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Sneakers

Der CO2-Fußabdruck beim Turnschuhkauf

Zerschlissene Schuhe (Foto @Shutterstock Evannovostro)

Zerschlissene Schuhe (Foto @Shutterstock Evannovostro)

Öko.Logisch

Leicht hat man's nicht, wenn man nach ökologischen Prämissen konsumieren will. Aktuelles Beispiel: Turnschuhkauf (Sneakerskauf - auf Neudeutsch). Meine zwei Paar, vor sieben, acht Jahren gekauft, haben beide zur gleichen Zeit den Geist aufgegeben. Sie fallen auseinander. Schade drum. Ich habe sie sehr gerne getragen.

Jedenfalls nötigt mich das Ableben meiner langjährigen Weggefährten zu einer Konsumtat. Ich muss Ersatz finden.

1. Schritt: Recherche 

Welche Sneakers da draußen sind (halbwegs) nachhaltig (produziert)? Ich stolpere über den Tiroler Wolle-Spezialisten Giesswein. Der produziert auch Schuhe. Und ihm scheint Nachhaltigkeit in der Produktion ein doch wichtiges Anliegen zu sein. Festgehalten in  einer Selbstverpflichtung, der „Green Strategy“. Dort heißt es:

„Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, vor, während und nach dem gesamten Produktionsprozess Ressourcen möglichst schonend einzusetzen und wiederzuverwenden.“

Klingt gut. Wenn man die Homepage ein wenig genauer unter die Lupe nimmt, bemerkt man allerdings eine leichte Tendenz zum Greenwashing. Die Produktionsstätte in Tirol („Im Herzen Europas“) wird dort groß angepriesen. Dass die Schuhe schließlich in Vietnam zusammengebaut werden, wird zwar nicht verschwiegen, aber als Verbraucher muss man schon genauer hinschauen, um diese Information zu bekommen. In der Green Strategy steht zudem die große Überschrift „0 % Erdöl“. Das bezieht sich allerdings nur auf den Betrieb der Maschinen (ob in Tirol oder auch in Vietnam, bleibt unbeantwortet). Die Sohlen der Sneakers bestehen jedoch aus dem Erdölprodukt EVA (Ethylen-Vinylacetat). Stopp! Bevor ich zu kritisch werde, muss ich mich selbst einbremsen. Denn DEN nachhaltigen Sneaker, den gibt es schlicht und ergreifend nicht. Und insoweit ist das Bemühen um grünere Ansätze in der Produktion zu begrüßen.

Also 2. Schritt: Kauf

Online zu bestellen kommt für mich nicht in Frage. Aber es gibt auch einen Shop in Wien. Also nichts wie hin. Anprobiert. Kurze Beratung. Und gekauft. Nicht lange gefackelt. So stell ich mir ein gelungenes Einkauferlebnis vor. Kurz und zweckdienlich. Und entsprechend happy bin ich auch. Insbesondere, weil ich einen wasserdichten Schuh gefunden habe. So einen suche ich schon lange.

Allein, 100 Prozent wasserdicht ist der Schuh leider nicht – wie tags darauf ein mich am Fahrrad ereilender ca. halbstündiger Wolkenbruch zu Tage fördert. Von solchen Doch-nicht-100-Prozent-wasserdicht-Schuhen, von denen ich beim Kauf mehr erhofft hatte, hab ich bereits ein, zwei Paar daheim. Da brauche ich nicht noch ein weiteres.

Was tun? Jetzt bin ich wirklich in einem Dilemma. Denn aus ökologischer Sicht ist mir nicht wohl, den Schuh einfach zurückzugeben. Was passiert denn dann damit? Wird er womöglich einfach weggeschmissen? Hm … Was hat denn so ein Turnschuh eigentlich für einen CO2-Fußabdruck? Ich finde eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) aus 2013. Die besagt: Ein Paar Turnschuhe hat einen Fußabdruck zwischen 11,3 und 16,7 Kilogramm CO2. Für den einzelnen Konsumenten nicht viel. Das entspricht in etwa vier bis fünf Litern Diesel. Aber für die gesamte Sneakers-Branche ein Riesending. Sie hat dadurch einen CO2-Schuhabdruck so groß wie Spanien – das aber nur nebenbei.

3. Schritt: Leider zurück zum Start

Mich persönlich hat diese Recherche etwas beruhigt. Aber noch nicht vollends. Deshalb rufe ich beim Kundenservice an. „Was passiert mit dem Schuh, wenn ich ihn zurückgebe?“, frage ich. Ich kenne ja die Horrorzahlen: Laut einer aktuellen dpa-Meldung haben (Online-)Händler in Deutschland allein im vergangenen Jahr rund 7,5 Millionen zurückgeschickte Artikel entsorgt, obwohl sie diese hätten spenden oder wiederverwerten können. Eine Kundenservice-Mitarbeiterin versichert mir, dass mein Schuh ganz sicher nicht einfach so weggeschmissen werde. Vielmehr durchlaufe er nochmals eine Qualitätskontrolle und die Retouren-Abteilung entscheide bei jedem zurückgegebenen Schuh individuell, was damit passiere. Höchstwahrscheinlich werde mein Schuh im Outlet-Geschäft in Brixlegg/Tirol als Secondhand-Ware nochmals feilgeboten.

Das lässt mich dann doch aufatmen. Ich gebe der Mitarbeiterin am Telefon noch mit auf den Weg, dass Videos wie jenes unten, die suggerieren, dass der Schuh wasserdicht sei, als Kaufhilfe (gelinde gesagt) nicht gerade förderlich sind. Ob mein Hinweis ans Management weitergegeben wurde? Vielleicht. Tags darauf gebe ich den Schuh jedenfalls zurück. 

WOOL CROSS X (Giesswein)

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1 Kommentare

TP

Eine gute Recherche schaut anders aus.

Es gibt sie, die "Sneakers" aus Österreich. (https://gea-waldviertler.at/shop/herrenschuhe/sneaker)

Hab mir mein erstes Paar gekauft und - cool UND bequem.

Und dem Motto folgend von Heini Staudinger: 

"Eines ist klar: Eine Schuhproduktion in Österreich kann nur durch gute Qualität bestehen. Die Einen wissen es, weil sie schon Waldviertler tragen (denen verdanken wir die Existenz). Die anderen bitten wir "uns" zu testen. Es wird euren Füßen gut tun."

Hat vielleicht auch mit meinem Alter zu tun :-)

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