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Diesel

Fahrlässig

Trotz VW-Dieselgate dürfen Dieselfahrzeuge die Luft weiterhin mit Feinstaub und Stickoxiden verpesten. Wir alle bezahlen dafür – mit unserer Gesundheit.

VW führte uns alle jahrelang an der Nase herum. Der Konzern verkaufte stinkende, die Luft verpestende Dieselautos als besonders umweltfreundlich. Lug und Trug sind längst aufgeflogen.

In Europa war der VKI Vorreiter, als es darum ging, die vom „Dieselgate“ betroffenen Kunden finanziell zu entschädigen. Beim Feilschen ums Geld und der Diskussion um mögliche Leistungsverluste der mit neuer Software versehenen Motoren kommt mir jedoch ein Aspekt immer wieder zu kurz: Die Kosten für unsere Gesundheit.

Umweltschädlich und gesundheitsbedrohend

Der Dieselantrieb ist seit je eine besonders umweltschädliche und gesundheitsbedrohende Technologie. Der Ausstoß an Stickoxiden (NOx) und Feinstaub schädigt die Lungenfunktion und belastet unser Herz-Kreislauf-System massiv. Studien zeigen dies deutlich und die Fakten sind seit Langem bekannt. Umso unverständlicher ist für mich eine Politik, die Dieseltreibstoff steuerlich subventioniert. Alleine in Österreich kosten die Abgase aus dem Straßenverkehr jährlich vermutlich Hunderte Menschenleben. Dennoch dürfen auf Österreichs Straßen nach wie vor jahrzehntealte Dieselgefährte die Luft verpesten, die längst aus dem Verkehr gezogen gehören. Selbst die seit dem Jahr 2009 verbindliche Euro-5-Norm erlaubt für Diesel-Neuzulassungen einen dreimal höheren Stickoxid-Ausstoß als bei Benzinern. Wie inzwischen bekannt, hat VW nicht einmal die Euro-5-Norm eingehalten (und es darf vermutet werden, dass auch andere Hersteller nicht ganz so sauber sind, wie sie laut Gesetz sein müssten). Die Hoffnung, dass der NOx-Ausstoß nun ab 2017 sinkt, hat bereits einen massiven Dämpfer erfahren.

Auf Druck der Industrie mehr Abgase erlaubt

Auf Druck der Industrie hob die Politik den ursprünglichen Grenzwert von 80 Milligramm Stickoxid (NOx) pro Kilometer auf einen Wert von 168 Milligramm an. Hersteller schaffen es nicht (oder wollten es nicht schaffen), den ursprünglich gesetzten Grenzwert auf der Straße einzuhalten. Eine ähnliche Vorgehensweise – Grenzwerte nach oben zu korrigieren, wenn die Überschreitung zur Regel wird – kennen wir aus anderen Zusammenhängen.

Zur Farce wird das Ganze jedoch durch gesetzliche Regelungen, die es Autoherstellern erlauben, beim angegebenen Spritverbrauch ihrer Modelle (fast nach Belieben) zu tricksen. Die Umweltorganisation ICCT fand unlängst heraus, dass PKW im Schnitt 42 Prozent mehr Kraftstoff verbrauchen als vom Hersteller angegeben. Sie müssen dafür lediglich Schlupflöcher in der bestehenden Regulierung ausnutzen, etwa die Reifen für die Verbrauchstests speziell präparieren oder die Batterie des Fahrzeugs vor dem Test voll auladen. Die Vebrauchertäuschung wird so völlig legal.  

Doch das alles genügt den Herstellern offenbar immer noch nicht, weshalb sie wie VW zu illegalen Mitteln greifen. Und warum das Ganze? Weil Autos, die weniger Gift in die Luft pusten, etwas teurer kämen. Die Trickser und Täuscher setzen sich über Vorschriften hinweg, um sich gegenüber der Konkurrenz einen Wettbewerbsvorteil zu erschleichen. In Europa wird VW dafür bis jetzt noch nicht einmal so richtig zur Kasse gebeten. Für den Automobilgiganten haben sich die betrügerischen Machenschaften bereits bezahlt gemacht. Ernsthafte Konsequenzen durch die Politik zeichnen sich nicht ab, denn es könnte ja Arbeitsplätze kosten. Da nimmt man lieber in Kauf, dass wir Abgase und Feinstoffe inhalieren müssen. Dafür bezahlen wir alle mit unserer Gesundheit und so manche mit ihrem Leben. Nach Berechnungen der Europäischen Umweltagentur waren im Jahr 2012 rund 75000 Todesfälle auf Stickoxide zurückzuführen.

 

Lesen Sie die ganze Geschichte: VW-Abgasskandal

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2 Kommentare

RE

Sehr geehrter Herr Matuschak!

Ich gebe Ihnen bedingt recht und vorab tzeile ich Ihnen mit, dass ich ein begeisteter Dieselfahrer bin.

Es gibt zur Zeit keine alternative. Mein PKW hat über 200 PS und er verbraucht ca 5,5 Liter/100km. Ich fahre pro Jahr ca 12000km mit einem wohnwagen -Verbrauch 9,5lt/100km, da säuft ein Benziner das Doppelte!?

Was tun wir mit dem Diesel, wenn nur noch Benziner fahren (fraktionierte Destillation)?

Gerade gab es seitens des VKI eine Meldung, dass LKW weniger Schadstoffausstoß als PKW haben. Wie soll das gehen, wenn im Schnitt ein moderner LKW 30lt braucht und ein moderner Diesel PKW 5lt oder weniger.

Weiters frage ich mich, warum kein Wort bei der Umweltverschmutzung von Flugzeugen oder Schiffen gesprochen wird? Haben die eine bessere Lobby als Autofahrer?

Kreuzfahrschiffe und Supertanker/frachter schädigen die Umwelt mehr als alle PKW auf der Welt.

Vielleicht erkundigen Sie sich einmal, welchen Treibstoff diese Schiffe verwenden!!!

 

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Edler

 

P.S.: Hoffentlich wollen Sie mir nicht in einem neuen Beitrag verkaufen, dass E Autos umweltfreundlich sind (von der Produktion bis zum bitteren Ende)

 

Lw

Bin sehr viel zu Fuß unterwegs und sehe öfter am Tag die Paket zustellerautos, Lastwagen, monstertraktoren (bei Baustellen) die ohne ersichtlichen Grund die Diesel-Motoren eine halbe Stunde und länger laufen lassen. Der Vki ist sicher nicht der richtige Asprechpartner, doch egal wo man hinschreibt - es kommt kein Echo. Vielleicht können sie es irgendwie in einen Bericht einfließen lassen, schließlich werden auf diese Weise Tonnen von Schadstoffen täglich nutzlos in die Umwelt geblasen!!

Mit freundlichen Grüßen Werner L., Hard 

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