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Elektromobilität und alles wird endlich gut?

Technologie ist ein Teil der Lösung - aber was war eigentlich die Frage?

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viele bunte Autos

Wie wir Mobilität betreiben wirkt sich auf den persönlichen Zeit- und Geldaufwand sowie auf Umwelt, Klima, Gesundheit und Verteilung des öffentlichen Raums aus. Aus Anlass der Mobilitätswoche lesen Sie hier ein paar Gedanken zum Thema Elektromobilität und Informationen darüber, was beim Kauf und bei der Nutzung von e-Autos zu beachten ist.

E-Autos zahlen sich aus: für uns alle und wenn man ein privates KFZ ersetzen muss

Bei der Anschaffung eines e-Autos entfällt die NoVa, es gibt derzeit gute Förderungen und die „Treibstoffkosten“ halbieren sich in etwa. Weitere Infos finden Sie im Konsument-Artikel „11 Antworten zum E-Auto“. Auch wenn das fast einer Verschrottungsprämie gleich kommt, macht es ökologisch keinen Sinn, sein Altauto vorzeitig zu ersetzen. Und teuer sind Privatautos trotzdem: mit der ÖAMTC-Auto-Info können Sie die wahren Kosten berechnen. Wenn man gute Öffis zur Verfügung hat oder sich viele Strecken mit dem Fahrrad oder zu Fuß ausgehen (Sie sparen sich dabei zusätzlich das Fitnesscenter!), dann ist vielleicht die gelegentliche Miete eines Autos sinnvoller (siehe: Carsharing - auf Abruf mobil).

Auch die Allgemeinheit hat durch weniger Lärm und keine unmittelbaren, krankmachenden Abgase viel von e-Autos (u. a. Vermeidung der Zunahme von Asthma bei Kindern und älteren Personen). Meist stehen beim Thema Elektromobilität e-KFZ im Focus der Aufmerksamkeit. An erster Stelle steht jedoch Verkehrsvermeidung z.B. durch bessere Raumplanung (kurze Wege zu Wohnen, Arbeit, Bildung und Einkauf … keine Einkaufszentren auf der grünen Wiese, verdichteter Wohnbau anstelle lauter Einfamilienhäuser). Elektromobilität ist daher vor allem für den unvermeidbaren Verkehr wichtig: Öffentlicher Verkehr, Mietautos, Taxis und Güterverkehr mit Bahn und dann e-LKWs und e-Fahrrädern für „die letzte Meile“.

Der Autokauf für den „GAU“ und weitere Kontraindikationen   

Bei der Diskussion über die Elektromobilität steht oft die Reichweite im Vordergrund, weil das Auto gerne für den „größten anzunehmenden Urlaub“ oder andere, selten vorkommende verkehrstechnische Extremereignisse gekauft wird (so wie zunehmend Geländeautos für die Stadt gekauft werden, im Volksmund SUV oder „Suff“ für hohen Spritverbrauch genannt). Für Strecken über 250 km ist daher eine gute Tankstellenplanung oder eine vernetzte Mobilität, etwa Bahn und Mietauto, notwendig.

„Inaktive Mobilität“ durch KFZ oder auch e-Scooter bedeuten zunehmend ein riesiges Gesundheitsproblem und das von Kindesbeinen an: Bewegungsmangel!

E-Autos retten uns nicht vor der Verschmutzung der Umwelt und der Meere, denn 1/3 des Mikroplastiks stammt gemäß einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts aus dem Abrieb von Autoreifen (siehe auch VKI-Blog Mikroplastik).

Schon gar nicht werden uns die e-Autos vom Stau befreien. Und Sie werden weiterhin in engen Städten dringend gebrauchten öffentlichen Grund verstellen: öffentlicher Raum für Fußgänger, Radfahrer, Begegnung und Kommunikation (Raus aus den Filterblasen der virtuellen Welt!). Raum, der auch durch falsche Förderung knapp werden kann: in Norwegen verstopfen e-Autos die Busspuren.
Ich finde es auch eine hippe – wenn nicht gar smarte – Idee, auf die Straße Millionen von Energiespeichern zum Ausgleich der Stromnetze zu stellen -  in riesiger, quadratmetergroßer  Verpackung und mit 1 bis 2 Tonnen Gewicht! angry

Bevor wir ins E-Auto einsteigen, müssen wir zuerst Energie sparen! 

Für die Energiewende bedeutet Elektromobilität eine Notwendigkeit und gleichzeitig eine Gefahr. Wenn die derzeitigen privaten KFZ 1:1 durch e-Autos ersetzt werden brauchen wir in Österreich schätzungsweise 10 -15 % mehr Strom für deren Betrieb. Selbst wenn dieser Bedarf vollständig aus Umweltzeichen Strom UZ 46 (Strom der tatsächlich aus 100% erneuerbaren Energiequellen stammt) gedeckt wird, braucht es laut einer Studie des Umweltmanagements Austria etwa 50 % Einsparung vom derzeitigen Strombedarf für eine gesicherte und gänzlich aus erneuerbaren Quellen stammende Stromversorgung von Haushalten und Industrie. Und wir müssen besser heute als morgen aus den fossilen Energien aussteigen, wenn wir wollen, dass unser Leben auf der Erde angenehm bleibt anstelle, dass es  zu heiß und von Wetterkatastrophen geprägt wird.

Nicht vergessen dürfen wir auf die „Graue Energie“, also jener Energieaufwand, der für den Abbau der Rohstoffe und  die Produktion der e-Fahrzeuge notwendig ist. Bei unserem Energiehunger steht die Energieerzeugung zunehmend im Konflikt mit der Biodiversität oder anders gesagt: Erst wenn der letzte Fluss verbaut ist, werden wir merken, dass man Strom nicht essen kann (in Abwandlung eines berühmten Zitats).


Weitere Informationen

Studie Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik (Fraunhofer-Institut 2018)

kunststoffe_in_der_umwelt__mikro-_und_makroplastik.pdf

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