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Im Internet ist immer April
Fake oder nicht, das sollte schon die Frage sein

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Mittels Internet-Werkzeugen Fake News auf der Spur (Bild: Luchenko Yana / Shutterstock.com)

Laut Wikipedia ist die Redensart „in den April schicken“ im deutschen Sprachraum seit dem Jahr 1618 belegt. Trotzdem fallen wir auch heute noch auf Aprilscherze herein, die dank Internet eine neue Dimension erreichen. In gewisser Weise ist im Netz freilich jeden Tag der 1. April, und es wird zunehmend schwieriger, in der Nachrichtenflut wahr von falsch zu unterscheiden.

Schwindendes Vertrauen

Gleichzeitig ist auch das Vertrauen in die klassischen Medien diesbezüglich gesunken. Man wirft ihnen tendenziöse Berichterstattung und verfälschte Darstellungen vor und sucht nach alternativen Informationsquellen. Die finden sich eben nicht zuletzt im Internet.

Vorschnelle Verbreitung

Was mich erstaunt ist, wie hier bei manchen plötzlich jedes kritische Bewusstsein auslässt, wie Meldungen und Fotos geteilt werden, deren Herkunft und Wahrheitsgehalt offenbar niemand hinterfragt hat. Wenn ein „Freund“ auf Facebook eine solche Meldung einmal weiterverbreitet hat, erhält sie für alle, die mit ihm verbunden sind, ein ganz anderes Gewicht und pflanzt sich umso schneller fort.

In unserer Blase gefangen

Natürlich neigen wir Menschen dazu, in erster Linie jene Botschaften zu glauben und zu verbreiten, die uns in unserer Meinung bestärken, unserer persönlichen Weltanschauung entsprechen oder – wer von uns ist schon ein Heiliger? – die Gegenseite in einem schlechten Licht dastehen lassen.

Die Wahrheit hat keiner gepachtet

Und wer bestimmt überhaupt, was wahr und was falsch ist? Wenn man kritisch darüber nachdenkt, wird man keine Instanz finden, die sprichwörtlich die Wahrheit gepachtet hat. Die Gedanken sind frei, sagt schon ein altes Volkslied, und es bleibt nicht bei den Gedanken allein. Die Meinungsfreiheit ist gar in der Verfassung unseres Staates festgeschrieben.

Auch der kritische Blick steht mir frei

Angesichts all dieser Freiheiten steht es mir allerdings auch frei, die Dinge kritisch zu betrachten, egal aus welcher Ecke sie kommen. Mir persönlich geht es jedenfalls besser, wenn ich das mir Mögliche getan habe, um mich nicht an der Verbreitung von Halb- oder Unwahrheiten zu beteiligen. Dazu gehört auch, dass ich bei aller Empörung über das gerade Gelesene oder Gesehene nicht unüberlegt auf „Like“, „Teilen“ oder ein sonstiges Knöpfchen klicke. Als mündiger Mensch trage ich ja auch Verantwortung für das, was ich sage und tue und die allfälligen Konsequenzen daraus.

Die Werkzeuge sind jedenfalls vorhanden

Soweit meine Sicht der Dinge, letztlich kann es jeder so halten, wie er glaubt. Das Internet stellt auf jeden Fall nicht nur Informationen aller Art, sondern auch Werkzeuge bereit, um im Zweifelsfall dem Hintergrund dieser Informationen auf die Spur zu kommen.

Hoaxes

Ein Klassiker des Internets sind die so genannten Hoaxes, also Gerüchte und „urbane Legenden“ (urban legends). Wobei die Grenzen zu den Fake News fließend sind und Letzteres oft nur die aktuellere Bezeichnung dafür ist. Die Seite hoax-info.de befasst sich seit Langem mit der Richtigstellung solcher Behauptungen. Empfehlenswert sind aber auch hoaxmap.org und mimikama.at samt der von dieser Seite betriebenen Suchmaschine hoaxsearch.com.

Umgekehrte Bildersuche

Ein wichtiges Werkzeug ist die sogenannte umgekehrte Bildersuche oder auch Rückwärtssuche (reverse image search). Auf Seiten wie images.google.com, tineye.com oder imageraider.de können Sie ein Foto hochladen oder dessen Webadresse eingeben, um zu sehen, ob es bereits in einem anderen Zusammenhang veröffentlicht wurde.

YouTube-Videodaten

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert der YouTube Data Viewer. Gibt man ins Suchfeld die Adresse eines auf YouTube veröffentlichten Videos ein, werden dessen Metadaten angezeigt, also Zusatzinformationen, wie etwa das Datum des Uploads. Anhand der erhaltenen Daten ist in der Folge ebenfalls eine umgekehrte Bildersuche möglich, denn auch Videoaufnahmen werden häufig aus dem Zusammenhang gerissen.

Exifdaten

Der Dienst exifdata.com wiederum liest die Metadaten von Fotos aus. Das sind zahlreiche technische Angaben zur Kamera und zum Aufnahmemodus, aber auch das Aufnahmedatum und (abhängig vom Gerät, mit dem fotografiert wurde) eventuell der Aufnahmeort. Aber Vorsicht! Mit der geeigneten Software lassen sich Metadaten verändern und sind dann leider selbst so etwas wie Fake News.

Website-Betreiber

Um festzustellen, wer der Betreiber einer Website ist bzw. wo er angesiedelt ist, bieten sich die Services von whois.com und (für österreichische Adressen) nic.at an. Leider sind die Ergebnisse nicht immer aussagekräftig.

Linkservice

Schließlich bietet Google noch eine interessante Funktion. Wenn Sie ins Suchfeld „link:“ mit Angabe einer Internetadresse nach dem Doppelpunkt eingeben (also z.B. link:vki.at), dann erhalten Sie als Ergebnis alle Seiten, die auf die eingegebene Adresse verlinken.

Der Ton macht die Musik

Und zuletzt: Achten Sie darauf, wie eine Nachricht aufbereitet ist. Es ist ein Unterschied, ob zwar deutlich, aber sachlich Kritik geübt wird und diese nach Möglichkeit noch mit Fakten belegt wird, oder ob die Empörung in Großbuchstaben in die Welt "hinausgeschrien" wird. Letzteres dient nämlich häufig nicht nur der Stimmungsmache, sondern auch einfach dazu, Klicks zu generieren. Man spricht auch von Clickbaiting (bait = Köder), was unabhängig vom Inhalt so ziemlich das Gegenteil von seriöser Berichterstattung darstellt.

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