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Metschnikowia pulcherrima

oder: kann eine Hefe das Palmöl Dilemma lösen?

Palmöl  überall - in jedem zweiten Produkt, das wir im Supermarkt kaufen, steckt Palmöl. Es steht zunehmend unter Kritik, weshalb Viele auf Palmöl verzichten möchten. Kokosöl oder Rapsöl sind keine Alternativen, im Gegenteil.  Britische Forscher der University of Bath arbeiten nun an einem Palmöl-Ersatz, der mit Hilfe der Hefe Metschnikowia pulcherrima gewonnen wird.

Missachtung der Menschenrechte, Kinderarbeit und Lohnsklaverei stehen unweigerlich in Verbindung mit dem Palmölanbau. Sicher ist: Der Großteil der Lebensmittelindustrie wird auch in Zukunft auf Palmöl setzen. Palmöl ist bei der Weltproduktion von pflanzlichen Ölen ganz vorne, weil es schnell und billig hergestellt werden kann, weil es geschmacksneutral, hitzestabil und sehr lange haltbar ist. Es bleibt an keiner Verpackung kleben und kann gut andere Fette ersetzten. Andere Öle wie Kokosöl oder Palmöl stellen keine Alternative dar. Im Gegenteil, der Flächenverbrauch der genannten Öle wäre noch höher als bei Palmöl.

Gibt’s einen Ausweg aus dem Dilemma?

Bei meinen Recherchen zum Thema Palmöl bin ich auf ein Forscherteam aus Großbritannien gestoßen. Dieses arbeitet mit der Hefe Metschnikowia pulcherrima, welche auf Lebensmittelabfällen genauso wie auf Traubensamen oder Stroh wächst.  Sie produziert unter den richtigen Bedingungen ein dickflüssiges Öl. Das hat gleiche oder ähnliche Eigenschaften wie Palmöl. Metschnikowia pulcherrima kannte man bislang nur vom südafrikanischen Weinbau (Jeder Wein braucht Hefen, um zu gären. Es gibt zahl­rei­che Hefe­stämme, und jeder hat bestimmte Eigenschaften).

Dr. Chris Chuck ist einer der leitenden Forscher des Projekts der Universität von Bath. Laut ihm erfordert diese Art der Ölproduktion eine 10 bis 100 Mal geringere Fläche als die Palmölherstellung. Es wird kein Licht benötigt, die Produktion kann also rund um die Uhr erfolgen. Eine der größten Herausforderungen: Metschnikowia pulcherrima  braucht für das Wachstum Zucker. Und dieser muss erst in einem chemischen Prozess aus dem jeweiligen Rohstoff herausgelöst werden, bevor er mit der Hefe vermengt wird, was widerum aufwendig und teuer ist.

Es könnte also Jahre dauern, bis es gelingt, das Verfahren industriell zu nutzen - wenn es sich nicht sogar als ungeeignet herausstellen sollte.

Gentechnisch verändert Mikroalgen

Ein Hersteller von Wasch- und Reiningungsmitteln verwendet mittlerweile Algenöl.  Mittels der synthetischen Biologie sind die entsprechenden Stoffwechselwege in den Algen optimiert worden. Sie weisen mehr Fett und eine Fettsäurezusammensetzung auf, die der von Palmöl ähnlich ist. In einem Metalltank fressen Algen Sauerstoff und Zucker und vermehren sich dadurch. Anschließend werden sie getrocknet und das Öl aus ihnen herausgepresst. Die Palmöl-Ersatzstoffe produzierenden Mikroalgen werden  in Europa wahrscheinlich als „gentechnisch verändert“ eingestuft werden. Sollten daraus Lebensmittelzutaten gewonnen werden, wären sie wie alle mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellten Stoffe nicht kennzeichnungspflichtig.

Grundsätzlich müssen alle Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, die neuartig sind oder nach einem „neuartigen Verfahren“ hergestellt werden nach der Novel Food-Verordnung (EG 258/97) zugelassen werden. Die Hersteller müssen nachweisen, dass der Verzehr gesundheitlich unbedenklich ist. Mit Hefe hergestellte Palmöl-Ersatzstoffe werden damit zulassungspflichtig sein.

Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Sie hören von mir, wenn sich in diesem Bereich etwas tut. Bis dahin verkneife ich mir den einen oder anderen Palmöl-Keks und tu damit nicht nur meiner Gesundheit etwas Gutes, sondern auch der Umwelt.

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