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Menstruationstassen

Warum testen wir diese Produkte?

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Menstruation (Bild: Erika Smit/Shutterstock)

Besuch von Tante Rosa, Erdbeertage, die Rote Armee – zu einem der natürlichsten Vorkommnisse von 51% der Weltbevölkerung kursieren ganz schön unterschiedliche Euphemismen. Obwohl ich sonst eine Freundin des Wortspiels bin, bei diesem Thema bleib ich ganz schlicht beim aus dem Latein stammenden „Menstruation“. Herrlich unaufgeregt und einfach treffend, leitet es sich doch vom Wort für "Monat" ab. Ein Mal im Monat blutet eine Frau, und das so lange ihr Körper in der Lage ist Kinder zu bekommen.

Ende 2015 wurde eine Umfrage mit 90.000 Telnehmerinnnen durchgeführt (geleitet von der Zyklus-App Firma Clue sowie der International Women’s Health Coalition, einer New Yorker Interessenvertretung für Frauengesundheit und Frauenrechte). Eine der Fragen lautete:

Fühlst du dich wohl deine Periode mitweiblichen Familienmitgliedern zu besprechen?

Erstaunliche 23% der teilnehmenden Österreicherinnen sagten dazu „Nein“. Was heißt das nun? Fast ein Viertel der Frauen will nicht einmal mit gleichgeschlechtlichen Familienmitgliedern über das Thema Menstruation reden. Diese Zahl bedrückt mich, unter anderem aus folgendem Grund: ein Thema über das nicht einmal in der Familie geredet wird, darüber gibt es höchstwahrscheinlich auch keinen offenen öffentlichen Diskurs. Dabei gebe es doch so viel zu besprechen!

Eine kleine Rechnung

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Berechnung Menstruation in Prozent: (6 / 28) x 100 % = 21,4 %

Wenn eine durchschnittliche Menstruation 6 Tage dauert und ein durchschnittlicher Zyklus 28 Tage – dann verbringen Frauen mehr als ein Fünftel ihrer Zeit damit die Regel zu haben.
 

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Berechnung Menstruation in Jahren: (50 - 13) / 100 % x 21,4 % = 7,9 Jahre

Grob geschätzt haben Frauen die Menstruation im Altern von 13 bis 50 Jahren – das sind 37 Jahre. Und 20% von 37 Jahren sind fast 8 Jahre!

 

Menstruation, GRafik: D. Brindlmayer

Menstruation im Leben einer Frau (Bild: Montage: D. Brindlmayer/VKI, Eierstockgrafik: Imbirr/Shutterstock)

Fast 8 Jahre lang hat eine Frau also ihre Menstruation – und dann redet sie nicht mal mit ihrer Familie darüber? Warum ist das „darüber reden“ denn überhaupt so wichtig? Aus vielen verschiedenen Gründen, einer davon ist schlicht und einfach „Informationsaustausch“. Wer hat ein Hausmittel gegen die Schmerzen? Wie geht man mit Gefühlsschwankungen um? Was gehört alles zu einem „normalen“ Zyklus dazu? Welche Möglichkeiten habe ich zum hygienischen Schutz? Die Menstruation ist so viel mehr als nur ein paar Tage im Monat zu bluten. Manche Frauen leiden stark unter hormonellen Schwankungen - so sehr dass wegen Gemütsschwankungen auch ihre Beziehungen darunter leiden. Wäre das Thema Menstruation nicht so ein Tabu-Thema, könnte man doch offen mit Partnern und Freunden darüber reden. Vielleicht fällt einem ja sogar ein Muster auf, auf das man sich gemeinsam einstellen kann (Oha –  zwei Tage vorher bin ich sehr sensibel und sollte aufpassen dass ich nicht alles zu persönlich nehme!).

Zahlen und Fakten

Aber abgesehen von diesen nicht messbaren Gefühlsthemen gibt es auch Aspekte an der Menstruation die sich klipp und klar in harten Fakten und Zahlen darstellen lassen: Eine britische Studie aus dem Jahr 2015 ergab, dass Frauen durchschnittlich 21.500€ im Laufe ihres Lebens für und rund um die Menstruation ausgeben. Diese enorme Summe beinhaltet neben Monatshygiene auch Schmerzmedikamente, Pflegeprodukte und Verhütungsmittel. Betrachtet man die reinen Kosten für Produkte zur Monatshygiene, so schätzt die österreichische Plattform „Erdbeerwoche“ die Ausgaben aber immer noch auf 2.500€. Diese Summe kommt unter anderem durch die hohe Steuer auf Monatshygiene Produkte zustande. In Österreich zahlen Frauen bei jedem Kauf von Tampons, Binden oder Slipeinlagen den höchsten Mehrwehrtsteuersatz von 20%.

