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Microsofts Liebesbedürfnis ...
... und wie es der Konzern trotzdem wieder schafft, sich durch Zwangsbeglückung unbeliebt zu machen

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Microsoft-Zentrale im Silicon Valley (Bild: jejim / Shutterstock.com)

Sie verwenden Windows 7 und möchten zumindest bis zum Supportende im Jahr 2020 dabei bleiben? Dann können Sie nur hoffen, dass Ihr vorhandener Rechner durchhält. Flirts zwischen alter Software und neuen Geräten sieht man bei Microsoft nämlich gar nicht gern.

Windows nicht nur brauchen, sondern es lieben

Der neue Microsoft-Chef Satya Nadella ist 2015 mit ehrgeizigen Zielen angetreten. Das Bestreben müsse es sein, dass die Menschen Windows nicht nur verwenden, weil sie es brauchen, sondern weil sie es lieben, heißt es im Leitbild, das er damals an alle Mitarbeiter ausgesandt hat.

Emotional statt stinknormal

Diese emotionale Komponente fand man bis dahin ja eher beim (zumindest unter Steve Jobs) sektenähnlich geführten Konkurrenten Apple als beim nüchternen und langweiligen Großkonzern. Aber wenn Selbsterkenntnis der erste Schritt zu einem neuen Image ist, habe ich nichts dagegen einzuwenden.

Was fehlt, ist das Fingerspitzengefühl

In einer Beziehung braucht man freilich auch ein gewisses Gespür für die Bedürfnisse des anderen. Und auf keinen Fall sollte man ihn mit irgendetwas überfahren, wenn man auf aufrichtige Gegenliebe hofft. Genau das hat Microsoft aber gerade wieder so gut hingekriegt, wie ein Boogie-tanzender Elefant das unbeschädigte Hinterlassen eines Porzellanladens.

Worum geht's eigentlich?

Ein Beitrag auf den Supportseiten von Microsoft macht stutzig: Es geht um die Ursache für die Fehlermeldung "Ihr PC verwendet einen unter dieser Windows-Version nicht unterstützten Prozessor", die Nutzer von Windows 7 und 8.1 bei der Suche nach Updates zu sehen bekommen könnten.

Kein altes Windows für neue Rechner

Lassen wir Microsoft weitersprechen: "Dieser Fehler ist darauf zurückzuführen, dass neue Prozessorgenerationen die neueste Windows-Version benötigen, um unterstützt zu werden. Beispielsweise wird Windows 10 als einzige Windows-Version für die folgenden Prozessorgenerationen unterstützt: Intel-Prozessoren der 7. Generation, AMD Bristol Ridge, Qualcomm 8996.“

Was sind die Folgen?

"Aufgrund der Art und Weise, wie diese Supportrichtlinie implementiert wird, können Geräte unter Windows 8.1 oder Windows 7 mit einem Prozessor der siebten Generation (oder neuer) möglicherweise nicht mehr Updates über Windows Update oder Microsoft Update suchen bzw. herunterladen", so Microsoft weiter.

Und die Lösung?

Die hat Microsoft ebenfalls parat: "Es wird empfohlen, für Windows 8.1- und Windows 7-basierte Computer ein Upgrade auf Windows 10 durchzuführen."

Zwang weckt keine Liebe

Ich frage mich: Was ist das für ein Support, wenn dieser durch Ausnahmen ausgehöhlt wird? Über die Sinnhaftigkeit der Installation von Windows 7 auf einem neuen Rechner kann man diskutieren, aber wenn ich über eine legal erworbene Lizenz verfüge, dann möchte ich Letzteres auch tun können, nämlich frei über sie verfügen. Zwang weckt jedenfalls im damit Beglückten keine Liebe. Das sollte Mr. Nadella eigentlich von alleine wissen.

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6 Kommentare

ka

Auch ich wurde ein "Opfer" des ungewollten aber automatischen Updates auf Windows 10 - und musste vieles neu einstellen, damit die Peripherie wieder funktioniert. Die Diskrepanz heutzutage: entweder einen Rechner, der installiert wird und nicht im Internet hängt (mit allen Nachteilen, weil man das Internet ja doch auch sinnvoll nutzen kann!) oder man ist dem Update-Wahn relativ hilflos ausgeliefert (veränderte Programme, fehlerhaftes Zusammenarbeiten mit der Peripherie, etc. etc.) wodurch man ständig checken muß, ob alles wie vorher funktioniert. Ausserdem muss man sich bei einigen Programmen auf geänderte Bedienung durch andere Oberflächen wieder neu einstellen (z.B. habe ich eine Version von PMB  (Fotoarchiv), welches durch Update völlig anders funktioniert. Das ist einfach nur lästig.

