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Knacker-Massage mit Öl

Ein VKI-Team kocht für vom Wohlstand weniger verwöhnte Menschen

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Menü des VKI für Gäste der 2. Gruft (Bild: Arno Dermutz/VKI)

Ein bunt gemischtes Team des VKI hat Anfang Juli für Gäste der Zweiten Gruft gekocht. Vom VKI dabei waren: Gerhard (Chefredakteur von Konsument), Walter und Edi aus der Testabteilung, Barbara vom Europäischen Verbraucherzentrum, Thomas und Barbara aus dem Bereich Recht, und Arno, für das Österreichische Umweltzeichen tätig. Unterstützt haben uns dabei der „chef de cuisine“ der Zweiten Gruft, Pascal, und Mitarbeiter der Caritas.

Die Zweite Gruft zeigt: Die Würde ist den Menschen zumutbar

In Anlehnung an das Zitat Ingeborg Bachmanns: „Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar“ (ein zentrales Motto für die VKI-Arbeit), waren wir berührt, mit wie viel Würde einige ehrenamtliche und eine Handvoll angestellte Mitarbeiter Menschen helfen, die in Not und häufig auch ohne Wohnung sind.

Das Tageszentrum Zweite Gruft unterstützt obdachlose oder notreisende Menschen sowie von Armut betroffene Personen vor allem mit Frühstück, Mittagessen, Kleidung, Beratung und Duschgelegenheiten. Geholfen werden kann nur, wenn Sie helfen: Mit Spenden (Geld oder Sachspenden) oder ehrenamtlichen Tätigkeiten, denn diese Menschen werden vom staatlichen Sozialsystem nicht erfasst.

Man spürt in der Zweiten Gruft eine sehr entspannte, höfliche Atmosphäre. Auch bei der Essensverteilung war alles unkompliziert – entgegen unseren eigenen Vorurteilen und Befürchtungen.

Das VKI-Profikochteam hat (fast) nichts anbrennen lassen

Wir haben für ca. 200 Portionen für das Menü Knoblauchsuppe, Augsburger mit Erdäpfelsalat, der Nachspeise sowie einem Getränk folgende Mengen eingekauft:

  • 5 Liter Schlagobers
  • 15 kg Zwiebeln
  • 2 kg Knoblauch
  • 1 kg Petersilie
  • 31 kg Erdäpfel
  • 2 Liter Öl
  • 1 Liter Apfelessig
  • 23 kg Knacker
  • 8,5 kg Käsekrainer
    (als Reserve und natürlich vom – noch bis Ende Juli geheimen - VKI-Testsieger, ab 26.7. hier online)
  • 240 Schwedenbomben (von Heidi Chocolat AG gespendet)
  • 4 Tuben Senf
  • 1 Riesenflasche Ketchup 
  • 200 Semmeln
  • 206 Flaschen alkoholfreies Bier

Übrigens wird nicht immer so bodenständig gekocht. Eine Ernährungsberaterin hat Pascal für die abwechslungsreiche und gesunde Küche ein super Zeugnis ausgestellt.

Wir haben so gekocht - im VKI-Team und mit den Leuten der Caritas - als hätten wir immer schon miteinander gekocht. Das Menü war pünktlichst fertig. Echt easy going und eine schöne Teamerfahrung. Es war ein fast meditatives Kochen und jedenfalls eine Abwechslung zum oft stressigen Büroalltag: z.B. Zwiebel schälen und schneiden, Knoblauch schälen und pressen, Petersilie zupfen und wiegen, Erdäpfel waschen, dämpfen, schälen und schneiden, Knacker häuten, einschneiden und braten … und das in Riesenmengen. Der einzige Stress war das Hitradio einer auflagenstarken Tageszeitung. wink

Na ja, einmal hätte fast der Rauchmelder angeschlagen, weil Wüstelmenge mal Hitze am offenen Grill das Team kurzzeitig etwas überforderte. Pascal hat dann sofort „Plan B“ entworfen und uns die Knacker mit Öl einmassieren lassen, um sie im Ofen zu grillen (die werden dann so zart wie Wagyu-Rinder smiley).

