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Carsharing

Share Now will mich nicht (mehr)

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Autos aus der Share-Now-Flotte (Bild: Share Now)

Öko.Logisch

Car2Go und Drive Now haben fusioniert und heißen jetzt Share Now. Die neue App funktioniert nur auf Smartphones mit Android 6 und höher. Mein ca. fünf Jahre altes Smartphone kann da nicht mit. Und ich auch nicht. Liebe Share-Now-Programmierer: Was soll das?

Wie ich in einem meiner früheren Blogbeiträge erwähnt habe, bin ich Car-Sharer. Nicht exzessiv, aber zwei, drei Mal im Quartal miete ich ein Car2Go oder einen Wagen von Drive Now an. Mit dem Angebot war ich im Grunde ziemlich zufrieden. Sogar meine 5 Stunden alte Tochter habe ich per Carsharing aus dem Krankenhaus nach Hause gebracht.

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App kann nicht heruntergeladen werden (Bild: VKI)

Und jetzt?

Alles aus. Weil Drive Now und Car2Go fusionieren, zu Share Now werden, und eine neue App programmiert haben. Eine App, für die mein Smartphone zu alt ist.

Geplante Obsoleszenz will ich da niemanden unterstellen. Aber es ist schon mehr als patschert. Und frustrierend. Weil ich bisher noch mit keiner anderen App Kompatibilitätsprobleme hatte. Und jetzt ausgerechnet mit einer Carsharing-App. In einem Segment, das für grüne Zukunftsstrategien steht. Fürs Benutzen, statt Besitzen. Für Nachhaltigkeit. Für Ressourcenschonung. Und was verlangt Share Now nun von mir, damit ich weiter ihre Dienstleistung in Anspruch nehmen kann? Mein altes, funktionstüchtiges Handy einzumotten und ein neues zu kaufen. Also Ressourcen zu verschwenden.

Das hat mich natürlich geärgert. Und entsprechend wurde der Share-Now-Support von mir mit einem meinen Unmut ausdrückenden Mail bedacht. Das kam als Antwort zurück:

 

Mit jedem Update und den damit einhergehenden neuen Funktionen steigen natürlich auch die technischen Anforderungen. Leider erfüllen ältere Handymodelle diese Anforderungen nicht mehr, weshalb wir die Unterstützung beenden mussten. Momentan werden nur Android Smartphones mit Version 6 und höher unterstützt.

Ich wünsche dir eine gute Fahrt mit SHARE NOW.

 

Manno! Sogar die bei vielen Konsumenten unbeliebten neuen Online-Banking-Apps funktionieren mit Android 5 (und teilweise sogar 4.4). Aber vor allem die Verabschiedung brachte mich auf die Palme und war die Initialzündung für diesen Blogbeitrag: „Ich wünsche dir eine gute Fahrt mit Share Now.“ Sie kicken mich vor die Tür und wünschen mir im gleichen Atemzug eine gute Fahrt mit Share Now. Zynischer geht’s kaum.

 

Vielleicht haben die Share-Now-Entwickler noch Erbarmen mit solchen Dinosauriern wie mir und programmieren die App um. Naiv? Mag sein.


Wie ist es euch mit der Umstellung auf Share Now gegangen? Habt ihr Erfahrungen mit anderen Carsharing-Plattformen? Wie schaut's in den Bundesländern aus? Würde mich über eine rege Debatte freuen!

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10 Kommentare

Ch

Lieber Herr Stingl,

Ihren letzten Kommentar kann ich nur doppelt unterstreichen!
Wirklich herrliche Analogie.

Bin ganz bei Ihnen die Geräte einfach abzuschreiben und wegzuwerfen nur weil die Software-Riesen keine Updates mehr liefern wollen ist ein großes Übel unserer Zeit - und Google hat da echt viel verbockt in den letzten Jahren. Das Problem müssen jetzt leider die Konsumenten ausbaden.

Hoffe der EU Cybersecurity Act bringt da doch noch etwas Bewegung in Richtung Produkthaftung rein, aber zu viel Hoffnung mach ich mir da nicht.

@Horia: htaccess funktioniert halt nicht am Client, aber war schon immer die bessere WAF ;-)
Der eigene Bekanntenkreis ist meist nicht die ganze Welt und Nein, keine Ambitionen mit der Branche.
 

Ho

Auch muß man ernsthaft die frage stellen: wieso können die auto-vermieter nicht mehr mit kundenkarten (mit chip, etc.) arbeiten, wie bis ca. 2016? Es gibt noch immer diese systeme (aber bei anderen firmen, nicht bei car2go und bei drivenow!). Und sie funktionieren gut.