Ist man heute überhaupt noch Besitzer seiner eigenen IT-Ausrüstung oder haben die Softwaregiganten schon lange die Herrschaft darüber übernommen ? Wo bleiben die Rechte der "Besitzer" von Geräten, die diese doch seriös im Handel gekauft haben? Denn - nicht alles was als "Hilfe" angeboten wird (von der Software) ist auch wirklich eine.....

Apropos "alles neu":

Da die Erste Bank (auch für Sparkassen) nunmehr das sehr gut entwickelte und übersichtliche "netbanking" fürs Online-banking mit November gänzlich einstellt, darf ich mich auch daran gewöhnen, mit "myGeorge" weiterarbeiten zu müssen. Anderer Look, andere Bedienung, andere Features und andere Übersicht - sicher keine schlechte neue Software - jedoch wie oft muss sich der User ungefragt und zwangsweise an geänderte Umgebungen anpassen, wenn es den Bereitstellern passt. Um Online-banking kommt man sowieso schon nicht mehr herum. Aber jetzt zwangsweise immer auf "Neues" anpassen zu müssen ?- Vielen Dank noch an die "wildgewordene" Software-Industrie....

Mu

@good vibrations

Zu Linux fällt mir auch noch etwas ein: Ich habe bereits mehrfach Linux als Parallelinstallation (also nicht direkt unter Windows lauffähig) betrieben. Anfangs lief alles gut, doch irgendwann kam es zum Problem, das System wollte nicht mehr starten. Also Boot-Medium verwendet und manuell hochgefahren. Mangels entsprechender Kenntnisse (ja, bei Linux muss man sehr oft gewaltig Handarbeit anlegen und Freund der Kommandozeile sein) und auch Interesse war die Halbwertszeit dieses Systems nur relativ kurz. Der Betrieb selbst und die Bedienung entsprachen mehr oder weniger dem Standard von Windows, obwohl ich mich nie mit der Motif-Oberfläche anfreunden konnte. Dass es keine Laufwerksbuchstaben gab/gibt, ist einerseits ein großer Vorteil, da sie einem nicht ausgehen können, andererseits war/bin ich es von Windows gewohnt und empfinde es bis dato als die bessere Lösung. Dem Dateimanager von Linux - genauso wie übrigens dem Finder von MacOS - kann ich auch nichts abgewinnen. Da ist mir der Explorer von Windows mit all seinen Nachteilen (zumindest bis zur Version 7) wesentlich sympatischer. Selbst Norton Commander-Clones machen die Sache nicht besser.

Kommen wir zu den Anwendungen. Ja, es gibt so gut wie alles und noch dazu gratis, aber sicher nicht umsonst. Wenn ich viel Zeit habe, dann grase ich das Netz oder die Hilfeseiten ab, um bspw GIMP betreiben zu können. Man kann auch ein schlaues Buch oder ein Video erwerben - dann wird es plötzlich nicht mehr so günstig wie oftmals beworben (die nicht so ganz ehrlichen Nutzer besorgen sich die Unterlagen eben auf andere Weise).

Als Neueinsteiger und noch nicht von Windows verwöhnt (oder verführt, verseucht, etc) hat man es heutzutage sehr leicht. Viele Programme sind bereits in den Standarddistributionen enthalten und diese sind mittlerweile "deppensicher" zu installieren. UEFI und Dualboot lasse ich hier einmal beiseite. Wer - wie gesagt - noch mit Windows noch keinen oder intensiven Kontakt hatte, der hat eine wesentlich leichtere Ausgangslage als jemand mit jahrelanger Erfahrung des Redmonder Systems. Letztere Benutzer bringt das freie Betriebssystem gelegentlich zum Verzweifeln. Man sucht bestimmte Einstellungen und findet sie natürlich nicht, weil sie eben nicht dort zu finden sind wo man sie analog zu Windows vermutet(e). Für Umsteiger genauso fremd ist die restriktive Rechteverwaltung. In Windows klickt man halt auf das Ja bei der Benutzerkontenabfrage und darf so gut wie alles machen. Bei Linux geht das im Rahmen nur mit "sudo".

