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Sorry, das waren NICHT die Hormone

Körperfremde Stoffe können das Hormonsystem von Mensch und Tier beeinflussen – leider oft mit negativen Folgen.

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Baby-Utensilien (Foto: Shutterstock)

Bevor mein Sohn zur Welt kam, habe ich mich mit Schadstoffen in Babyartikeln beschäftigt – das ist ja praktisch eine „Berufskrankheit“ von mir. Schon damals, vor über 13 Jahren, war bekannt, dass BPA (Bisphenol A) aus Babyflaschen in die Milch gelangen kann. Und dass dieser Stoff östrogenähnlich wirkt. BPA ist in Babyflaschen, Beißringen und Schnullern seit 2011 verboten, wird aber in anderen Konsumprodukten noch eingesetzt. Auch viele andere Chemikalien, die ähnlich wirken, begegnen uns heutzutage  in verschiedensten Konsumprodukten. Gesetzliche Maßnahmen dagegen sind längst überfällig.

Hormonell schädigende Chemikalien verursachen globale Probleme

Hormonell wirksame Chemikalien sind körperfremde Stoffe, die aufgrund einer zufälligen strukturellen Ähnlichkeit mit körpereigenen Hormonen deren Wirkung imitieren, verstärken oder blockieren. Ist ein schädlicher Einfluss nachgewiesen, spricht man von hormonell schädigenden Chemikalien. Im Englischen heißen sie „endocrine active“ bzw. „endocrine disrupting chemicals“ (EDCs). Sie sind meist nicht akut giftig, können jedoch wichtige Entwicklungsprozesse stören. Daher reagieren auch Föten im Mutterleib, Kleinkinder und Pubertierende besonders empfindlich auf hormonell schädigende Chemikalien. Eine Besonderheit dieser Chemikalien ist, dass sie -  so wie echte Hormone – bereits in sehr kleinen Konzentrationen wirken.

Schon seit über 50 Jahren beobachten Wissenschaftler Anomalien der Geschlechtsorgane von verschiedensten Tierarten, die auf hormonschädigende Chemikalien zurückzuführen sind. Eine gute Zusammenfassung findet man in einem Artikel der Zeitschrift Spektrum.

Beim Menschen werden diese Chemikalien mit der weltweiten Zunahme von

  • Brust- und Prostatakrebs
  • Fortpflanzungsstörungen
  • Übergewicht
  • Diabetes
  • Herz-Kreislauferkrankungen und
  • Kognitiven Störungen wie ADHS

in Verbindung gebracht. Dazu hat die WHO im Jahr 2013 einen umfangreichen Report veröffentlicht.

 

Unser täglicher Hormon-Cocktail

In vielen Alltagprodukten können hormonell schädigende Substanzen enthalten sein. Einige Beispiele:

  • Bisphenol A (BPA) kommt noch in der Innenbeschichtung von Konservendosen, Lebensmittelverpackungen und Kassabons vor. Im Konsument berichteten wir immer wieder darüber.
  • Auch bei einigen Phthalaten wurde eine hormonschädigende Wirkung nachgewiesen. Sie werden als Weichmacher in Kunststoffen, insbesondere in PVC eingesetzt und können sich unter anderem in Klebstoffen, Elektronikartikeln, Baumaterialien und Kosmetika finden – nachzulesen auch im Konsument.
  • In Kosmetika können weitere hormonschädigende Substanzen enthalten sein, etwa Parabene als Konservierungsstoffe und organischen UV-Filter in Sonnencremen. Eine vollständige Liste ist hier zu finden.
  • Auch die Wirkstoffe von Schädlingsbekämpfungsmitteln sind häufig hormonell schädlich. Das gilt etwa für das bereits lange verbotene DDT. Andere hormonschädliche Pestizide werden noch heute in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt. PAN Germany hat dazu 2013 eine Studie über deren Auswirkungen auf Landarbeiter veröffentlicht.

