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Es wird ein Wein sein

In der Mehrwegflasche?

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Weinflaschen unterschiedlicher Form (Bild: Shutterstock popcorner)

Öko.Logisch

Vor einem Jahr näherte ich mich an dieser Stelle der Frage, warum es im heimischen Lebensmitteleinzelhandel kein flächendeckendes Mehrwegsystem bei 0,33-Liter-Bierflaschen gibt. Diesmal möchte ich eine etwas höherprozentige Frage stellen: Ist ein Mehrwegsystem für die Wein-Branche ein machbares ökologisches Ziel?

Ja, lautet die Antwort, wenn man in die Steiermark blickt. Dort wurde bereits vor zehn Jahren ein Mehrwegsystem, genannt Steiermarkflasche, etabliert. Derzeit machen immerhin 190 Weinbaubetriebe mit. Retourniert werden können die Flaschen zudem in rund 250 Spar-Märkten in der Steiermark und bei neun weiteren Partnerbetrieben. Insgesamt sind rund drei Millionen Steiermarkflaschen im Umlauf.

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Logo Steiermarkflasche (Bild: Land Steiermark)

Statt laufend neue Flaschen energieintensiv zu produzieren, werden die alten wiederbefüllt. Das hilft der Umwelt und dem Klima. „Durch die Wiederbefüllung können wir im Vergleich zu Einwegflaschen jährlich rund 6.000 Tonnen CO2 einsparen“, heißt es in einer Aussendung. Zur Veranschaulichung: Eine Fichte speichert in 100 Jahren durchschnittlich rund 2,5 Tonnen CO2.

Günther Rauch vom Weinhof Rauch in der Südoststeiermark ergänzt: „Neben dem Aspekt des Umweltschutzes stärkt die Rückgabemöglichkeit auch die Kundenbindung, und allein in unserem Betrieb haben wir bei der Steiermarkflasche einen Rücklauf von mehr als 50 Prozent.“ Klare Sache also: Das System muss österreichweit ausgerollt werden, und zwar pronto! Denn der grüne Hebel wäre groß. Insgesamt sind es rund 200 Millionen Flaschen heimischen Weines, die pro Jahr im Inland ausgetrunken werden.

Knackpunkt Flaschenform

Allein, Sie ahnen es, Wein und Wirklichkeit gehen leider weit auseinander. Warum alles nicht so einfach ist, lesen Sie im Folgenden.

Knackpunkt ist die Flaschenform. Die müsste, so wie bei der Steiermarkflasche, einheitlich sein. Nur mit einem großen Flaschenpool könnte ein flächendeckendes logistisches System der kurzen Wege etabliert werden, das ökologisch wie ökonomisch sinnvoll ist. Nun ist es leider so, dass aus Marketingsicht – zumindest ist das in den Köpfen vieler Winzer verankert – eine unverwechselbare Flasche ein Alleinstellungsmerkmal ist, das beim Kunden einen Kaufreiz auslöst.
„Wesentliche Faktoren für einen wertigen Verkaufsauftritt und Wiedererkennungswert“, nennt es Josef Glatt, Direktor des Österreichischen ­Weinbauverbandes, „gerade im Premiumsegment.“ Ob das so ist, sei dahingestellt. Mir persönlich kommt es auf den Inhalt an, die Flaschenform ist mir einerlei. Gerade die höherpreisigen Weine haben mit ihren tendenziell schwereren Flaschen einen umso größeren ökologischen Fußabdruck.

Glatt führt noch die Struktur der heimischen Weinbranche ins Treffen, die sehr kleinteilig sei, „mit sehr unterschiedlichen Vertriebs- und Vermarktungsformen“. Unterm Strich sei für die Branche die Verwendung von Neuglas einfacher zu administrieren. Nicole Berkmann, Unternehmenssprecherin von Spar, formuliert es so: „Das Problem bei Einheitsflaschen ist immer, dass die Marketingleute der Hersteller lieber jeweils ihre eigenen Flaschen haben. Das würde also nur funktionieren, wenn es ein tipptopp funktionierendes System ist und für alle auch finanzielle Vorteile bringt.“

Möglichkeiten werden geprüft

Wird es also ein Wein im Mehrweggebinde sein, erst wenn wir nicht mehr sind? Eine Initiative macht Hoffnung, dass ein flächendeckendes Pfandsystem bei Weinflaschen vielleicht doch schon früher umgesetzt werden könnte. Die Bundesanstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg prüft derzeit gemeinsam mit dem Umweltbundesamt, welche Probleme auftreten können und welche Infrastruktur und Rahmenbedingungen erforderlich sind, um die Mehrwegflasche im Weinbereich zu forcieren. Ein Knackpunkt sei die Verletzbarkeit der Schraubmündung bei der Mehrwegverwendung. „Gemeinsam mit Stakeholdern und der Glasindustrie werden derzeit Möglichkeiten ausgelotet“, erläutert Franz Rosner vom Bundesamt in Klosterneuburg. Klingt einleuchtend. Wobei, bei der Steiermarkflasche scheint es ja kein Problem zu sein.

 


Einwegpfand und Mehrwegquoten

Es gibt ihn zwar hie und da, den „Qualitäts“-Wein im Plastikgebinde. Aber am Plastikflaschen-Gesamtmarkt ist das eher eine Randerscheinung. Insgesamt werden in Österreich rund 1,6 Milliarden Getränkeflaschen aus Kunststoff in Verkehr gesetzt – Jahr für Jahr. Der allergrößte Teil davon sind Einwegflaschen: aufgeschraubt, ausgetrunken und ab in den Müll damit (oder noch schlimmer: in den Straßengraben). Um der Plastikflut Herr zu werden, gibt es unterschiedliche Ansätze. Ab 2025 gilt für Plastikflaschen (und auch für Getränkedosen) ein Einwegpfand. Damit will der Gesetzgeber die Recycling-Quoten weiter nach oben schrauben. Um wegzukommen vom Einweg, wird zudem Mehrweg forciert, und zwar mit verbindlichen Quoten. Alle Filialen des Lebensmittelhandels, die größer als 400 m² sind, müssen ab 2024 Getränke in Mehrwegverpackungen anbieten; konkret Bier, Säfte, Milch, Mineralwasser und alkoholfreie Erfrischungsgetränke.

Ein weiterer Schritt: Ab Jänner 2023 müssen österreichweit alle Kunststoffverpackungen in der gelben Tonne bzw. im gelben Sack gesammelt werden. Aktuell werden in einigen Bundesländern nur bestimmte Kunststoffverpackungen (z.B. Plastikflaschen aus PET) in gelben Tonnen bzw. Säcken gesammelt. Dieses unübersichtliche System haben wir in KONSUMENT immer wieder kritisiert.


0,33-Bier im Mehrweg?

Was wurde aus der vorjährigen Ankündigung des Branchenprimus Brau Union, eine bundesweite Mehrweg-Lösung für 0,33-Bierflaschen etablieren zu wollen? Diese sei in Entwicklung, heißt es jetzt auf Nachfrage, und erste Schritte würden 2023 gesetzt. Man darf gespannt sein.

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