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Lichtnahrung

Fasten für Fortgeschrittene?

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Bild: Maximuz/Shutterstock

Ist es tatsächlich möglich, ohne Nahrung, nur mit Licht zu überleben? Ein Einblick in die Welt der sogenannten feinstofflichen Ernährung.

Intervallfasten ist ja zur Zeit in aller Munde und hat auch durchaus gesundheitliche Vorteile wie auch meine Kollegin Birgit Beck in ihrem Blog und mittlerweile Langzeit-Selbstversuch beschrieben hat.  Das Thema Lichtnahrung ist mir persönlich bereits öfter untergekommen, aufgrund meines naturwisseschaftlichen Backgrounds stand und stehe ich dem Thema stets skeptisch gegenüber. Doch seit sich der renommierte Ernährungswissenschaftler Claus Leitzmann auf einer Tagung in Gießen dazu geäußert hat, habe ich begonnen, mich ernsthaft der Lichtnahrung zu widmen. Kein Thema wirft so viele Fragen auf, hat mindestens genauso viele Verfechter wie Kritiker und wird von Medien nur allzu gern als Titelthema herangezogen. Laut den Anhängern hat Lichtnahrung mit Fasten übrigens gar nichts zu tun...

Heute beschäftigen sich Instagramer und Youtuber mit dem Thema. Da gibt es zum Beispiel eine Instagramerin die angeblich nur von Luft und Smoothies lebt. Die 25-jährige US-Amerikanerin Audra nennt sich Breatharianerin. Audra praktiziert angeblich ein bis drei Stunden Atem-Rituale am Tag und hat laut eigenen Angaben gar kein Bedürfnis mehr nach fester Nahrung. Nur beim Essen mit Freunden oder Familie greife sie manchmal auf feste Nahrung zurück.

Auf Youtube erzählt Manfred Bruer in mehreren Videoblogs über seine Erfahrungen mit Lichtnahrung. Nach eigenen Angaben nimmt er seit 15. Januar 2018 überwiegend "Lichtnahrung" zu sich.

In Deutschland fand im Februar der "Lichtnahrung Online-Kongress" statt - mit nach eigenen Angaben 6000 Teilnehmern.

Was ist Lichtnahrung?

Nach Vorstellung ihrer Anhänger ist Lichtnahrung (Prana) eine für das Leben notwendige feinstoffliche Energie (Licht, Lebensenergie, Qi, Prana, Bi Gu), die aus Licht gewonnen werden soll. Diese Lichtnahrung soll es ermöglichen, ohne feste Nahrung und Flüssigkeit zu überleben. Die Anhänger der Lichtnahrung sind der Meinung, dass sie ohne übliche Nahrung gesünder und energetischer leben.

Rein wissenschaftlich gesehen ist das nicht nachvollziehbar, der Verzicht auf Nahrung führt zwangsläufig zum Tod. Nicht selten wird den Anhängern daher auch Betrug oder unbewusste Nahrungsaufnahme vorgeworfen. Auch die Möglichkeit, dass manche der „Lichtesser“ im Glauben leben, nichts zu essen, es nach unserer Wahrnehmung aber doch tun, werden diskutiert.

„Man kann mental sehr viel im Körper steuern – wer also stark genug ist, könnte seinen Grundumsatz längerfristig drastisch zurückschrauben“, sagt die Wiener Ernährungsmedizinerin Sonja Schwinger. „Möglicherweise ist nicht alles mit heutigen naturwissenschaftlichen Methoden nachweisbar.“ Sie könne sich auch vorstellen, dass das Konzept „Lichtnahrung“ eher in der subjektiven Wahrnehmung jedes einzelnen Lichtessers existiere als in der Realität: „Menschen leben in unterschiedlichen Wirklichkeiten – es ist daher möglich, dass manche im Glauben leben, nichts zu essen, es nach unserer Wahrnehmung aber doch tun.“

Lichtesser

Beschäftigt man sich näher mit dem Thema, so kommen einem immer wieder folgende Namen unter:

  • der indische Asket und Yogi Prahlad „Mataji“Jani
  • die Australierin Ellen Greve (auch bekannt unter dem Namen “Jasmuheen”)
  • der deutsche Chemiker Michael Werner

