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Shampoo - Naturshampoo - Shampoo Bar oder Haarseife...
... das ist hier die Frage

Blog Shampoo - Shampoo Bar - Haarseife 710px

Shampoo - Shampoo Bar - Haarseife: Was ist dring? (Foto: S_Photo/shutterstock.com; lpayreder/VKI)

Mehrmals pro Woche greife ich zu Haarpflege. Wie so viele von uns. Mein Experiment Haarseife hat mich dazu veranlasst, mich genauer mit den Inhaltsstoffen zu beschäftigen. Zwischen Shampoo, Naturshampoo, Shampoo Bar und Haarseife gibt es da doch große Unterschiede.

Aus und vorbei. Nach fast zwei Monaten habe ich das Experiment Haarseife abgebrochen. Meine Haare hatten sich langsam daran gewöhnt aber schön waren sie immer noch nicht. Da ich nicht ständig mit Haaren herumlaufen will, die aussehen, als hätte ich sie seit einer Woche nicht gewaschen, habe ich wieder zu herkömmlichem Shampoo gewechselt.

Plötzlich trockene Kopfhaut

Nach den ersten Anwendungen von herkömmlichem Shampoo ist mir aufgefallen, dass sich meine Kopfhaut trockener und gereizter anfühlt. Das hat mich auf die Frage gebracht, welche Unterschiede es bei Seife, Shampoo Bars, Naturshampoo und herkömmlichem Shampoo gibt. Ich habe deshalb recherchiert und teile hier die Ergebnisse. Ich bin selbst keine Chemikerin, deswegen gehe ich nicht genau auf die Inhaltsstoffe ein.

Alles einheitlich

Apropos Inhaltsstoffe: Seit 1997 müssen die Inhaltsstoffe von Kosmetika in der EU nach einem einheitlichen Standard (INCI = International Nomenclature Cosmetic Ingredient) angegeben werden. Der Standard soll Transparenz für den Kunden bedeuten, da die Inhaltsstoffe den gleichen Namen haben, egal woher sie kommen. Prinzipiell ist das ein gutes Vorgehen. Allergiker können gleich erkennen, ob ein Produkt für sie geeignet ist oder nicht. Ein durchschnittlicher Konsument kann sich unter den Namen aber wohl eher wenig bis gar nichts vorstellen. Oder wissen Sie, dass Olea Europaea Fruit Oil einfach Olivenöl ist?

Die bösen Tenside?!

Das, wofür wir uns mit Shampoos & Co eigentlich die Haare waschen, sind Tenside. Sie setzen die Oberflächenspannung herab. So können Fett- und Schmutzpartikel von Kopfhaut und Haaren gelöst werden. Außerdem bilden Sie den typischen Schaum. Hergestellt werden Tenside entweder auf Basis tierischer oder pflanzlicher Fette und Zucker, oder aus Substanzen wie Benzol. Herkömmliche synthetische Tenside sind biologisch schwer abbaubar. Tenside auf Zuckerbasis sind tendenziell leichter abbaubar.

Sodium Laureth Sulfate - schon einmal gelesen, oder?

Wenn die Kopfhaut trocken ist und juckt, kann das an den Tensiden im Shampoo liegen. Betonung auf „kann“, denn auch viele andere Inhaltsstoffe können die Haut irritieren. Verschiedene Meinungen gibt es darüber, ob manche Tenside besser sind als andere. Sodium Lauryl Sulfate ist der Hauptbestandteil vieler konventioneller Shampoos. Das Tensid wird von manchen als hautreizend bezeichnet, während andere keinen Grund zur Aufregung sehen. Lush macht sogar Werbung für Sodium Lauryl Sulfate.

Rohstoffe aus Plantagen

In Naturkosmetik werden teurere Kokos- bzw. Zuckertenside verwendet. Ob sie hautschonender sind, wie oft angegeben, ist auch für diese Tenside unklar. Unproblematisch für die Natur sind auch sie nicht, denn die Rohstoffe kommen oft aus Plantagen. Für Palmöl zum Beispiel werden Regenwälder gerodet. Wir haben in KONSUMENT darüber berichtet. Nicht zu vergessen ist: Menschen können auch empfindlich auf nicht aggressive Tenside reagieren. Es muss also jeder selbst entscheiden, was er benutzen will.

