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Smart ist, wenn alle denken

Manche Lösungen sind intelligenter, als sie auf den ersten Blick erscheinen

Intelligentes Backrohr

Backöfen lassen sich per Sprachbefehl steuern. (Bild: VKI/Gernot Schönfeldinger)

Wenn ich für längere Zeit – oder auch nach längerer Zeit wieder – über etwas nachdenke, dann kann es schon vorkommen, dass ich im Zuge dessen meine Meinung ändere.

Allerdings handelt es sich oft gar nicht um einen wirklichen Meinungsumschwung. Ich versuche einfach nur, die Dinge zu verstehen, indem ich sie von einer anderen Seite betrachte.

Trugschluss

In der Regel geht es dabei um etwas, wofür mir das Verständnis fehlt, weil ich es nicht brauche und weil ich ihm daher ursprünglich keine Zukunftschancen eingeräumt habe (ich rede hier ausschließlich von technischen Entwicklungen, auch wenn sich dieses Muster auf andere Bereiche umlegen lässt). Wie viele Menschen mache ich halt den Fehler, von mir auf andere zu schließen, weshalb ich später entsprechend erstaunt dahinterzukommen versuche, warum viele von diesen anderen doch nicht so denken wie ich.

Am Anfang war der Spott

Das sogenannte Guided Cooking ist so ein Beispiel, über das ich vor gar nicht allzu langer Zeit noch gespottet habe. Darunter versteht man das geführte Kochen. Smarte Haushaltsgeräte mit eingespeicherten Kochrezepten beherrschen das Wiegen, Rühren und Garen bei geeigneten Temperaturen, die laufend überwacht werden. Sensoren erkennen den Zeitpunkt, an dem der Braten, der Kuchen etc. perfekt durch sind. Der Mensch ist nur noch Handlanger, der die Zutaten bereitstellt, den Tisch deckt und am Ende die restlichen Familienmitglieder zum Essen ruft.

Neue Zielgruppen

Mittlerweile habe ich bei meinem aktuellen Besuch auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) weitere „smarte“ Kochlösungen gesehen und spotte nicht mehr. Deshalb, weil ich mir denke, dass solche Angebote möglicherweise Menschen ansprechen, die ansonsten überhaupt nicht kochen, sondern auf Fastfood und Tiefkühlprodukte zurückgreifen würden. Kochen im eigentlichen Sinn lernen sie dadurch zwar auch nicht, aber sie haben ein Erfolgserlebnis und einen Anreiz, es bei nächster Gelegenheit neuerlich mit frischen Zutaten zu versuchen.

Das weiß nicht jeder

Manchmal bekomme ich als Reaktion auf meine regelmäßigen Computertipps in KONSUMENT kritische Zuschriften nach dem Motto: „Wozu schreiben Sie darüber überhaupt, das weiß doch jeder.“ Meine Antwort, die auf den anderen, den zustimmenden Zuschriften beruht, ist eindeutig: „Stimmt nicht! Sie schließen von sich auf jene, die den gleichen Wissensstand wie Sie haben. Viele Leserinnen und Leser sind froh, wenn man ihnen auf verständliche Weise Basiswissen vermittelt, das sie dann entsprechend erfolgreich umsetzen können.“

Erweiterte Bedeutung

So gesehen muss man auch das Wort „smart“ (= schlau, intelligent) in einem deutlich erweiterten Sinn auslegen. Smart sind Hersteller, die sich im Vorfeld etwas überlegt haben und mit ihrem Angebot bestimmte Zielgruppen ansprechen. Smart sind Lösungen, die den potenziellen Kunden einen echten Nutzen bringen. Smart sind Nutzer, welche die angebotenen Chancen ergreifen und für sich einen Vorteil herausholen.

Außen drauf und innen drin

Es gibt keine Garantie, dass immer alles so nahtlos ineinandergreift, aber wenn alle Beteiligten wirklich smart denken und handeln, dann ist die Wahrscheinlichkeit dafür hoch. So gesehen sind Lösungen aus dem Smart-Home-Bereich etwas, das man nicht grundsätzlich verteufeln sollte. Wichtig ist nur, dass die Intelligenz nicht nur außen draufsteht, sondern auch innen drinsteckt, konkret: gezielt hineingesteckt wurde, denn per se sind die Geräte ja nicht intelligent. Und es darf natürlich der Hinweis nicht fehlen, dass wir alle miteinander nicht darauf vergessen dürfen, aktiv mitzudenken.

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