Prahlad „Mataji“Jani isst und trinkt seit einer göttlichen Eingebung im Alter von sieben Jahren nichts mehr. Drei Engel hätten ihm gesagt, dass er fortan keine feste oder flüssige Nahrung mehr zu sich nehmen müsse. In der Doku “Am Anfang war das Licht” wird berichtet, dass sich der heute neunzigjährige zehn Tage lang unter die Kontrolle indischer Ärzte begeben hatte. Er wurde rund um die Uhr videoüberwacht, mit Wasser durfte er die ersten 5 Tage überhaupt nicht in Berührung kommen. Einerseits verblüffte das Ergebnis: Prahlad Janis Blutwerte entsprachen so gar nicht dem, was man erwarten würde. Sie lagen im Normalbereich. Wer  zehn Tage weder isst, noch trinkt, noch körperliche Ausscheidungen abliefert, müsste eigentlich tot sein. So hat zum Beispiel der Urinspiegel abgenommen, obwohl Jani angeblich kein Wasser gelassen hatte. Nicht erklärbar sind auch die Schwankungen der Blutwerte. Aber: angeblich ist er mit dem Direktor des untersuchenden Spitals befreundet. Der spektakuläre Fall brachte diesem viel Renommee und Gratiswerbung ein. Zweifel an der Glaubwürdigkeit sind also angebracht.

Die Lichtesserin Ellen Greve “Jasmuheen” ist wohl eines der bekanntesten Gesichter wenn es um das Thema geht. Für die meisten Interessierten erfolgt der Einstieg ins Lichtfasten über ihr definiertes, 21-tägiges Programm: Sieben Tage lang nimmt man gar nichts zu sich, die nächsten 14 Tage lang nur Flüssigkeit. Dann sollte man soweit sein, kein Hungergefühl mehr zu verspüren und ohne Nahrung auszukommen. Ellen Greve gibt in Straubingers Doku übrigens zu, dass sie den Geschmack von Lebensmitteln vermisst und daher hier und da ein Stück Schokolade ist…..In ihrem Buch “Lichtnahrung” preist Ellen Greve alias Jasmuheen das göttliche Licht Prana als “Nahrungsquelle für das kommende Jahrtausend” an. Sie sieht in ihrem Prozess ein Rezept gegen den Welthunger und behauptet, ihre Genstruktur habe sich aufgrund der Lichtkur verändert. Skeptiker boten ihr bis zu 1 Million australische Dollar, wenn sie den Beweis antrete und ihr Erbgut untersuchen lasse. Sie weigert sich bis heute….

Der Chemiker Michael Werner kommt aus der Naturwissenschaft hielt daher das Phänomen Lichtnahrung für gänzlich unmöglich. Er hat es daher (nicht zuletzt um seinen hohen Blutdruck in den Griff zu kriegen) selbst ausprobiert und lebt nach eigenen Angaben seit 2001 ohne herkömmliche Nahrung und in eklatantem Widerspruch zur Naturwissenschaft. Er beiße jedoch schon mal bei der Pizza der Kinder ab, oder er trinkt Säfte - des Geschmacks wegen. Seiner Meinung nach ist die Wissenschaft ergänzungsbedürftig - er verliere täglich Wasser, gleiche das kaum aus, da müsse woanders Materie entstehen. 

Ernährungsphysiologie

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht benötigt ein Mensch ca. 2000 kcal pro Tag je nach Alter, Geschlecht oder körperlicher Betätigung mehr oder weniger. Optimalerweise nimmt man 15 % davon in Form von Eiweiß, 30 % in Form von Fett und 55 % in Form von Kohlenhydraten zu sich. Grundsätzlich gibt die österreichische Ernährungspyramide einen guten Überblick, wie gesunde und ausgewogene Ernährung aussieht. 3 Hände voll Gemüse, 2 Hände voll Obst, max. 3 Mal pro Woche Fleisch, 1-2 Mal Fisch, bei Brot, Gebäck und Nudeln die Vollkornvariante bevorzugen, 3 Portionen fettarme Milchprodukte, täglich 1 – 2 Esslöffel pflanzliche Öle, Nüsse oder Samen, Streich-, Back- und Bratfette sparsam verwenden. Süßigkeiten und salzige Snacks so wenig wie möglich. Das sind die Eckpfeiler einer gesunden Ernährung.  Neben der Nahrung sollten täglich 1,5 Liter Flüssigkeit, bevorzugt energiearme Getränke in Form von Wasser, Mineralwasser, ungezuckerten Früchte- oder Kräutertees oder verdünnten Obst- und Gemüsesäften getrunken werden.

