrung als Technik-Redakteur weiß ich von einer anderen Angst; einer, die allerdings bisher viel zu wenig verbreitet ist. Es geht um die Angst vor dem Datenverlust. In einem früheren Blogbeitrag habe ich anlässlich des „World Backup Day“ schon darauf hingewiesen, dass einem gelegentliche (bzw. besser noch regelmäßige) Backups durchaus den Tag retten können.

Im Bewusstsein verankert?

Wahrscheinlich erzähle ich Ihnen jetzt sowieso nichts Neues. Nur: Ist das Wissen darum auch in Ihr Bewusstsein vorgedrungen? Und setzen Sie dieses Wissen auch in die Praxis um? Das heißt: Haben Sie eine Kopie Ihrer Daten von Computer, Smartphone oder Tablet sicher auf mindestens einem weiteren externen Datenträger (z.B. Festplatte oder Cloud) gespeichert? Oder legen Sie eine optimistische Grundhaltung an den Tag und meinen, dass schon nichts passieren wird? Dann müssen Sie sich allerdings von mir die Frage gefallen lassen, warum Sie das meinen? Aufgrund Ihres blinden Vertrauens in die Technik vielleicht? Oder auf Basis des alten Sprichworts „Das Glück ist mit dem Tüchtigen“?

Tragischer Fall

Vor vielen Jahren hat ein Student Selbstmord begangen, nachdem ihn ein Festplattendefekt seine fast fertiggestellte Diplomarbeit und somit die Arbeit von zwei Jahren gekostet hat. Auch abseits dieses besonders folgenreichen Falles, ist der Verlust von Daten immer mit Ärger und nachträglichem Aufwand verbunden. Und er ist oft genug auch eine schmerzliche Erfahrung, die manche vermutlich machen müssen, um klüger und vorsichtiger zu werden.

Wasserglas und Kloschüssel

Eine Bekannte hatte rund 5000 Fotos auf ihrem Smartphone, als sich dieses eines Tages nicht mehr starten ließ. Einem Kollegen fiel sein Handy in die Klomuschel und erwies sich leider nicht als wasserdicht. Die dabei verloren gegangenen Rufnummern seiner Kontakte wieder zusammenzutragen, war für die folgenden Tage eine seiner Hauptbeschäftigungen. Ich selbst organisiere z.B. auch meine beruflichen wie privaten Termine übers Smartphone. Nicht auszudenken, wenn ich auf diese plötzlich keinen Zugriff mehr hätte! Kaffeetasse und Wasserglas stehen im Büro wie auch daheim ganz selbstverständlich neben dem Computer. Von Viren, wie den gängigen Erpressungstrojanern, reden wir gleich gar nicht. Die Angreifer machen sich mittlerweile gar nicht mehr die Mühe, ihre Schadsoftware so zu programmieren, dass die Daten auf dem Computer verschlüsselt und somit – nach einer Lösegeldzahlung – eventuell wiederhergestellt werden können. Aktuelle Ransomware, wie diese Trojaner auch genannt werden, löscht gleich die gesamte Festplatte.

Viele Gründe, ein Ergebnis

Ergänzend dazu die vom Verschlüsselungs-Anbieter Boxcryptor erstellte Liste der fünf häufigsten Gründe für Datenverlust: Technische Defekte (z.B. Festplattenfehler), menschliche Fehler (z.B. irrtümliches Löschen), Malware und Hackerangriffe, Datendiebstahl, externe Einflüsse (z.B. Hochwasser oder Sturmschäden) – wobei das Ganze vom Ergebnis her im Prinzip immer auf dasselbe hinausläuft.

Den Datenverlust akzeptieren, aber auch fürchten

Ein in Würde weiß und weise gewordener Kollege hat einmal gesagt, dass wir in unserer digitalisierten Welt mit Datenverlust leben müssen. Das stimmt zweifellos, doch gemeint ist der Verlust von Daten und nicht der Verlust sämtlicher Daten. Ersteres wird man wohl verkraften können, Letzteres kann durchaus auch eine persönliche Katastrophe bedeuten. Warum also fürchten sich so viele von uns nicht genug davor? Nicht genug nämlich, um tatsächlich die Mühe und Kosten für eine vernüftige Datensicherung aufzuwenden? Eine nachträgliche Datenrettung – sofern sie überhaupt möglich ist – kostet ein Mehrfaches, und zwar an Geld und an Nerven.

 

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1 Kommentare

mu

Ich wage es Ihre letzten beiden Fragen ganz einfach zu beanworten: Der Großteil der Bevölkerung hat die "wirklich" wichtigen Daten nach wie vor in einer physischen Form "gespeichert". Ausgedruckt bzw überhaupt nicht digitalisiert. Urkunden, Zeugnisse, etc liegen irgendwo im Schrank verstaut. Nicht alle Fotos sind digital (obwohl sich das heutzutage kaum jemand vorstellen kann). Viele (ich wage zu behaupten - der überwiegende Teil) der Fotos ist so "wichtig", dass ein Verlust zwar momentan ärgerlich ist, jedoch dauerhaft nicht wirklich ins Gewicht fällt. Aus dem einfachen Grund, weil heutzutage jeder Sch.... fotografiert wird bzw werden muss. Also macht es wieder die Masse aus. Auf keinen Fall zu verachten ist die Cloud. Trotz aller Nachteile wie die Ungewissheit über den Verbleib und der Zugriffsmöglichkeit durch den Anbieter. Es wird sehr viel (vielfach ohne das Wissen des Anwenders) synchronisiert und ist dadurch grundsätzlich einmal gesichert. Backup ist das zwar keines, doch wenn die Daten einmal in der Wolke sind, dann kann das Telefon verbrennen, ertrinken oder ganz einfach überfahren werden. Die Daten sind noch da. Schließlich bleibt noch ein Punkt übrig, der in meiner jahrelangen Erfahrung mit Daten und deren Verlust immer wieder auftritt: Die Leute verlassen sich einfach darauf, dass es sowieso jemanden gibt, der ihnen zu Hilfe eilt und gelöschte Daten zurückholt. Von elementaren Schäden wie Wasser, Feuer, etc abgesehen, gelöschte Daten lassen sich sehr oft wieder innerhalb relativ kurzer Zeit wiederherstellen. Und wenn nicht, dann ist es den Leuten - wie leider vieles im heutigen Leben - ganz einfach "wurscht". Traurig aber wahr.

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