 

Das steckt drin

Die Sache mit den Tensiden wäre also geklärt. Jetzt kommen wir zur Analyse der Inhaltsstoffe von vier Produkten: konventionelles Shampoo, Naturshampoo, Shampoo Bar und Haarseife.

 

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Blog: Inhaltsstoffe Shampoo 770px (Bild: Lisa Payreder/VKI)

Jede Menge Chemie

Was bei der Inhaltsliste von herkömmlichen Shampoo sofort auffällt: Natürlich ist da nicht viel. Fast alle Inhaltsstoffe werden synthetisch gewonnen. Von wertvollen Ölen fehlt jede Spur. Ich habe versucht, mich durch die Inhaltsstoffe-Liste zu kämpfen, aber ohne chemische Ausbildung ist es unmöglich. Nicht einmal die Wikipedia-Artikel halfen mir groß weiter.

"Build-up-Effekt"

In letzter Zeit sind Silikone vermehrt in Kritik geraten. Silikone werden aus verschiedensten Kunststoffen hergestellt. Da sie großporig sind dringen sie nicht in das Haar ein, sondern ummanteln es. Dadurch sieht das Haar geschmeidiger und gesünder aus. Silikon-Gegner sehen als negative Eigenschaft, dass die Kopfhaut nicht atmen könne. Auch oft genannt wird der „Build-up-Effekt“, d.h., dass sich manche Silikone schwer auswaschen lassen und daher die Silikonschicht auf den Haaren immer größer wird. Es gibt aber auch gut auswaschbare Silikone.

Polyquaternium: What?

Die Industrie hat auf jeden Fall reagiert und lobt ihre Produkte nun mit „silikonfrei“ aus. Dafür wird der Stoff Polyquaternium, ebenfalls ein Kunststoff (und nein, kein Stoff aus dem Superhelden entstehen wink), eingesetzt. Der Stoff wirkt antistatisch und bildet einen Film um die Haare. Das erhöht die Kämmbarkeit. Im Internet gibt es rege Diskussionen darüber, ob der Stoff besser oder schlechter ist als Silikone. Polyquaternium kann geringe Mengen an Acrylamid, das krebserregend ist, enthalten. Außerdem zieht er Schmutz- und Farbpartikel an, die beim Waschen störend sein können. Und er ist, wie Silikone, nicht biologisch abbaubar.

Aus Erfahrung weiß ich, dass sich die Haare auch ohne Silikone oder Polyquaternium leicht kämmen lassen und schön werden. Eigentlich macht er ja die Haare nicht gesund, sondern verhilft ihnen nur zu einem gesunden Eindruck. Schon allein aus Gründen der Umweltverträglichkeit möchte ich darauf verzichten.

 

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Blog: Inhaltsstoffe Shampoo 770px (Bild: Lisa Payreder/VKI)

Natürlich sauber?

Natur liegt voll im Trend, ganz besonders bei Kosmetik. Es gibt aber keine einheitlichen Standards für Naturkosmetik. Die verschiedenen Label haben ihre eigenen Kriterien. Sich in diesem Siegel-Dschungel zu orientieren, ist gar nicht so leicht. Global 2000 hat eine Übersicht zusammengestellt.

Exemplarisch greife ich das NaTrue-Siegel heraus. Es garantiert:

• keine hormonell wirksamen Chemikalien (Wir haben über Liste hormonell wirksamer Chemikalien in Kosmetika zusammengestellt.)
• keine synthetischen Duftstoffe
• keine synthetischen Farbstoffe
• keine PEG
• keine Paraffine
• keine Propylene
• keine Alkyle
• keine Silikonöle oder -derivate
• keine genetisch modifizierten Inhaltsstoffe
• keine Bestrahlung von Endprodukten oder pflanzlichen Inhaltsstoffen
• keine Tierversuche (Meine Kollegin hat sich mir Tierversuchen in Kosmetik auseinandergesetzt. Denn so schwarz und weiß ist das bei Tierversuchen gar nicht).

Vorsicht, Allergien!

Bei Naturshampoo kommen viele der Inhaltsstoffe, wenn auch industriell weiterverarbeitet, aus der Natur. Beim Anti-Fett-Shampoo von Alverde zum Beispiel werden als Tenside welche aus Zucker und Kokosöl eingesetzt. Darüber hinaus steckt in dem Shampoo z.B. noch: Auszug aus Brennessel-Blättern, Mais-Proteine, Weizen-Proteine, Soya-Proteine und ätherische Öle. Trotzdem nicht zu vergessen: Nur weil ein Stoff aus der Natur kommt, heißt das nicht, dass man nicht allergisch auf ihn reagieren kann. Das beweist mir auch meine Pollenallergie jeden Sommer frown.