Wie man weiß, werden starke Abweichungen von der Ernährungspyramide bald sichtbar und spürbar. Sprich, es wirkt sich auf die Gesundheit und das Gewicht aus.

Der Grundumsatz eines Erwachsenen beträgt im Durchschnitt 1 Kilokalorie pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde. Bei einem Körpergewicht von 70 kg sind das in etwa 1700 Kilokalorien pro Tag. Der sogenannte Leistungsumsatz hängt von vielen Faktoren aber insbesondere von der körperlichen Aktivität ab. Er liegt zwischen 25 und 40 % des Grundumsatzes. Mit 70 Kilo benötigt man also ca. 2300 kcal pro Tag.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Wie also soll es möglich sein, gänzlich ohne Nahrung und ohne Flüssigkeit auszukommen? Ohne Flüssigkeit überlebt man in der Regel 3 bis 4 Tage, das hängt vom individuellen Grundumsatz sowie der Umgebungstemperatur ab.

Ein gesunder Erwachsener mit normalem Körpergewicht kann 50 bis 80 Tage ohne Nahrung auskommen, vorausgesetzt die Wasserzufuhr ist ausreichend, bei adipösen Menschen ist dieser Zeitraum etwas länger. Man weiß auch, dass Hungerstreikende nach 50 bis 60 Tagen ohne Nahrung den Hungertod sterben. Mehrere Menschen, die sich rein von Licht ernähren wollten sind nach etwa 2 Monaten verstorben.

Prof. Dr. rer. nat Leitzmann hat sich speziell mit 2 Personen beschäftigt, die sich zwar nicht ausschließlich mit Licht ernährt haben, aber nach Prana gelebt haben, sprich mit einer Kalorienzufuhr von weniger als 250 kcal/Tag bzw. 500 kcal/Tag.

Zum einen ist das der “Nicht-Alterns-Philosoph” Wilhelm F. (*1917). Er lebt seit Jahren nach Prana 2 (250 kcal/Tag) und ist außerdem seit 85 Jahren Vegetarier sowie seit 30 Jahren Rohköstler. Leitzmann und sein Team haben die Ernährungsweise von Wilhelm F. über 3 Jahre mit 4-Wöchigen Ernährungsprotokollen aufgezeichnet. Das Ergebnis: Die Blut- und Leberwerte des Mannes sind ausgezeichnet, der Vitamin- und Mineralstoffstatus im optimalen Bereich. Normalerweise müsste der Energiebedarf von Herrn F. bei 1400 kcal/Tag liegen. Herr F. ist zwar kein konsequenter Lichtesser, weil er ein bisschen Nahrung aufnimmt, aber trotzdem ist das Ergebnis höchst erstaunlich.

Die gleiche Aufzeichnung wurde bei einem Herrn Manfred B. (*1947) gemacht, er lebt nach Prana1 (500 kcal/Tag) und erfreut sich ebenfalls bester Gesundheit und optimaler Körperparameter [1] 

Ein Betrug, Irrtum oder aber eine falsche Einschätzung der Nahrungszufuhr schließt Leitzmann bei beiden Versuchspersonen aus.

Leitzmann und sein Team versuchten nun aufgrund der Ergebnisse das Phänomen der minimalen bis keine Nahrungszufuhr wissenschaftlich zu erklären. Am wahrscheinlichsten sei laut Leitzmann eine sehr effiziente Autophagozytose, die alle Abfallstoffe des Stoffwechsels recycelt. Eine Photosynthese scheidet aus, ebenso die Bindung von Luftstickstoff durch die Darmflora. Auch gründliches Kauen der Rohkost und somit die komplette Aufnahme aller Nährstoffe ist nicht möglich - die Nährstoffaufnahme ist dafür zu gering. Die Anwesenheit und Wirkung von Biophotonen wurde bislang nicht ausreichend untersucht. Am Ende bleibt wieder ein großes Fragezeichen…...

Doku – am Anfang war das Licht

Die umstrittenste Doku im deutschsprachigen Raum zum Thema Lichtnahrung bzw. zumindest in Österreich ist wohl jene von P.A. Straubinger „Am Anfang war das Licht“. Diese Dokumentation des österreichischen Filmemachers ist mittlerweile bereits 9 Jahre alt. Straubinger besuchte mehrere Personen weltweit, die angaben, sich nur von Licht zu ernähren, und suchte nach möglichen Erklärungen, ob und wie Lichtnahrung funktionieren könnte. Interessant ist meiner Meinung, dass das Phänomen Lichtnahrung in den unterschiedlichsten Religionen und Kulturkreisen praktiziert wird und nur eine andere Bezeichnungen hat (Licht, Lebensenergie, Qi, Prana, Bi Gu). Weltweit sollen sich an die 30.000 Menschen von Lichtnahrung ernähren. Nach Meinung der Praktizierenden von Lichtnahrung ist es wichtig, nicht nur nicht zu essen sondern dies mit, je nach Anhängerschaft unterschiedlichsten Techniken richtig zu erlernen bzw. zu trainieren.

