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"Du kannst es noch schaffen"

Eine Selbstbeobachtung mit Swartwatch

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Wenn man zur Smartwatch eine emotionale Bindung aufbaut (Bild: Iaura Cardenas Sierra / Shutterstock.com)

Unzufriedene Eltern, ein unzufriedener Chef, eine unzufriedene Ehefrau – man erträgt ja im Lauf der Jahre so einiges. Letzthin war auch noch meine Smartwatch unzufrieden mit mir. Der einzige Unterschied: Sie formulierte es viel netter.

Eigentlich ...

Ist Ihnen schon aufgefallen, wie viele Sätze man im Leben mit „eigentlich“ beginnt? Das muss wohl daran liegen, dass man vieles eigentlich ganz anders machen wollte, es so nicht geplant hatte. Eigentlich wollte ich gar keine Smartwatch haben. Ich wollte keinen intelligenten Fitnesstracker, der mich auf Schritt und Tritt begleitet, weil sowohl das Wort Fitness als auch das Wort Tracker für mich einen negativen Beigeschmack hat. Natürlich möchte ich gerne fit sein, aber ich scheue die damit verbundene Anstrengung. Dann stand Weihnachten vor der Tür, im Fammilienkreis wurde eine Idee in die Welt gesetzt, und die Dinge entwickelten eine Eigendynamik, bis ich mich mit einer nagelneuen Smartwatch unterm Christbaum wiederfand.

Funktionsvielfalt

Im Sinne des Sprichwortes mit dem geschenkten Gaul beschwerte ich mich nicht, sondern begann, mich mit den Funktionen der Smartwatch auseinanderzusetzen. Die sind nicht nur auf den ersten Blick beeindruckend und lassen sich in zwei große Bereiche unterteilen. Einer davon sind die smarten Funktionen in Form eines Zweitdisplays und einer Fernsteuerung fürs Smartphone. Dank der Koppelung zwischen Smartwatch und Smartphone nehme ich Letzteres mittlerweile viel seltener aus der Tasche. Ich checke am Handgelenk meine Termine im Kalender, kann Nachrichten lesen und beantworten, sehe, wer mich anruft, kann sogar abheben, wenn ich das will. Als Fan des kontaktlosen Bezahlens (ja, ich höre den Aufschrei der Skeptiker) schätze ich es außerdem, dass ich an der Kassa lediglich die Uhr ans Terminal halten muss und die Sache ist einen bestätigenden Signalton später erledigt. Geradezu kindliche Begeisterung erweckt bei mir immer noch die Nutzungsmöglichkeit der Smartwatch als Kontrollmonitor und Fernauslöser für die Smartphonekamera. Die Steuerung des Musikplayers ist ohnehin Standard. So viel also zu den technischen Spielereien, von denen es dank diverser Apps natürlich noch etliche mehr gibt.

Erfolgserlebnisse

Womit wir zum zweiten Anwendungsbereich kommen, dem Fitnesstracking. Offensichtlich kennt der Anbieter seine Kundschaft, denn die Tagesziele – etwa, was den Kalorienverbrauch anbelangt – sind standardmäßig so niedrig eingestellt, dass es selbst eingefleischten Couch-Poatos schwerfallen dürfte, diese nicht zu erreichen. Das ist auch gut so, denn das ganze System baut auf regelmäßigen Erfolgserlebnissen auf. Es gibt Erinnerungen und Aufmunterungen, Statistiken über die erreichten Tages- und Wochenziele und sogar virtuelle Feuerwerke und Preisverleihungen. Auch hier kommt schnell einmal kindliche Begeisterung auf und, was letztlich entscheidend ist, selbst als mäßig Sportbegeisterter habe ich einen gewissen Ehrgeiz entwickelt, mein tägliches Soll zu erfüllen. Ich gehe mehr zu Fuß, als ich es früher getan habe. Ich stehe vom Schreibtisch auf und bewege mich eine Minute lang, wenn ich dazu aufgefordet werde. Ich gebe zu: Bis zu einem gewissen Grad tue ich es nicht nur für mich, sondern auch, um meine Smartwatch zufriedenzustellen. Klingt seltsam? Ist aber menschlich. Es gibt genügend Leute, die ihren Autos Namen geben und sich mit ihrem Mähroboter unterhalten, als wäre er ein Haustier.

Emotional

Diese emotionale Bindung an eine Maschine hat aber auch ihre Tücken. Unlängst war ich ein paar Tage krank und fühlte mich einfach nicht dazu in der Lage, den freundlichen Aufforderungen meiner Smartwatch Folge zu leisten. Aber waren sie überhaupt freundlich gemeint? Während die Tagesstatistiken ins Bodenlose fielen, klangen die Worte „Du kannst es noch schaffen!“ für mich plötzlich nicht mehr aufmunternd, sondern tadelnd. Meine Smartwatch war unzufrieden mit mir, so schien es, und ich wünschte mir, dass ich die Krankschreibung des Arztes als Beweis direkt mit der Uhr einscannen hätte können. Ein Glück, dass ich eine Woche später wieder an meine früheren Erfolgserlebnisse anknüpfen konnte, und der Satz „Du kannst es noch schaffen!“ scheint mir nun doch wieder positive Schwingungen zu transportieren und wird von mir als Ansporn empfunden. Wahrscheinlich war es ja ohnehin immer so gemeint.

Auswahlhilfe

Wenn nun jemand sagt: „Selbst schuld!“, dann kann ich nur mit: „Ja, stimmt!“ antworten – ich hätte mich nicht darauf einlassen müssen. Ich habe diesen Beitrag allerdings auch nicht für jene geschrieben, die dem Fitnesstracking grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen, sondern für alle, die noch schwanken, die andere Meinungen und Erfahrungsberichte einholen möchten.

Fazit

Mein persönliches Fazit fällt jedenfalls positiv aus. Ich habe es nicht bereut und verweise daher gerne auf unsere Testergebnisse von Smartwatches und Fitnessarmbändern auf www.konsument.at/WatchS21.

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