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Paketdienste

Wenn's wirklich wichtig ist, dann lieber doch nicht mit der Post?

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Zerbeultes Paket (Foto: Shutterstock)

Dass man bei der Post auch Bücher, CDs, DVDs oder mitunter einen neuen Stromanbieter bekommt, daran hat sich der geneigte Konsument ja schon achselzuckend gewöhnt. Auch elendslange Warteschlangen vor den personell unterbesetzten Schaltern werden zähneknirschend (weil zumeist alternativlos) zur Kenntnis genommen. Aber wenn die Post ihr Kerngeschäft - die Zustellung von Briefen und Paketen - nicht mehr auf die Reihe bekommt, dann hört sich das Verständnis auf.

Etwas vorweg: Ich möchte hier kein Post-Bashing per se betreiben. Beschwerden von ungehaltenen Konsumenten über Paketzustelldienste, also nicht nur über die Post, trudeln bei uns in der Redaktion zuhauf ein.

Aus aktuellem Anlass greife ich aber anekdotisch zwei unliebsame Erlebnisse auf, die sich in meinem familiären Umfeld zugetragen haben. Und zwar mit der Post zur Weihnachtszeit. Zu persönlich möchte ich aber nicht werden. Deshalb nenne ich die Protagonisten Person A und Person B. Beiden gemein: Wenn sie irgendwo den Werbespruch „Wenn's wirklich wichtig ist, dann lieber mit der Post“ lesen, dann stellen sich ihre Nackenhaare auf.

Das kommt so:

 

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Sendungsverfolgung (Foto: Markus Stingl/VKI)

Person A wollte einen selbst gebastelten Adventkalender nach Südtirol zu Verwandten schicken. Wollte, weil das Paket (Achtung, Spoiler!) bisher – Stand 7.2.2018 – noch immer nicht angekommen ist. Aufgegeben hat sie es am 21. November 2017. Was folgte, war und ist ein Spießroutenlauf durch das Post-Kundendienstdickicht.

Sechs Tage nachdem Person A das Paket aufgegeben hatte, das zeigte die Online-Sendungsverfolgung „Track and Trace“ recht anschaulich, befand es sich immerhin schon in Bozen. Nur 50 Kilometer vom Bestimmungsort entfernt. Selbst wenn sich ein Postler an besagtem Tag zu Fuß aufgemacht hätte, er hätte das Paket locker noch zeitgerecht, also vor dem 1.Dezember, zustellen können. Aber nein, weit gefehlt. Laut Sendungsverfolgung befindet sich das Paket seither abwechselnd „in Verteilung“ oder „in Klärung“. Manchmal soll „die Empfängeradresse ungenügend“ sein. Bisweilen steht da nur „Retour – Sendung konnte nicht zugestellt werden“.

Anfang Dezember, schließlich ist ein Adventkalender nur in der Adventzeit ein sinnvolles Geschenk, wurde es Person A dann zu bund. Sie stapfte in eine Wiener Postfiliale um einen Nachforschungsauftrag in die Wege zu leiten. Guter Dinge harrte sie dann ein paar Tage aus. Denn: Wie lange kann so eine Nachforschung schon dauern? Als nach einer Woche noch immer nichts passiert war, griff Person A zum Telefon und erkundigte sich beim Kundendienst der Post. Dort wurde ihr mitgeteilt, dass so ein Nachforschungsauftrag bis zu einem Monat in Anspruch nehmen kann (in weiteren Telefonaten in den kommenden Wochen sollte diese Zeitangabe auf drei, später gar sechs Monate nach oben revidiert werden…). Allein, Person A gab nicht auf. Und fragte nach. Wer denn die Partner-Zustellfirma der Post in Italien sei. Die ernüchternde Antwort der Kundendienstmitarbeiter, unisono: Das könne man ihr beim besten Willen nicht sagen.

Voll des Grolls schrieb Person A dann ein bissiges Posting auf der Facebookseite der Post – und versuchte standhaft immer wieder ihr Glück beim Kundenservice. Und siehe da! Rund um den 20. Jänner, nach schlappen zwei Monaten, erwischte sie einen Kundendienst-Mitarbeiter, der kompetent (motiviert?) war. Er sagte ihr die Barcode-Nummer, mit der international getrakked wird und teilte ihr darüber hinaus mit, dass der italienische Postpartner der Österreichischen Post, die – welch Überraschung – Italiensische Post sei. Dorthin schickte Person A dann ein Mail. Ihr wurde innerhalb von 10 Minuten geantwortet. Schau, schau. Die Antwort enthielt eine durchaus nicht uninteressante Information: Das Paket befinde sich seit 20.12. auf dem Rückweg nach Österreich! Wo? Ja, das ist die große Frage.