Der Film wurde bei Erscheinen heftig kritisiert, man unterstellte Straubinger Pseudowissenschaftlichkeit, die Berichterstattung sei einseitig und manipulativ. Ich habe die Doku damals gesehen und sie mir nochmals zu Gemüte geführt. Für mich als naturwissenschaftlich geprägten Menschen ist vieles, das im Film behandelt wird nicht erklärbar. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, die Berichterstattung sei einseitig oder tendenziös.

Todesfälle

Das Leben mit der Nulldiät hat auch bereits zahlreiche Todesopfer weltweit gefordert. Anna Gut aus der Ostschweiz ließ sich nach längerer Vorbereitung auf den Lichtnahrungsprozess von Ellen Greve ein. Nach der ersten Woche trank sie wieder, fastete aber wie vorgeschrieben in den Wochen zwei und drei. Anna Gut wollte weiterhin nur von Prana leben. Ihre zwei erwachsenen Kinder machten sich Sorgen, denn ihre Mutter wirkte geschwächt und zog sich immer mehr zurück. Kurze Zeit später war sie verstorben: Tod durch Verhungern.

Im März 1997 starb der 31-jährige Münchner Timo Degen. Die radikale Fastenkur hatte zu einem Kreislaufkollaps geführt. Im September 1999 starb die 48-jährige Australiern Verity Linn in Schottland. Wanderer fanden ihren ausgemergelten Körper an einem See. Aus ihrem Tagebuch ging hervor, dass sie den Lichtnahrungsprozess absolviert hatte. Einer der letzten Fälle: ein Hamburger starb Ende 2017 im Alter von 22 Jahren auf der Karibik-Insel Dominica.

Jasmuheen distanziert sich selbst mittlerweile etwas von ihren früheren Empfehlungen - da die Leute  ihren Anweisungen nicht richtig folgen würden…..

Ohne Nahrungszufuhr wird der Körper gezwungen, den Stoffwechsel umzustellen und die Reserven in den Organen und Muskeln anzuzapfen. Der Flüssigkeitsmangel führt außerdem zur Ansäuerung und bewirkt Leberschäden. Das Immunsystem wird  geschwächt, und die Gefahr einer Infektion steigt. Bei sinkendem Blutzuckerspiegel drohen Lichtesser ins Koma zu fallen. Weiters kann die Unterversorgung des Hirns zu Psychosen führen.

Mein Resümée

Zum Thema Lichtnahrung gibt eine Fülle von Informationen, Erfahrungsberichten, Pro- und Kontras und ich könnte und werde mich damit wohl auch noch länger damit beschäftigen.

Fahrlässig finde ich, wenn selbsternannte Gurus vermitteln, jeder könne ganz easy auf Nahrung und Flüssigkeit verzichten ohne auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Auch wenn es manchen Menschen auf unergründliche Weise gelingt, so spricht die Zahl der Todesopfer eine andere Sprache.

Ich beschäftige mich auch mit mentalem Training und es ist immer wieder erstaunlich, zu was unser Geist fähig ist, wenn er “trainiert” wird. Für mich bleibt Lichtnahrung ein Phänomen. Ich mag es nicht als Spinnerei abtun, wenngleich ich dem Ganzen sehr kritisch gegenüberstehe. Der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge….

Was ist mit Nährstoffmängel? Keiner der Personen hat einen Nährstoffmangel oder hat Anzeichen von einer Unterversorgung mit Vitaminen. Das müsste doch ziemlich rasch sichtbar sein! Und was mich doch sehr verwundert ist, dass es trotz oder gerade wegen der kontroversen Diskussion nicht mehr Studien gibt. Die würden doch den wissenschaftlichen Beweis liefern, ob und wieviel an dem Thema dran ist.