Und genau das stört mich so an Linux. Ich möchte gerne Herr das Systems sein und mich gut auskennen, doch das geht eben nur über die Konsole und als Administrator. Der Aufwand dazu ist mir viel zu hoch. Als Anfänger musste ich mich mit DOS und dessen Befehlen herumschlagen, doch das war machbar, weil es nichts anderes gab (vielleicht auch, weil ich damals noch viel jünger war). Jetzt ist man endlich durch ansprechende Benutzeroberflächen verwöhnt, doch unter Linux nützen diese nicht sehr viel. Wer schrauben will, muss die Grafik aufgeben und nochmals die Schulbank drücken. Und dazu bin ich nicht bereit. Deshalb werde ich auch weiterhin bei Windows bleiben und Linux höchstens als Live-Medium (falls Windows einmal Bedarf danach hat) oder in einer virtuellen Maschine nützen.

Viele Anwendungen unter Linux sind zwar genauso leistungsfähig wie die Windows-Pendants, doch meistens sind es Kleinigkeiten bei der Bedienung. Nur zwei Beispiele von Open/Libre Office. Unter Word markiere ich einige Zeilen ganz einfach, indem ich den Mauszeiger nach links bewege, drücke und nach unten fahre. Das geht so in Linux nicht. Größenbearbeitung einer Grafik. Unter Word markiere ich die Grafik und ändere die Größe mit der Maus. Unter Linux muss ich ein eigenes Menü öffnen, ich habe lediglich eine Art Minivorschau, die mir nicht sehr viel nützt. Das mögen jetzt Spitzfindigkeiten sein, doch wenn man bestimmte Funktionen häufig nützt, kann das schon sehr nerven.

Hinsichtlich der Stabilität und Virensicherheit möchte ich allerdings schon eine Lanze für Linux brechen. Da kann sich Windows natürlich verstecken. Passt man jedoch auf sein System auf und installiert nicht jeden Mist, dann überlebt eine Windows-Installation auch einige Jahre ohne Neubeginn. Man sollte sich es nur zur Gewohnheit machen, das System nicht im Dauerbetrieb laufen zu lassen (von Servern einmal abgesehen) und bei wirklich intensiver Nutzung gelegentlich einen Neustart vorzunehmen.

Zum Punkt Abhör- und Ausspioniermaschinen: Erklären Sie mir einmal die beiden Punkte genauer anhand eines Beispiels. Was verstehen Sie konkret darunter? Was ist an einem Privat-PC so wichtig, dass er abgehört und ausspioniert wird? Noch dazu von einem Betriebssystemhersteller...

Glauben Sie im Ernst, dass ein Firefox unter Linux überhaupt nichts an seine Entwickler sendet?

   

gv

UBUNTU-LINUX liebe ich zwar nicht, weiß es aber seit Jahren weit mehr zu schätzen als (die Abhör- u. Ausspioniermaschinen) microsoft oder apple. Ich bin froh und den Entwicklern dankbar für den dritten, sogar kostenlosen Weg der open source ...