Chemikalien werden vor allem im Chemikaliengesetz REACH, der Kosmetikverordnung und der Biozidprodukte-Verordnung für die gesamte EU geregelt. Daher wäre die EU dafür zuständig, gesetzliche Maßnahmen gegen hormonell schädliche Stoffen einzuführen. Warum da bis heute nicht viel passiert ist, ist hier nachzulesen.

 

Wie man sich schützen kann

Bei Lebensmitteln

  • Bisphenol-A kann aus dem Kunststoff Polycarbonat herausgelöst werden. Meiden Sie daher Behälter aus Kunststoff mit der Bezeichnung PC bzw. dem Recycling-Code 07.
    Eine Ausnahme sind Baby-Trinkflaschen aus Polycarbonat. Sie dürfen seit 2011 kein Bisphenol-A mehr enthalten, sind also in dieser Hinsicht sicher. Manchmal ist auch für andere Behälter angegeben, dass sie Bisphenol-A- oder BPA-frei sind.
  • Benutzen Sie Lebensmittel- und Trinkbehälter aus Glas, Porzellan, Edelstahl, Polyethylen PE oder Polypropylen PP.
  • Erhitzen Sie keine Lebensmittel in Kunststoffbehältern, auch nicht in der Mikrowelle.
  • Verzichten Sie auf Lebensmittel aus Konserven. Insbesondere fetthaltige Produkte können BPA aus der Beschichtung herauslösen.
  • Am besten sind frische, nach Möglichkeit unverpackte und regionale Lebensmittel.
  • Um Pestizidrückstände möglichst zu vermeiden, kann man auch zu Biolebensmitteln greifen.

 

Bei Kosmetika

  • Worauf Sie bei den Inhaltsstoffangaben achten können, finden Sie unter diesem Link www.vki.at/hormoninfo
  • Verwenden Sie Naturkosmetika, diese enthalten keine potentiell hormonschädlichen Chemikalien.
  • Weniger ist Mehr! Benutzen Sie Baby- und Kinderpflegeprodukte nur, wenn wirklich nötig.

 

Bei Textilien

  • Neue Textilien sollten generell vor dem ersten Tragen gewaschen werden.
  • Verzichten Sie auf Kinderbekleidung, die PVC-Teile bzw. PVC-Beschichtung enthält. Gummistiefel, Kunststoff-Clogs oder Badesandalen gibt es auch aus PVC-freien Materialien wie dem Ethylvinylacetat (EVA). Fragen Sie nach!
  • Gute Alternativen sind Textilien aus ökologischem Anbau bzw. ökologischer Haltung, die möglichst unbehandelt sind. Dabei kann man sich an einer Zertifizierung mit GOTS orientieren. 

 

Bei Spielzeug

  • Bevorzugen Sie Stoffpuppen oder Kuscheltiere aus Natur-Textilien.
  • Waschen Sie alle Kuschelutensilien!
  • Geben Sie Ihrem Baby kein Spielzeug, das nicht für Kinder unter 3 Jahre freigegeben ist.
  • Riechen Sie vor dem Kauf an Spielsachen! Lassen Sie Spielzeug mit chemischem Geruch lieber stehen.

 

Links:

Projekt „Umwelthormone (EDCs) vermeiden – Kinder schützen, Schwangere und Eltern aufklären“

http://www.wecf.eu/german/projekte/umwelthormone-deutschland.php

WHO (2013): Effects of human exposure to hormone-disrupting chemicals examined in landmark UN report
http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2013/hormone_disrupting_20130219/en/   

DIE ZEIT (2013): Hormone - Gefahr aus der Nahrung
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/04/hormone-nahrungsmittel/  

 

Eine Anmerkung zum Titel:  „Sorry, das waren die Hormone!“ von Ronny Tekal ist ein lesenswertes Bich über die körpereigenen Hormonen und ihren Einfluss auf unser Leben.

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