Eine Alternative für mich

Nicht enthalten in Naturshampoos sind Silikone oder silikonähnliche Stoffe wie das Polyquaternium. Das alles finde ich gut. In letzter Zeit wasche ich meine Haare fast nur mit Naturshampoo. Ich muss zwar zwei Mal waschen, bis es richtig schäumt, sonst bin ich aber sehr zufrieden. Ich mag den „natürlicheren“ Duft und meine Kopfhaut ist nicht trocken und juckt nicht, wie das beim herkömmlichen Shampoo oft der Fall ist.

 

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Blog: Inhaltsstoffe Shampoo 770px (Bild: Lisa Payreder/VKI)

Shampoo in Form gedrückt

Auf meinen ersten Blogbeitrag zur Haarseife habe ich oft den Ratschlag bekommen, doch auch einmal Shampoo Bars auszuprobieren. Viele glauben, das ist Seife. Eigentlich ist es aber Shampoo in fester Form. Lush ist in Österreich das einzige Geschäft, wo es sie zu kaufen gibt. Online sind sie natürlich auch von anderen Unternehmen zu haben.

Als Tensid wird im Shampoo Bar Montalbano von Lush Sodium Lauryl Sulfate verwendet. Also wie bei einem herkömmlichen Shampoo. Darüber hinaus sind aber auch viele „natürliche“ Inhaltstoffe drin, z.B.: Zitronenöl, Olivenöl und Kristallzucker. Mikroorganismen haben auf dem festen Shampoo weniger Chance als in flüssigen Produkten. Deshalb braucht es auch keine Konservierungsstoffe.

Der Geruch ist durch die vielen Parfumstoffe sehr intensiv. Ich reagiere nicht allergisch darauf. Die Menge könnte trotzdem deutlich reduziert werden und der Geruch wäre immer noch präsent. Praktisch ist die Größe, also ideal für Reisen. Meine Kopfhaut ist allerdings nicht so glücklich mit dem Shampoo Bar. Es könnte bei mir sein, dass es an den verwendeten Tensiden liegt.

 

Shampoo Inhaltsstoffe Haarseife 770px

Blog: Inhaltsstoffe Shampoo 770px (Bild: Lisa Payreder/VKI)

Seifige Angelegenheit

Seifen werden aus pflanzlichen oder tierischen Fetten hergestellt. Konventionelle Seifen können auf zwei Arten produziert werden: im Heiß- oder Kaltverfahren. Das Heißverfahren war besonders im Mittelalter beliebt. Der Vorteil ist, dass der Verseifungsprozess durch die Hitze schneller passiert. Kernseife z.B. wird im Heißverfahren hergestellt.

Und schon wieder Chemie

Für hochwertige Seifen wird aber das Kaltverfahren angewendet. Der Name Kaltverfahren ist eigentlich nicht ganz richtig, die Verseifung findet bei etwa 60° Celsius statt. Danach muss die Seife noch mehrere Wochen bei Zimmertemperatur ausreifen. Dabei sinkt auch der PH-Wert auf ein hautverträgliches Niveau. Vorteil des Kaltverfahrens ist, dass Glycerin, ein Pflegestoff für die Haut, erhalten bleibt. Im Heißverfahren wird das Glycerin meist abgeschöpft.

Der Prozess der Verseifung, oder auch Seifensieden genannt, ist ein chemischer Prozess. Chemie war noch nie so richtig meine Stärke, deshalb erkläre ich es hier nur in aller Kürze. Seifen sind chemisch gesehen die Salze der Fettsäuren. Gebildet werden sie durch eine Lauge auf Natrium- oder Kaliumbasis. Fette/Öle und Natrium bzw. Kalium ergeben also schon eine Seife. Hinzugefügt werden oft noch Duftstoffe oder jede Menge anderer Stoffe mit einer besonderen Wirkung (z.B. Kaffee, Mohn, Heilerde…).