Wie Science Buster Werner Gruber zu sagen pflegt: „Wenn wir in der Nacht zum Kühlschrank gehen und zunehmen, dann ist auf alle Fälle nicht das Licht im Kühlschrank schuld.“

Auch wenn ich mich persönlich rein von Licht ernähren könnte, würde ich das doch nicht wollen. Essen ist ja nicht nur reine Nahrungsaufnahme, sondern auch Genuss und Freude, auf die ich nicht verzichten mag. Und einige der Lichtesser geben ja auch zu, des Geschmackes wegen ab und an Schokolade oder ein Stück Pizza zu essen...

[1] Leitzmann, C. PRANA - die feinstoffliche Lichtnahrung. UGB-Tagung Gießen, 10.-11.05.2019.

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2 Kommentare

Bild des Benutzers kmittl

Lieber Severin,

vielen Dank für Ihren Input! Das Problem ist, das es eben keine wirklichen, seriösen Studien dazu gibt! Die Aussagen des Herrn Leitzmann stammen von der UGB-Tagung in Gießen 10.-11.05.2019 bzw. dem Tagungsband (Quelle wurde ergänzt). Herr Leitzmann beschreibt, dass die Probanden mittels Ernährungsprotokoll ihre Ernährung dokumentiert haben und daher stammen die Werte. Es ist eben eine oder mehrere Aussagen, denen man Glauben schenken kann oder auch nicht. 

Alle weiteren Punkte die Sie nennen stellen auch für mich ein großes Fragezeichen dar, weil es eben nicht erklärbar ist. 

SF

Severin Fraundorfer Liebes Team vom KONSUMENT und sehr geehrte Katrin Mittl-Jobst.

Mal abgesehen davon, dass wir uns hoffentlich alle einig sind, dass "Lichtfasten" Blödsinn ist, bin ich etwas verwundert über die Quelle zu der "Studie" von Prof. Leitzmann. (https://www.natuerlichleben.net/.../prana-studie-prof...)

Das kann doch nicht ernst gemeint sein?! Wo ist die Methode beschrieben? Im Blog-Beitrag ist davon die Rede, dass sie "[…] die Ernährungsweise von Wilhelm F. über 3 Jahre mit 4-Wöchigen Ernährungsprotokollen aufgezeichnet […]" haben. Was bedeutet das konkret?
Lassen wir mal außer acht, dass man auf seriösen Seiten wie PubMed zwar einen Haufen Arbeiten von Leitzmann findet, aber keine einzige sich mit dem obigen Link deckt. Nehmen wir an, diese "Studie" wäre echt, müsste man die beiden Herren Fiebiger und Bruer bis aufs kleinste Detail wissenschaftlich untersuchen, denn die beiden haben laut der "Studie" die Fähigkeit den 1. Hauptsatz der Thermodynamik außer Kraft zu setzen. Das wäre bahnbrechend. Die beiden würden die Lösung für die Klimakrise und den Hunger in der Welt in sich tragen. Aber mal ernsthaft:
Wie soll es möglich sein 1400kcal bzw. 2400kcal täglich zu verbrauchen und nur 300kcal bzw. 500kcal täglich zu konsumieren, ohne massiv an Gewicht zu verlieren. Das müsste selbst in "4-Wöchigen Ernährungsprotokollen" deutlich merkbar sein.
Die Erklärung der Autophagozytose kann diesen Gap auch nicht verschwinden lassen. Mal abgesehen davon, dass, um die Energie eines Lebensmittels zu bestimmen, es vollständig(!!) verbrannt wird. Was soll dann noch recycelt werden? Verbrennen alle anderen Menschen kcal so ineffizient? Verdauungsanalysen zeigen was anderes.

Weiters: Wie groß sind die Probanden? Herr Fiebiger wiegt ja laut dem Link nur 45kg. Sofern der Herr nicht maximal 1,55m groß ist, kann man wohl nicht davon ausgehen, dass es sich um einen gesunden Menschen handelt.

Letzter Punkt: Wenn man sich die Quellen des (ich nenn es mal) "Papers" ansieht, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Prof. Leitzmann irgendwas damit zu tun hat. Beispiel: "Steiner R: Die Offenbarungen des Karma." etc.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich bin dafür, sich auch mal kontroversen Themen zu widmen und die Conclusio des Beitrags ist ja auch nicht schlecht, aber als Ernährungswissenschaftlerin sollten Sie dann doch einem gewissen wissenschaftlichen Standard gerecht werden. Auch wenn, oder gerade weil es sich hier um keine Fachzeitschrift handelt.

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