VKI Blog Logo

Park & Ride Amstetten

Falschparken und losfahren

Aufstehen, ins Bad, Frühstücken, mit dem Auto nach Amstetten und mit dem Zug nach Wien – so sieht meine Morgenroutine während der Woche aus. Bevor ich in den Zug einsteigen kann stellt sich aber noch ein Problem: einen Parkplatz im Park & Ride zu finden.

Hinter dem Konzept Park & Ride steht die Idee, Individualverkehr mit öffentlichem Verkehr zu verbinden. Das finde ich schon einmal gut. Autofahrern wird so ein Umstieg auf die Öffis schmackhafter gemacht. Auf zahlreichen Bahnhöfen gibt es auch „Kiss & Ride“-Zonen, die nach dem Prinzip „Ein Kuss und Tschüss“ funktionieren.

Ich pendle seit mehren Jahren fast täglich mit dem Auto nach Amstetten, um von dort den Zug zu nehmen. Die zwei Park & Ride-Anlagen in Amstetten können kostenlos benutzt werden. Ich habe mir immer gedacht, dass die Benutzung von Park & Ride grundsätzlich kostenlos ist. Nach einer kurzen Recherche fand ich aber heraus, dass z.B. die P&R in Wien 3,40 Euro/Tag kosten, mit Öffi-Ticket etwas weniger. Auch fand ich zu meinem Staunen heraus, dass die Parkplätze nicht zu einem „Verbund“ gehören. Betreiber in Amstetten ist die Stadtgemeinde.

Gratis = gut?

Für mich ist es super, dass die Benutzung der zwei Parkhäuser in Amstetten mit insgesamt über 1.000 Parkplätzen gratis ist. Gerade während meiner Studentenzeit hätte ich kein Geld ausgeben wollen. Das kostenlose Angebot hat aber auch seine Nachteile.

Wer an Werktagen nach 8:00 Uhr kommt, der sucht oft vergeblich nach einem freien Platz. Die ersten vier Stockwerke des neunstöckigen Parkhauses beim Bahnhof sind von Dauerparkern besetzt. Viele aus der Umgebung sind von Montag bis Freitag in Wien und lassen ihr Auto in Amstetten. Dazu kommt, dass Amstetten ein großes Einzugsgebiet von Pendlern hat. Sie kommen auch aus den Bezirken Scheibbs, Melk, Steyr und Perg.

Falschparken vorprogrammiert

Was also tun, wenn kein Platz mehr frei ist? In der Arbeit anrufen und sagen, dass man es heute nicht schafft, ist ja wohl keine Option. Wer den Zug noch erwischen will, hat eigentlich nur eine Möglichkeit: das Auto auf einem unmarkierten Platz abstellen. Ich habe das aus der Not heraus auch schon gemacht und mir einen Platz gesucht, der die anderen Autofahrer möglichst wenig behinderte. Parkstrafe bezahlen durfte ich trotzdem. Auch Freunde hat es schon öfter erwischt, Parksheriffs scheinen also regelmäßig zu kontrollieren.

An manchen Tagen vor allem im Winter wird es wirklich eng und einzelne Autos verstellen die Kurven oder parken andere Fahrzeuge zu. Nicht selten endet diese Situation mit beschmierten Scheiben und nicht ganz so netten Nachrichten unter dem Scheibenwischer. Auch ich war schon einmal zugeparkt und musst auf den anderen Autofahrer warten. Es dauerte gottseidank nur 10 Minuten. Es hätte aber auch eine Woche dauern können…

Auswege aus dem Park-Dilemma

Der einfachste Weg zu weniger Autos im Parkhaus ist, eine Parkgebühr zu verlangen. In den meisten größeren Städten sind die Park & Ride-Anlagen nicht kostenlos. Vor allem bei kurzen Bahnstrecken werden sich viele den Umstieg vom Auto auf den Zug dann aber doppelt überlegen. Das widerspricht dem eigentlichen Gedanken von Park & Ride und geht zu Lasten der Umwelt.

In Krems hat man sich eine andere Lösung überlegt. Bahnfahrer bezahlen nichts, alle anderen schon. Zeitkarten-Besitzer (Wochen-, Monats- und Jahreskarte) erhalten am Bahnschalter eine RFID-Karte zum Selbstkostenpreis und können so das Parkdeck gratis benutzen. Bei Einzelfahrten kann die Parkkarte ebenfalls am Schalter gratis entwertet werden. Ist der Schalter nicht besetzt, kann man sich die Parkgebühr beim nächsten Mal zurückholen.

„Nur zum Zwecke der Weiterfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln“

Im Park & Ride Amstetten dürfen eigentlich nur jene parken, die mit den Öffis weiterfahren. Das steht zumindest auf dem Schild (siehe Foto) bei der Einfahrt. Die Kontrolle ohne Schrankensystem ist natürlich schwierig. Die Kremser Lösung hat die Kontrollen mit den RFID-Karten umgangen. Da es auch in Amstetten einen besetzten Schalter gibt, ist dieses System auch hier denkbar. Das würde aber eine Investition in die Schrankenanlagen notwendig machen.

Parkhaus Amstetten Einfahrtsschild 770px

Park & Ride Amstetten (Bild: Lisa Payreder/VKI)

Gemeinsam fahren

Einen kleinen Beitrag können wir auch selbst leisten. Nicht jeder muss alleine im Auto nach Amstetten fahren. Was Fahrgemeinschaften schwierig macht, sind die oft sehr unterschiedlichen Arbeitszeiten. Aber gerade Wochenplendler können sich zusammentun. Am Montag und Freitag eine Zeit zu finden, die für beide passt, kann nicht so schwer sein, wie ich finde. Ich nehme so oft es geht meine Nachbarin mit – das bedeutet einen Parkplatz mehr im Parkhaus. Netter Nebeneffekt: Die Spritkosten kann man sich teilen und es ist besser für die Umwelt. smileyyes

Gratis für Pendler - nur für Pendler!

Egal, wie Kontrollen in den Parkanlagen umgesetzt werden, sie dürfen nicht den Grundgedanken der Park & Rides, den Umstieg auf die Öffis, unterwandern. Pendler sollen nach wie vor kostenlos in Amstetten parken können. Damit sie auch einen Parkplatz bekommen, müssen Dauerparker und Innenstadt-Shopper ferngehalten werden. Eine Lösung wie in Krems sollte von der Stadt in Betracht gezogen werden!

 

Lesen Sie auch:

Meine Kollegin Daniela Brindlmayer hat eine nicht so positive Erfahrung mit dem Park & Ride St. Pölten gemacht.

Kommentare erstellen

3 Kommentare

PB

eine Gebühr von € 0,5 pro Tag würde genügen, die Situation deutlich zu verbessern

Ne

Um die Frage von Muvimaker nach einem Jahr zu beantworten: Nein - und eine Änderung ist aufgrund der Untätigkeit der Verkehrsstadträtin und der Kooperationsunwilligkeit der ÖBB nicht in Sicht.

Mu

Auch an Sie ergeht die Frage (analog zur Kollegin): Hat sich schon etwas geändert oder ist das Dilemma noch dasselbe?

Danke für die Antwort.

Blog-Abonnement

Ich möchte bei neuen Blog-Beiträgen eine E-Mail-Benachrichtigung erhalten.
Informationen zum Datenschutz:

Die von Ihnen bekanntgegebenen Daten werden vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) zum Zweck der Blog-Benachrichtigungen verarbeitet. Detaillierte Informationen zu Ihren Rechten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.