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Bike Sharing

Irgendwie nerven sie schon, die gelben Leihradln

Markus Stingl/VKI

Leihräder in der Wiese.

Bike Sharing ist in aller Munde. Aber viele haben schon jetzt die Schnauze voll davon. Angesichts von mehr als 850.000 Kfz in Wien (Tendenz: steigend) sollten die paar hundert gelben Fahrräder von Ofo bzw. oBike aber nicht das dringlichste Verkehrsproblem der Stadt darstellen.

Es ist schon ein Zeitl her. Ich saß Anfang September in einer S-Bahn Richtung Jedenspeigen zum dortigen Weinfest (sehr nett! Guter Wein! Das aber nur nebenbei). Am 4er-Tisch neben mir eine Runde Mit-Fünfziger. Sie unterhielten sich über „diese neuen, gelben Leihradln in Wien". Da es praktisch unmöglich war, dem emotional geführten Gespräch (also ziemlich laut) nicht zu folgen, hörte ich umso interessierter zu. Denn diese auf den ersten Blick doch recht konservativ anmutende Truppe schoss so manch kernigen Sager ´raus. Der Unmut, ja schon fast blanke Hass, den sie den Leihrädern entgegenschleuderten, gipfelte in den Plan, an einem nicht allzu fernen Abend möglichst viele „Reifen aufzuschlitzen“.

„Na aber holla!“, dachte ich mir. Was sind denn das für Töne? Allein, mein Interesse war geweckt. Denn zu diesem Zeitpunkt waren mir, obwohl ja selbst mit dem Rad in Wien unterwegs, diese „gelben Dinger“ noch gar nicht mal so richtig aufgefallen.

Kaum jemand fährt damit

Nun gut. Mittlerweile gibt es wohl niemanden in Wien, der die chinesischen Leihräder (von Ofo bzw. oBike) nicht schon mal gesehen hat – inklusive mir. Hereingebrochen sind sie über Wien über Nacht. Plötzlich waren sie da. Ohne Vorwarnung. Und es stimmt schon. Irgendwie nerven sie. Aber wahrscheinlich vorrangig deshalb, weil sie hauptsächlich blöd in der Gegend herumstehen.

In den ersten 3-4 Wochen nach Markteinführung habe ich gezählte 4 Menschen damit herumfahren gesehen. 3 davon waren chinesische Touristen. Und ich bin, wie gesagt, in den Stoßzeiten auf Wiens innerstädtischen Radwegen unterwegs. Wenn man sich die Leihräder genauer ansieht, dann sind die Reifen allesamt in einem fast fabriksneuen Zustand. Keinerlei Schmutz. Kein Abrieb. Also deckt sich meine subjektive Beobachtung wohl auch mit der tatsächlichen Nutzungsintensität. Obwohl, in letzter Zeit sieht man dann doch hin und wieder v.a. Jugendliche damit herumradln.

Markus Stingl/VKI

Voller Fahrradabstellplatz

 

Datenkrake auf zwei Rädern

Was ich damit sagen möchte: Viel Geld wird damit (momentan) nicht verdient. Dass die Leihräder deshalb bald wieder Geschichte sind, braucht man allerdings auch nicht zu glauben. Diese global agierenden Anbieter fluten mit mächtig Finanzpower die Märkte, um erst gar nicht ernsthafte Konkurrenz aufkommen zu lassen. Interesse haben sie an den Daten ihrer Kunden (gibt’s eigentlich momentan überhaupt noch eine Geschäftsidee, die nicht darauf abzielt??). Die App, die man für die Nutzung der Räder herunterladen muss, verlangt den Zugriff auf die Ortungsfunktion des Handys. Das Ergebnis kann man in China, wo es bereits Millionen dieser Leihräder gibt, gut sehen (bzw. hören): Dort piepst das Handy unentwegt, wenn man auf so einem Drahtesel seine Runden dreht. Hier gibt’s ein vermeintliches Sonderangebot, dort ein Mittagsmenü zum Wahnsinnspreis, usw.

Markus Stingl/VKI

Anleitung zum Fahrradverleih

Wer sich i.Ü. hier in diesem Bloggbeitrag einen Funktionstest der Leihräder erhofft hat: Sorry, aber dererlei Apps werde ich auf meinem Smartphone sicher nie installieren. Ich lasse mich nicht so gerne ausspionieren. Und somit werde ich auch nie auf so einem gelben Rad meine Runden drehen. Wer mehr über den Fahrradverleih von oBike erfahren will, die Mobilitätsagentur Wien hat das ganz ordentlich gemacht, wie ich finde.