Meine vermutung ist folgende: 
eine app am handy des kunden installieren zu dürfen erzeugt eine große menge an interessante daten für den autovermieter. Wenn der kunde nur eine chip-karte zum öffnen des autos hat, dann weiß die vermieterfirma nichts über ihn: was er so macht in seinem alltag, wo er sich durch die stadt bewegt, etc. Also KEINE big data! Schade.
Also zwingt man plötzlich die vielen kunden eine app zu installieren. Viele der kunden benützen die autos vielleicht nur 2-3 mal im jahr. Dafür weiß die vermieterfirma dauernd, jahrein- jahraus, was dieser kunde tut. Plötzlich ist ein datenberg da, der viel wertvoller ist, als die autovermietung selbst. Denn verglichen zu anderen data-miners (die zB uns ein spiel gratis anbieten, als app am handy) weiß die auto-firma alles über uns: name, wohnadresse, sogar führerscheinnummer und passnummer, alles. Und dazu weiß sie dann noch, durch die app, was wir so im alltag machen, wieviele kontakte in unserem telefon sind, etc. 

Nachdem wir also gezwungen wurden, diese daten über unseren alltag preiszugeben, anstelle mit chipkarte die autos zu öffnen, kommt eben nun das nächste: wir werden, zur freude von Google, Samsung & Co, auch gezwungen, neue geräte regelmäßig zu kaufen. Und dazu erscheinen noch hier leute, die dem "Konsument" vorwerfen, er würde die konsumenten nicht zum braven updaten stimulieren. :(

SB

yes

Glücklicherweise habe ich (in Berlin) eine Carsharing-Alternative gefunden. We-Share. Das sind Elektro-Golfs von VW.

VW stellt eine App zur Verfügung, die für ältere Android-Versionen geeignet sind. Ohne Verbraucher diesbezüglich erziehen zu müssen und ohne die ressourcenverschlingende, profitsteigernde Policy der Elektroartikel-Märkte zu bedienen.

Klar gibt es nicht DEN richtigen Weg, das macht unsere Zeit ja so schwierig. Wundervoll finde ich immerhin, wenn Themen, so wie hier, öffentlich kontrovers diskutiert werden.

Ho

@Christian
das stimmt so nicht! Schuld sind nicht wir, daß wir die alten betriebssysteme benützen, sondern die produzenten der handys, die wir gekauft haben. Diese produzenten WOLLEN nicht aktualisierungen der software der alten handys machen, weil es ihnen lieber ist, daß wir jedes jahr ein neues handy kaufen. Es wäre sehr wohl möglich, zB für ein update eines alten android zu zahlen, das würde weniger kosten als ein neues handy. Wenn ein windows system mit ca. 70€ gekauft werden kann, dann müsste es möglich sein, dasselbe mit einem android zu machen. Niemand will es, weil wir lieber als melkkühe benützt werden, die dauernd neue geräte kaufen sollen. 
Außerdem benütze ich ein android 5 und auch ein Nokia von 2010, und wurde noch nie gehackt, auch kenne ich keinen einzigen menschen, dessen handy gehackt wurde (außer er war politisch eine interessante person).

ich kenne auch webseiten, die extrem alt sind, aber mit der entsprechenden sicherheits-software und htaccess einstellungen sind sie seit 10 oder sogar 15 jahren absolut sicher, gegen den täglich 100 hack-versuche! Aber auch bei den webseiten wird man dauernd gezwungen, updates zu machen (was wieder mit kosten seitens des konsumenten verbunden ist). 
Also ist wie immer die wahrheit etwas komplizierter. Aber vielleicht sind sie der ingenieur, der die apps für Car2Go macht? Oder einer der manager? :) 

Bild des Benutzers mstingl

Lieber Herr Christian, 

danke für Ihre Ausführungen. Sie liegen richtig, Sicherheitsupdates bei älteren Android-Versionen sind so rar wie engagierte Verkäufer im Baumarkt.

Das ändert aber nichts an meiner Kritik am dahinterstehenden schnelllebigen, unnachhaltigen System. Nur mit den Schultern zu zucken und zu sagen "So is es halt" entspricht nicht meinem Naturell. Aber Sie haben Recht. Nicht nur die Appentwickler stehen in der Pflicht. Vorne weg natürlich auch Google, weil es keine (Sicherheits)Updates für seine "veralterten" Betriebsysteme bereit stellt. 

Ch

Lieber Herr Stingl,

Android 6 und Konsorten bekommen seit Jahren keine Sicherheitsupdates mehr.

Die ausnutzbaren Sicherheitslücken gehen nahezu ins Unermessliche - ein Paradies für Hacker:

https://www.cvedetails.com/vulnerability-list/vendor_id-1224/product_id-...