Als die Suppe übergekocht war, meinte unser „chef de kombüse“ Walter, „in die Suppe blasen hilft“ und es half sofort. Den Schlagobers haben wir auch gerettet, bevor er wie „Butter gerührt war“. Es wurde nichts verschwendet, die Petersilstengel beispielsweise wurden für einen Suppenfonds weiter verwendet.

Das Menü hat allen hervorragend geschmeckt und viele Gäste wollten einen Nachschlag. Einzig die Erdäpfel für den Salat hätten - meiner Meinung nach - eventuell 48 sec. länger in den Dampfgarer gehört.

Das Knoblauch-Trauma 

Der Kampf mit der rutschigen Knoblauchpresse hätte fast zu einem schweren Arbeitsunfall geführt, als diese auf den Boden fiel. Daher liebe VKI-Tester: Wir brauchen dringend einen Test für ergonomische Knoblauchpressen mit rutschfesten Griffen. Ein „Augsburger-Ritzer“ wäre übrigens auch hilfreich (einer, der ein VKI-branding durch die Messer erzeugt wink).
Und - die „Knoblauchbrigade“ hat ein paar Tage lang die sozialen Kontakte etwas einschränken müssen. sad

Fortsetzung folgt – machen Sie auch mit

Das VKI-Profikochteam ist hoch motiviert, nächstes Jahr erneut für „vom Wohlstand weniger betroffene Menschen“ zu kochen. Es wird schon fest an Rezepten ohne Knoblauch getüftelt und wer weiß, vielleicht begleitet uns 2019 ein Gast-DJ.

Nahezu jeden zweiten Tag unterstützt ein Kochteam die Caritas, sei es eine Yogagruppe, ein Freundeskreis oder eine Firma. Sichern Sie sich bald ihren Termin, siehe: Kochen in der Zweiten Gruft. Ideale Gruppengröße (extern): 5 bis 8 Personen.

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Das Kochteam: VKI und Caritas-Mitarbeiter

Dank an Pascal für seine Einkaufstipps und die super Koordination in der Gruft-Küche, Gerhard für die Organisation und dafür, die Heidi Chocolat AG zu animieren, noch Schwedenbomben zu spenden, und Rainer Spenger, der die Aktion seitens der VKI-Geschäftsführung ideell und finanziell unterstützt hat.

Weitere Informationen

  • Armut in Österreich (AK OÖ)     
  • Zweite Gruft
    • Buchtipp (aus Ihrer Bibliothek oder der Buchhandlung Ihres Vertrauens):
      „Expeditionen ins dunkelste Wien“ von Max Winter
      Die Sozialreportagen sind zwischen 1902 und 1930 entstanden, aber teilweise noch immer bzw. schon wieder aktuell.
    • Rezept Knoblauchsuppe für gut 180 hungrige Menschen (© Pascal):
      5 kg Zwiebel in 0,5 l Öl anbraten, wenn Zwiebel Farbe bekommen 0,25 kg Butter dazugeben und danach 1 kg Mehl (gut verrühren!).
      Mit 30 l Rindsuppe aufgießen (selbstgemachter Fond aus Gemüseresten, Kräutern & Knochen).
      2 kg Knoblauch schälen und pressen (ausnahmsweise weitgereisten asiatischen Knoblauch, weil da nur die Knollen zu schälen sind). 1 Stunde köcheln lassen.
      5 l Schlagobers aufschlagen und vor dem Servieren gemeinsam mit 0,25 kg gehackter Petersilie dazugeben.

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1 Kommentare

PS

Liebe VKI - Gruppe,

danke, dass Ihr bei uns gekocht habt! Und - vor allem - danke für die gute Stimmung, die Ihr neben Euren anderen Zutaten ins Essen gemischt habt!!

Wir freuen uns, wenn Ihr wieder kommt ;))

Liebe Grüße

Petra Schmidt, Hausleiterin

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