Schlechte Stimmung

Dem hären Grundgedanken von Leihrädern in Großstädten –  Einwohner und v.a. Touristen auf die umweltfreundlichen Zweiräder zu bekommen, um so den Autoverkehr ein wenig einzudämmen – helfen die gelben Radln momentan nicht. Die ohnedies ambivalente Meinung der Wiener gegenüber Radfahrern verschlechterte sich in den vergangen Monaten eher. Auch ich habe keine eindeutige Meinung zu dieser Geschichte. Nur so viel: Angesichts von mehr als 850.000 Kfz in Wien (Tendenz: steigend) können ein paar hundert (und seien es ein-, zweitausend) gelbe Fahrräder wohl nicht das dringlichste Verkehrsproblem der Stadt darstellen.

Und Immerhin bastelt die Stadtverwaltung inzwischen an einem Regelwerk für Leihradanbieter.

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2 Kommentare

GM

Ich finde das ansich nicht schlecht. Jetzt gibt es ja mittlerweile das Update in Wien mit diesen E-Rollern. Sie bieten ja viele Vorteile, wie schnelleres Vorankommen wobei man trotzdem die Umwelt nicht belastet. Und das ganze noch für einen geringen Preis. Das einzige was umstädnlich ist, ist das man sich vorher anmelden muss. Aber das verstehe ich schon, weil wie sollte die Firma sonst korrekt abrechnen können. Ein Freund vor mir nutzt die Roller mittlerweile täglich auf seinem Hin- und Rückweg von seinem Arbeitsplatz bei einer Baufirma. Der einzige Nachteil, der aber eigentlich wieder ein Vorteil ist, ist dass das man die Roller überall in Wien abstellen kann. So muss man nicht zu einem spezifischen Sammelpunkt fahren, sondern kann sie direkt vor der Haustür stehen lassen. Praktisch. Auf der anderen Seite ist es schwerer einen Roller zu finden wenn man einen braucht, aber ich glaube dafür gibt es Unterstützung in Form einer App.

Ba

Hallo,

ich bekenne mich hiermit als O-Bike Nutzerin (und alles weitere bezieht sich auschließlich auf diesen Anbieter). Oft bin ich zwar noch nicht damit gefahren, aber mir hat die Idee gefallen um langweilige Fußstrecken zurückzulegen. (Das zeigt schon: das Radl trägt in meinem Fall weder zur Vermeidung von CO2 noch zur Förderung von mehr Bewegung bei).

Meine Erfahrung damit ist zwiespältig:

Gleich zu Beginn hat mich geärgert, dass man die notwendige Kaution nur mit Kreditkarte hinterlegen kann. In der Praxis sind die Räder schwer und anstrengend zu fahren. Steigungen wie die Mariahilferstraße sind da schon eine Herausforderung und ich bin nicht ganz unsportlich...

Obwohl die Räder noch nicht lange in Umlauf sind, hat man manchmal das Gefühl, dass manche schon ganz schön mitgenommen sind und schleifen oder quietschen.

Prinzipiell ist die Nutzung der App simpel und übersichtlich. Trotzdem habe ich regelmäßig Probleme mit dem Beenden der Fahrt. Dann muss man eine Störungsmeldung schicken und so weiter, damit nicht übermäßig Gebühren abgebucht werden. Das klappt aber ganz gut und einmal hatte ich sogar über Telefon und Email wirklich netten Support. Ich habe noch nie zu viel gezahlt bzw. einmal sogar ein paar Cent zurück bekommen.

Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass die Betreiber damit Geld verdienen - ich fahre ca. ein- bis zweimal im Monat, und dann sind die Strecken meistens so kurz, dass gar keine Gebühren anfallen.

Die Gedanken zur Datenkrake schrecken mich aber schon, auch wenn ich bisher noch nichts davon bemerkt habe... aber vielleicht kommt das ja noch?

Fazit: Nett ist es schon, wenn einfach an der nächsten Ecke ein Radl steht und man schwingt sich drauf... Aber unbedingt notwendig? Oder die Mobilität revolutionieren? Das weiß ich auch nicht.

 

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