Vom "Konsumentenschutz" würde ich mir erwarten, dass er die Konsumenten schützt.

In diesem Blog für ein absolut veraltetes Betriebsystem zu kämpfen und dort auch noch Netbanking & Co darauf zu betreiben spielt nur den Betrügern und Hackern in die Hände und finde ich persönlich schon fast fahrlässig und nicht nachhaltig.

Und am Ende schreien alle wieder: Warum hat App-Hersteller nichts gegen die Hacker gemacht?? (Thema Datenschutz & Co)...

PS: Der Konsument hat bestimmt ein paar Bücher über sicheres Surfen und sichere Nutzung von Handys im Programm ;-)

Ho

Alternative Empfehlung: 
Das Rail & Drive von ÖBB.
Hat einige vorteile, und relativ geringe nachteile! Vor allem, ist nicht von hirnlosen geldgierigen managern geleitet, sondern ist vernünftig und mit hausverstand gestaltet. 
Zwar gibt es die autos nur bei den bahnhöfen in Wien (sie stehen nicht überall in der stadt) und man muß sie auch zurückbringen. Dafür ist der stundensatz ein bruchteil von dem, was ShareNow verlangt, so daß man es sich leisten kann, sie längere zeit zu nutzen, oder auch irgendwo zu parken (zB während man etwas einkauft). 
Toll und Öko ist auch noch, daß die autos an allen größeren bahnhöfen in Österreich stehen. Also kann man, wie der name es nennt, mit dem zug hinfahren und dann lokal, für die letzte meile, noch ein auto mieten. 

Ich hoffe daß Rail & Drive noch lange so bleibt und erfolg hat!  Es steht im schatten der großen werbetrommel von anderen carsharing firmen, und es wird offensichtlich auch nicht so aktiv beworben. Ich erfuhr es über freunde (genauer gesagt, über "FragNebenan . at"°!) und war begeistert vom flexiblen und intelligentem angebot. (Und nein, bin kein verdeckter/bezahlter werbebotschafter der ÖBB :) !) 
 

SB

Ich habe es erst heute gemerkt und bin genauso entsetzt. Wie arrogant, von bestehenden Kunden plötzlich neuwertige Gerätschaften zu erwarten! Die Dame im Call-Center ist entsprechende Einwände wohl schon gewohnt, weshalb sie mein kleines Problemchen mit einem Nebensatz weggewischt hat. Richtig! Nachhaltig, ökologisch oder menschenfreundlich ist dieser Style eigentlich gar nicht. Wie schade, ich hätte gerne weiter Carsharing gemacht. Vielleicht kaufe ich mir jetzt kein neues Smartphone, sondern ein neues, eigenes Auto. :(

Ho

"Mit jedem Update und den damit einhergehenden neuen Funktionen steigen natürlich auch die technischen Anforderungen. Leider erfüllen ältere Handymodelle diese Anforderungen nicht mehr, "
früher, in der ära der PC-s, war seriöse software so gebaut, daß der benutzer sich es aussuchen konnte, ob er bei der alten version bleibt (und einige neuerungen nicht benützt/braucht) oder ob er ein update macht. 
In der ära der überwachungsgeräte ("handy") wird man logischerweise gezwungen, alle updates auf eigene kosten mitzumachen, das heißt, neue handys zu kaufen, weil Dich dazu die softwareproduzenten zwingen, und Dir keine wahl zwischen alte und neue version lassen! 
Dabei ist anzumerken, daß oft die "neuen Funktionen" oft von einem update zum nächsten kaum bemerkbar sind. Meistens werden nur bugs korrigiert (also sachen, die im verschulden des erzeugers liegen, nicht des benutzers). Trotzdem nimmt man diese bug-updates als anlass, gleich die leute zum handy-update zu zwingen.

Ho

Ich habe dasselbe problem!
Vor ca. 3 jahren habe ich mein smartphone extra dafür gekauft, um car2go weiter benützen zu können. Damals wurde von der magnetischen karte zu der app umgestellt. Auch damals wurden alle kunden gezwungen, ein relativ neues handy dafür zu haben. 
Nun, drei jahre später, werde ich wieder gezwungen, zwischen den kauf eines neuen handys (nur wegen car2go) oder der aufgabe meiner mitgliedschaft zu entscheiden.
Ich bin auf der suche nach einer alternative: denke Stadtauto.at zu benützen... 
Hat jemand andere vorschläge für alternative carsharing-systemen? Leider sind car2go und drivenow durch ihre fusion praktisch ein monopol in diesem segment geworden.

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