Es gibt allerdings auch Produkte für die weniger Steuern bezahlt werden müssen. Auf der Website help.gv.at findet sich dazu folgende Erklärung:

Für einige Waren/Dienstleistungen gilt ein begünstigter Mehrwertsteuersatz von 10 Prozent. Dazu gehören z.B. Nahrungsmittel, Medikamente, Bücher, Zeitungen, Wohnungsmieten, kulturelle Veranstaltungen (Theater, Kino, Konzerte etc.), die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel, Heizmittel.

Ganz hart formuliert: Dinge über die ich selbst entscheiden kann (Bücher kaufen, ins Kino gehen) werden also weniger besteuert als die Produkte ohne die ich als Frau Jahrzente meines Lebens nicht auskomme. Wieso? Ist das fair? Warum protestieren so wenige Frauen dagegen? Ich meine, weil noch immer zu wenig öffentlich über das Thema geredet wird.

Aus welchem Material werden Hygiene-Produkte hergestellt?

Menstruations-Utensilien (Bild: tachyglossus/Shutterstock)

Menstruations-Utensilien (Bild: tachyglossus/Shutterstock)

Ein ganz anderer Aspekt des „nicht darüber reden“ betrifft nicht den Preis der Monatshygiene Artikel, sondern die Produkte selbst. Woraus bestehen sie? Welche Informationen müssen auf den Verpackungen stehen? Welche Qualtitätsanforderungen gelten für Produkte die nahe am Körper oder gar im Körper getragen werden? Die Antwort auf die letzte Frage ist leider: erstaunlich wenige und unkonkrete.

Das österreichische Verbaucherschutzgesetz (LMSVG, BGBl. I Nr. 13/2006) sowie das Kapitel / B 36 / Gebrauchsgegenstände des österreichischen Lebensmittelbuchs behandeln Hygieneartikel. Hier finden sich allgemeinen Vorschirften dass Produkte sicher sein müssen, und die Gesundheit nicht gefährden dürfen. Wie das bewiesen wird, ist dem Hersteller selbst überlassen. Speziellen Vorschriften mit Grenzwerten zu Schadstoffen die eingehalten werden müssen gibt es nicht. Auch bei der Deklarationspflicht tut sich nicht viel. Vergeblich sucht man die Inhaltsstoff Angaben von parfümierten Binden oder Slipeinlagen. Zum Vergleich: Auf jedem Parfum müssen potentiell allergieauslösende Dufstoffe auf der Verpackung aufgelistet werden sofern sie enthalten sind, dies gilt auch für Waschmittel. Nur Slipeinlagen die ganz nah am Körper (teilweise mit direktem Schleimhautkontakt) getragen werden müssen keine solche Hiweise tragen. Warum?

Wie sieht es mit den Materialien selbst aus?

  • Woraus besteht eine Binde?
  • Was ist „medizinisches Silikon“?
  • Wie wird die Hautverträglichkeit einer Menstruationstasse getestet?

All diese Fragen sind der Grund für die wiederkehrenden Tests von Verbraucherschutz Organisationen. In der Vergangnheit hat der KONSUMENT bereits Tests zu Tampons und Slipeinlagen veröffentlicht. Nun gibt es seit einiger Zeit auch bei uns Menstruationstassen in den Drogerien zu kaufen. Waren diese Produkte bis vor kurzem nur in „Öko“-Shops oder online erhältlich, so sind sie nun beim Mainstream angekommen. Für den österreichischen Markt sind sie jedenfalls noch so neu, dass sie in keinem Gesetz namentlich genannt werden. Mich jedenfalls haben die Ergebnisse der Testung sehr interessiert! Enthalten die Cups Weichmacher, färben die bunten Produkte ab und wie sieht es aus wenn ich versuche eine Tasse zu zerreißen? Was sagen Testerinnen zum Komfort und wie schneiden die Tassen im Vergleich zu Tampons und Co. ab? All das kann man nachlesen – in der Juni Ausgabe von KONSUMENT (erscheint am 24. Mai)! Und wenn euch intressiert wie wir die Reißfetigkeit getestet haben, könnt ihr das in diesem Video ansehen!

Test: Menstruationstassen

 

 

 

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2 Kommentare

Bild des Benutzers bschiller

Lieber Herr "Muvimaker",

ja, da haben sich tatsächlich ein paar Fehler hineingeschummelt. Danke für die Aufmerksamkeit. Was passiert wenn die Tassen einer Kraft von über 100N ausgesetzt wird haben wir für unseren Test selbstverständlich ausprobiert - das Ergebnis präsentieren wir dann in der Mai Ausgabe des KONSUMENT.

 

Mu

Werte Frau Schiller!

Vor Veröffentlichung eines Beitrages wäre die Anwendung einer Rechtschreibprüfung vorteilhaft. Es sind zwar nur Kleinigkeiten, doch bei einem Artikel dieses Umfangs summieren sie sich und fallen dann doch auf...

Wenn Sie wissen wollen was passiert wenn Sie versuchen eine Tasse zu zerreißen (so schreibt man das Wort übrigens richtig), warum probieren Sie es nicht selbst aus?

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