 

Nun gut. Singuläres Pech, könnte man resümieren. Doch da war ja noch was: Person B!

Auch sie wollte ein Paket ins Ausland verschicken. Eine Weihnachtsüberraschung für eine Freundin, die in Frankreich lebt. Ein paar Naturalien und eine nicht ganz billige Armbanduhr. Das kleine, sorgfältig verpackte Paket gab sie am 7. Dezember in einer Kärntner Postfiliale ab. Porto: Immerhin 13,50 Euro.

Zehn Tage später steht ein Paketbote vor der Haustür von Person B und streckt ihr ein stark beschädigtes Paket entgegen. Nach genauerem Hinsehen erkennt Person B das Paket. Es ist jenes, das eigentlich mittlerweile in Frankreich unter dem Weihnachtsbaum ihrer Freundin liegen sollte. Der Postbote will „für den Transport“ nun 20 Euro Gebühren von Person B einheben. „Ganz sicher nicht“, lautet ihre nachvollziehbare Antwort. „Nicht nur, dass die Post das Paket nicht zustellt, nun soll ich auch noch für mein ramponiertes Eigentum bezahlen?“

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Ramponiertes Paket (Foto: Markus Stingl/VKI)

Der, durchaus freundliche, Postbote zog mit dem Paket und dem Versprechen von Dannen, die Sachlage beim zuständigen Paketzentrum in Wernberg zu klären. Sicherheitshalber versuchte Person B zudem telefonisch mit dem Paketzentrum verbunden zu werden. Ihr Telefonat wurde aber sogleich umgeleitet. In die Wiener Zentrale. Dort wurde sie, wie Person B es formuliert, „unglaublich unfreundlich, arrogant und präpotent abgefertigt“. Ihr wurde mitgeteilt, dass das Paket, da sie es nicht entgegengenommen und keine Transportgebühr bezahlt habe, nun im Eigentum der Post sei. Der Inhalt, sofern von Wert, werde innerhalb von 6 Monaten versteigert, der Rest eingestampft. Ätsch!

Person B glaubte sich verhört zu haben. Und sie gab nicht auf. Aber ihre Versuche, im Paketzentrum in Wernberg zu urgieren, blieben erfolglos.

Diese Geschichte hätte wohl auch so ärgerlich geendet, wie jene von Person A. Nur, Person B hatte das Glück, dass eine Bekannte von ihr im Postamt ihres Heimatortes angestellt ist. Typisch österreichische Lösung. Nur, wenn man jemanden kennt, geht etwas weiter… Besagte Bekannte schaffte es, dass Person B das ramponierte Paket Anfang Jänner ohne Zusatzkosten zurückbekam.
 

Die Moral von der Geschicht': Weniger umsatzoptimierende Zusatzg´schäftln, stattdessen mehr kundenorientiertes Kerngeschäft – das stünde der Post gut zu Gesicht.

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3 Kommentare

MS

@Muvimaker: Ich persönlich hatte bisher eigentlich auch nur positive/neutrale Erlebnisse mit Post-Zustellern. Aber ich bestelle bzw. versende auch sehr wenig. Und, wie eingangs im Blog erwähnt, sollte der Beitrag nicht als Post-Tirade per se zu verstehen sein.

Übrigens: Besten Dank für den Hinweis auf den Rechtschreibfehler, den du sehr gut getrackt hast! ;-)

Mu

 

   

Mu

Es mag ja in den beiden Fällen wirklich krass zugegangen sein, doch wenn ich an DHL, UPS, Hermes & Co denke, dann könnte ich mindestens genauso viele G'schichteln erzählen. Ich halte die Post - trotz Wettbewerbsdruck - nach wie vor für den zuverlässigsten Zusteller im Bundesgebiet. Die Mitarbeiter sprechen Deutsch, zugestellt wird so gut wie immer innerhalb der Bürozeiten, und die Motivation ist generell bekannt (obwohl man seit der Öffnung den Eindruck hat, dass die Schulungen zugenommen und das klassische Beamtenverhalten eher zurück gegangen ist). Das Personal ist nach meiner Erfahrung wesentlich freundlicher geworden. Und hilfsbereit waren die Postler schon immer. Bei der Konkurrenz (pardon - beim Mitbewerb) ist es mir nicht einmal passiert, dass mir der Zusteller vor der Nase davonfuhr und der Zettel beinahe vom Wind verweht wurde, weil er am nassen Postkasten so gar nicht haften wollte.

Übrigens: Man kann Sendungen auch nachverfolgen und nicht nur tracken (trakken tut man sie auf keinen Fall)...

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