Überfettungsgrad ist entscheidend

Und was ist jetzt das besondere an Haarseifen? Bei der Herstellung von Seifen für die Haut werden nicht alle Fette verseift. Die verbleibenden Fette wirken „rückfettend“ auf die Haut. Der Überfettungsgrad zwischen 5 und 15 % für Dusch- und Gesichtsseifen. Bei Haarseifen kann dieser auch niedriger liegen (ab 2 %). Was der perfekte Überfettungsgrad ist, kann nicht pauschal gesagt werden. Er hängt von der Beschaffenheit der Haare, der Wasserhärte und den persönlichen Vorlieben ab.

So, nachdem wir jetzt wissen, wie Seife hergestellt wird, sehen wir uns die Inhaltsstoffe der von mir verwendeten Algen Meersalz Shampooseife von Alles Seife an.

Viele Pflanzenöle

Aus den Inhaltsstoffen ergibt sich, dass die Seife zu einem Großteil aus Kokosfett hergestellt wurde. Außerdem wurden Olivenöl und Rizinusöl verseift. Unverseift ist auch noch Zedernholzöl, Lorbeeröl und Sonnenblumenöl drin. Weitere Inhaltsstoffe sind Seetang, Meersalz, ein natürlicher Farbstoff und zwei Duftstoffe aus ätherischen Ölen. Die Seife ist also wirklich ein Naturprodukt. Die Hälfte der Inhaltsstoffe ist dazu auch noch bio Wenn die Haare gut mit der Seife zurechtkommen, ist sie eine tolle Alternative zu Shampoo. Bei mir war das leider nicht der Fall, aber vielleicht habe ich auch einfach noch nicht das richtige Produkt für mich gefunden.

 

Aus dem Inhaltsstoffe-Dschungel

Shampoo ist also nicht gleich Naturshampoo ist nicht gleich Shampoo Bar ist nicht gleich Haarseife. Die Beispiele zeigen schon eindrucksvoll, dass die Unterschiede nicht gerade gering sind. Als chemisch nicht so versierte Person ist es aber schwer, etwas aus den INCI-Namen herauszulesen. Ein paar Plattformen im Internet können weiterhelfen:

  • Codecheck: Eine bekannte, sehr kritische Plattform, die auch Auskunft darüber gibt, ob Inhaltsstoffe unbedenklich sind oder nicht. Auch ganze Produkte werden analysiert.
  • Haut.de: Eine große Plattform, die mehrheitlich von der Kosmetik- und Parfümindustrie unterstützt wird. Angegeben werden der deutsche Name, Funktion, Vorkommen und Hintergrundinformationen zu dem Inhaltsstoff.

Aber auch sie sind mit Vorsicht zu genießen. Nicht alles ist wissenschaftlich so eindeutig belegt, wie es manchmal dargestellt wird. Die beste Auskunft sind befreundete Chemiker ;)

Naturshampoo ist meine Lösung

Nachdem ich einiges ausprobiert habe, bin ich beim Naturshampoo hängen geblieben. Es ist für mich ein Kompromiss zwischen den Inhaltsstoffen und dem, was das Shampoo kann. Seife wäre meiner Meinung nach noch besser, aber meine Haare vertragen sich eben nicht damit. Das Thema habe ich aber noch nicht aufgegeben. In Zukunft will ich weitere Haarseifen ausprobieren. Vielleicht ist ja doch noch die richtige für mich dabei.

Wie ist das bei dir? Womit wäschst du deine Haare? Hast du dich mit den Inhaltsstoffen von Shampoo & Co schon einmal auseinandergesetzt? Ich freue mich über Antworten in den Kommentaren! smiley

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2 Kommentare

Bild des Benutzers bschiller

Danke für die aufschlussreiche Erklärung der Unterschiede! Inspiriert von deinem ersten Blogpost bin ich auch auf der Suche nach Alternativen zu herkömmlichen Shampoo:  Ich verwende seit ca. 2 Monaten Aleppo-Seife (Olivenölseife mit 5% Lorbeeröl) zum Haarewaschen. Nach dem Waschen verwende ich ein selbstgemachtes Leave-in Produkt: Salbei-Lorbeer Wasser mit Apfelessig, Honig und Kokosöl. Ich muss sagen für meine kurzen Haare ist das eine gelungene Lösung!

Sa

Hallo,

auch bei Sonnengrün kann man in Österreich festes Shampoo kaufen, nicht nur bei Lush.

https://www.sonnengruen.com/pflege/haarpflege/?p=2

 

Liebe Grüße,

Sandra