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Schubladisiert

Man muss kein Datensammler sein, um auf Facebook interessante Dinge zu erfahren

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Facebook-Benachrichtigungsleiste (Bild: Anikei/Shutterstock.com)

Ich mag Facebook. Das war aber nicht immer so. Letztlich ist es eine Frage der Sichtweise und des persönlichen Zugangs.

So wie Millionen von anderen Nutzern war natürlich auch ich zu Beginn restlos begeistert von den Möglichkeiten des neuen Mediums, denn wie schreibt Mister Zuckerberg (oder möglicherweise seine Marketing-Abteilung) auf der Startseite so schön: „Auf Facebook bleibst du mit Menschen in Verbindung und teilst Fotos, Videos und vieles mehr mit ihnen.“ Die unzähligen Katzenvideos sind legendär.

Wachgerüttelt

Später, als immer mehr Details zum sorglosen Umgang von Facebook mit unseren Nutzerdaten bekannt wurden, folgte bei vielen Nutzern eine Phase von Irritation und Zweifeln. Es stellte sich plötzlich die Frage, wer aller unsere Postings tatsächlich zu Gesicht und zur Auswertung bekam (und immer noch bekommt). Noch drängender war die Frage, welche Datenberge und zugleich -abgründe sich hinter der harmlosen Formulierung „und vieles mehr“ auftaten. Der Skandal um die US-amerikanische Datenanalysefirma Cambridge Analytica, bei dem es ja sogar um politische Einflussnahme ging, hat auch jene wachgerüttelt, an denen das Thema Datenschutz bis dahin vorübergegangen war.

Virtuelle Gemeinschaft

So wie Millionen von anderen Nutzern, brachte ich den vollständigen Rückzug trotzdem nicht über mich. Schon allein die Tatsache, dass ich verlässlich an die Geburtstage meiner Facebook-Freunde erinnert werde, ist die weitere Zugehörigkeit zu diesem sozialen Medium wert (ein fragwürdiges Argument, ich weiß). Und was im Hinblick auf eine ernsthafte Rückzugs-Entscheidung noch schwerer wiegt: Der Mensch ist sowohl ein Gewohnheitstier als auch ein soziales Wesen, das die Gemeinschaft sucht, selbst wenn sie nur virtueller Natur ist.

Persönlicher Kompromiss

Meine persönliche Lösung war ein Kompromiss. Ich befinde mich mittlerweile in einem Stadium, in dem ich mich bemühe, Facebook als Mischung aus Sozialstudie, Kabarettprogramm und Realityshow zu betrachten und mich vorwiegend in die Rolle des Zuschauers zurückgezogen habe. Der Vorteil dieser Haltung: Der Unterhaltungswert ist immer noch hoch, aber zugleich muss ich mich weniger über unangemessene Kommentare ärgern.

Freiwillig preisgegeben

Der distanziertere Blick zeigt mir aber auch in erschreckender Weise, wie viel wir in den sozialen Medien bewusst oder unbewusst von uns preisgeben. Man braucht kein Datensammler zu sein, um innerhalb kurzer Zeit feststellen zu können, welche Facebook-Freunde welche Meinungen und Weltanschauungen vertreten; einfach weil sie regelmäßig bestimmte Beiträge posten, liken oder teilen. Und schon landen sie ganz klassisch in einer Schublade. Die Profi-Datensammler bezeichnen das dann halt als Nutzerprofile. Einen bedeutenden Unterschied gibt es trotzdem: Ich selbst kann meine Erkenntnisse maximal für ein bisschen Klatsch und Tratsch verwerten. Das große Geld mit unseren Daten machen – leider – andere.

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