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FaceApp

Vorsicht geboten!

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Jung/Alt (Bild: Alona Syplyak/Shutterstock.com)

Wer kennt sie noch nicht, die FaceApp. Sie macht dich jünger, älter, verleiht dir ein strahlendes Lächeln oder zeigt, wie du mit anderen Frisuren aussehen würdest. Doch lohnt sich der Spaß? Wir sagen Nein und raten von der App ab!

Ja, auch ich habe die FaceApp auf meinem Smartphone installiert und musste natürlich wissen, wie ich in 50 Jahren aussehen werde. Die App verwendet Fotofilter, um Gesichter z.B. altern zu lassen. Oder wolltest du auch schon immer wissen, wie du mit Bart aussiehst? Das alles und noch mehr ermöglicht die App. Dass man für speziellere Fotofilter auch Geld hinlegen darf, ist auch nicht außer Acht zu lassen. Aber in diesem Blog-Beitrag geht es um etwas anderes, nämlich den eigentlichen Preis, den du zahlst, wenn du die App verwendest: deine Daten!

Was passiert mit deinen Daten?

Das nachfolgende Video von chip.de erklärt auf den Punkt gebracht, was die FaceApp mit deinen Daten macht.

(Quelle Video: chip.de)

Kurz zusammengefasst:

  • Du gibst der FaceApp Zugang zu deinem Fotoalbum, deiner Kamera, deinen Medien oder direkt mit der App gemachten Fotos. Diese werden in eine Cloud geschickt, damit die dortigen Server die gewählten Fotofilter (z.B. Alter) anwenden. Das passiert mit KI (künstlichen Intelligenz).
  • Diese Server stehen aber nicht in Österreich, sondern in Amerika. Dadurch gelten automatisch die amerikanischen Datenschutzbestimmungen und die österreichischen werden obsolet.
  • Die Eigentümer-Firma „Wireless Labs“ ist russisch. Laut Auskunft des Unternehmens werden jedoch keine Daten nach Russland übertragen.
  • Laut Yaroslav Goncharov (FaceApp-Gründer und CEO) werden die meisten Bilder nach 48 Stunden von den Servern gelöscht. Dadurch soll u.a. vermieden werden, dass Fotos, die ein zweites Mal hochgeladen werden, die Server zuspammen und verlangsamen.
  • Die App sammelt also alle Fotos von dir und auch von deinen Freunden etc. Je nachdem, wer auf dem Foto zu sehen ist. Zusätzlich erhält sie Zugang zu deinem Browser-Verlauf, Internet-Surf-Verhalten, zu IP-Adressen und vielem mehr.
  • Durch die gesammelten Daten findet die App heraus, wer du bist. Es kann also leicht ein Profil von dir erstellt werden.
  • Die FaceApp behält sich außerdem das Recht vor, diese Daten an Dritte weiterzugeben und auch für kommerzielle Zwecke zu nutzen.
  • Leider funktionieren die Fotofilter nur, wenn du „online“ bist. Das kritisiert auch unsere Medienexpertin im VKI, Joti Bomrah. Denn im Test von Foto-Apps konnte so gut wie jede auch offline Fotos bearbeiten.
  • Datenlöschung: Im Rahmen eines Kurztests habe ich es mir bei meinem iPhone 6s (iOS 12.3.1) angesehen. Über die Einstellungen (Zahnrad-Symbol links oben in der App) kommst du zum „Support“, wo du die Löschung beantragen kannst. Meine Kollegin hat es auf ihrem Android-Tablet (Version 3.4.9.2) versucht, jedoch vergeblich nach einer Datenlösch-Funktion gesucht. Es dürfte also (noch) nicht bei allen Betriebssystemen bzw. Versionen funktionieren.

Hier geht’s übrigens zu den AGB der FaceApp. Laut meiner Kollegin Joti Bomrah sind diese Punkte besonders kritisch zu sehen:

  • When you use our Service, our servers automatically record certain log file information, including your web request, Internet Protocol (“IP”) address, browser type, referring / exit pages and URLs, number of clicks and how you interact with links on the Service, domain names, landing pages, pages viewed, and other such information.
  • When you use a mobile device like a tablet or phone to access our Service, we may access, collect, monitor, store on your device, and/or remotely store one or more “device identifiers.”
  • We may access, preserve and share your information in response to a legal request (like a search warrant, court order or subpoena) if we have a good faith belief that the law requires us to do so.

Die Entwickler der FaceApp bekräftigten in den letzten Tagen, dass sie die Daten nicht an Dritte weitergeben und nicht für andere Zwecke nutzen. Na ja, was nicht ist, kann ja noch werden.

Persönliche Erfahrung

Als ich die FaceApp zum ersten Mal genutzt habe, wollte ich den Zugriff auf mein Fotoalbum auf meinem Smartphone nicht erteilen. Allerdings funktionierte dann das Bearbeiten eines in der App geknipsten Fotos nicht. Erst als ich vollen Zugriff erteilte, klappte auf einmal auch das Bearbeiten von in der App gemachten Fotos. Ist/war es ein Bug? Oder wird/wurde hier absichtlich getrickst … Man weiß es nicht.

Was meiner Meinung nach aber am schlimmsten ist: dass ich in der Lage bin, Fotos von fremden Personen in die App zu laden und so Daten von Personen an die FaceApp preiszugeben, deren Erlaubnis dafür ich gar nie bekommen habe. Ja gut, das ist bei anderen Anwendungen oder in den sozialen Medien auch so. Aber hier wird zusätzlich noch das Original-Bild verändert, was sehr alarmierend ist.

Fazit

Zu wenig Nutzen für einen zu hohen (Daten-)Preis.
Im Namen des VKI: Finger weg! no

Weiterführende Infos

Die Entwickler der FaceApp sind längst nicht die Ersten, die mit Gesichtsfotos experimentieren. Und auch unser guter alter Bekannter „Facebook“ ist hier mal wieder vorne dabei. Stichwort: Zustimmung zu den AGB (Recht zur Nutzung, Reproduktion, Abänderung, Anpassung, Veröffentlichung, Verbreitung etc.). All diese Rechte erteilst du mit der Nutzung der App/Plattform. Aber das würde nun zu weit führen. Lies dazu auch bei uns:


Diese Medien haben u.a. auch darüber berichtet

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