Mu

Ich möchte den Beitrag einmal von anderer Seite kommentieren: Wer braucht (die Betonung liegt auf brauchen = es ist unbedingt notwendig, dass...) eigentlich Windows 10? Gut, es ist neu, vielleicht optisch ansprechender (Geschmackssache), unterstützt die aktuellste Hardware (ein starkes, aber nicht übermächtiges Argument), sicherer (wenn ich auf jeden Mail-Anhang klicke, nützt mir Windows 10 auch nichts). Doch das war es bereits. Natürlich ist das Argument 2020 (Ende des Services durch Microsoft) stichhältig, doch bei den vielen Problemen, die sich erst durch Windows 10 auftun, überlege ich es mir die nächsten Jahre, ob ich ein "running System" anrühren möchte und das Update installiere. Ich habe Windows 10 in virtuellen Maschinen, auf einer VHD in nahezu gleicher Geschwindigkeit wie im Echtbetrieb getestet - vom Hocker hat es mich nicht geworfen.
Sind wir doch ehrlich, wer hätte so rasch auf das neue System umgestellt, wenn wir nicht zwangsbeglückt worden wären. Windows 10 war ein Jahr lang gratis (ob es umsonst gewesen ist, darüber möchte ich nicht diskutieren, die zahlreichen Beschwerden sprechen nicht unbedingt dagegen). Wer hätte denn so rasch umgestellt, wenn er/sie dafür Geld ausgeben hätte müssen (von den "Raubkopierern" spreche ich hier nicht, denn der Preis eines Produkts entscheidet wesentlich über Kauf oder illegalem Erwerb bzw Nutzung). Dass Microsoft natürlich nichts zu verschenken hat ist klar, wie die Aktion durchgeführt wurde, steht auf einem anderen Blatt. Eigentlich müsste man jetzt als noch immer Windows 7 verwendender Nutzer etwas hämisch auf die Windows 10-Gemeinde sehen, doch es ist leider zu ernst, um dies zu tun. Da möchte ein Konzern unbedingt seine Marktanteile halten bzw erhöhen und wirft ein Produkt unter die Anwender, das nicht nur unfertig war, sondern auch noch immer mit Kinderkrankheiten kämpft. Bedauernswert sind diejenigen Anwender, die ein Update aus Vertrauen durchführten oder bereits ein Windows 10-Gerät erstanden und dann - wie Rosa A. bitter enttäuscht wurden. Man kann grundsätzlich nicht unterstellen, dass Laien genau wissen wie man die angesprochenen Probleme umgeht, auch Profis tun sich mitunter schwer. Dazu kommt noch, dass Windows 10 unglaublich geschwätzig ist und als Lieblingsbeschäftigung nach Hause telefoniert. Dies abzustellen ist nur mit relativ hohem Aufwand möglich, ganz funktioniert es nicht, denn dann müsste man (W)LAN komplett deaktivieren. Umgekehrt sind die Bentzer heutzutage völlig vom Internet abhängig (man betrachte nur die "sozialen Medien" und ähnliche fragwürdige Schöpfungen unserer Zeit), sodass einerseits möglichst viele Daten notwendig sind, um Standort, etc zu übertragen, andererseits ist das Interesse der Anwender am Datenschutz sehr gering bis überhaupt nicht vorhanden. Und genau hier setzt Microsoft ein. Es wird gesammelt was das Zeug hält, freilich nur, um die notwendigen Dienste zu verbessern, alles im Interesse der Kunden. Wer das glaubt wird heutzutage nicht einmal mehr selig. Daten sind Geld, man könnte fast sagen Goldes wert und das ist das große Geschäft. Es geht um Werbung und nur das zählt mehr. Natürlich hat es Microsoft nicht notwenig von Werbung zu leben, doch wie kommen Google, Facebook & Co an die für Werbung (deren Haupteinnahmequelle) benötigten Daten? Und so schließt sich der Kreis...

   

RA

cryingGenau dasselber empfinde ich auch - habe im vorigen Jahr einen neuen PC HP Pavilion gekauft mit 4 Prozessoren, intel Core 5, BS Windows 10 und war glücklich bis MS Updates ... dann ist alles schief gelaufen und beim Support führte mich MS zu eine Seite wo seine Laptops zum Verkauf stehen, alle mit winzigen Speicher und riesigem Preis ... und das dauernd ... außerdem Speichert MS alle meine Fotos&Videos in 4-5 Kopien, auch iCloud. Ich fühle mich ständig unter Zwangsdruck, habe keine Freude mehr mit meinen Fotos und Video Bearbeitung, seine App sind meistens unkompatibel und Avira Speed UP findet unzähliger Junkers Dateien, die auf der Festplatte genistet haben.Ich habe eine Lösung gefunden - umsteigen auf Linux Mint 18.1; das einfachste und benutzerfreundliches Betriebsystem, das sich regelmässig erneuert., nimmt wenig Platz und da kann man jeder beliebtes Browser herunterladen, außerdem ist kostenlos und zwingt keinen zu irgendwas. Würde jedem empfehlen, wer von MS müde ist und die Kosten sparen will.

 

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Die Firmen tun immer so umweltfreundlich und nachhaltig - aber genau damit - mit der künstlichen Obsoleszenz bzw. dem unbrauchbar werden vom Computer durch die "Technik am neuesten Stand gierige" Software - tun sie das Gegenteil. Dadurch werden letztlich Rohstoffe und Energie verschwendet und damit die Klima-Erhitzung beschleunigt.  Den künftigen Generationen wird ein einigermaßen angenehmes Leben auf diesen Planeten unmöglich gemacht. Das ist letztklassig im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung bzw. einer nachhaltigen Zukunft.