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Durch bewusste Konsumentscheidungen die (Stadt-) Luft verbessern

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Online Shopping (Sebastian Duda/shutterstock.com)

Abgasskandal hin oder her - ein radikales Fahrverbot für Dieselautos ist wohl nicht der fairste Weg, um die Feinstaubproblematik in den Städten zu lösen. Es kämen auch jene zum Handkuss, die Dieselautos in dem Glauben gekauft haben, etwas für den Klimaschutz zu tun. Apropos Kaufentscheidung, jeder Stadtbewohner kann sofort etwas tun, um die Blechlawine in der City einzudämmen: nicht im Internet, sondern in der unmittelbaren Umgebung einkaufen.

Nun gut. Ich oute mich gleich in meinem ersten Blogeintrag als passionierten Radfahrer. Ob sich jetzt die Hälfte von Ihnen vor mir fürchtet? Ich hoffe nicht. Aber wenn man einer aktuellen Umfrage Glauben schenken mag, dann geht für rund 50 Prozent der Österreicher die größte Gefahr im Straßenverkehr von Radfahrern aus. In Wien, wo ich unterwegs bin, steigt dieser Wert gar auf 66 Prozent. Den Konflikt Autofahrer vs. Radfahrer möchte ich an dieser Stelle gar nicht lange thematisieren. Aber Entschuldigung, Radfahrer die größte Gefahr im Straßenverkehr? Wirklich? Da fallen mir spontan ganz andere Dinge ein. Im Lichte des aktuellen Abgasskandals zum Beispiel der gute alte Diesel-Pkw der uns die Lungen mit Feinstaub und Stickstoffoxiden zu bläst.  

Ob man so weit gehen muss, Dieselfahrzeuge generell (aus der Stadt) zu verbannen, sei dahingestellt. In Wien – Stichwort: „Do geht den gonzen Tog da Wind“ – ist das wohl nicht notwendig. Für andere, topografisch und windtechnisch nicht so begünstigte Städte wie zum Beispiel Graz müsste man dies gesondert diskutieren.

Verkehr nimmt zu

Gleichwohl, meinem subjektiven Empfinden nach nimmt der motorisierte Straßenverkehr wieder zu. Das hat mannigfache Gründe. Angefangen von Zersiedelung in ländlichen Gebieten, dem schlechten Image der Öffis, beziehungsweise deren bisweilen dürftiges Angebot, der im europäischen Vergleich niedrigen Besteuerung von Sprit (Stichwort: Tanktourismus – irgendwie müssen wir ja schließlich Geld ins Budget bekommen…), usw.

Man kann die Schuld für die Blechlawine anderen zuschieben, beliebt sind diesbezüglich häufig „die Politiker“. Oder aber sich selbst hinterfragen. Es kann gar nicht oft genug betont werden: Jeder Verbraucher hat es in der Hand, mit seinen Konsumentscheidungen lenkend einzugreifen und so Manches zu verbessern - ganz unmittelbar das eigene Gewissen, mittel- bis langfristig die angebotene Produkt- und Dienstleistungspalette. Auch die Umwelt und das Klima können profitieren.

Beispiel: Onlinehandel

Ich möchte exemplarisch ein Beispiel herausgreifen: den Onlinehandel. Faktum ist, dass der Straßenverkehr in Wien aufgrund des zuletzt boomenden Onlinegeschäfts zugenommen hat. Natürlich ist es verlockend und bequem, fürs Einkaufen die eigenen vier Wände erst gar nicht verlassen zu müssen. Drei, vier Klicks und ein paar Tage später klingelt der Bote an der Tür und übergibt das Produkt der Begierde. Onlinehändler versuchen mit einer möglichst ausgeklügelten Logistik Auslieferungsfahrten zu minimieren. Es liegt im ureigenen Interesse jedes Wirtschaftstreibenden, Kosten niedrig zu halten.

Mittlerweile will der Kunde die Bestellung aber immer öfter schon am selben Tag geliefert bekommen. Und wenn der zugestellte Schuh dann doch nicht passt? Egal, retour mit ihm und doch die eine Nummer kleiner, bitte. Wie viele zusätzliche Lkw- bzw. Lieferwagenkilometer diese Art zu konsumieren mit sich bringt, blendet man geflissentlich aus.

Lebenswerte Stadt

Lange Rede, kurzer Sinn: Support your local Dealer! Gerade Wien lässt beim Thema Angebotsvielfalt wirklich nicht zu wünschen übrig. Die Wege sind kurz, die Öffis – und auch die Radwege – sind gut ausgebaut. Der Zusatzeffekt: Gut frequentierte Geschäfte sperren nicht zu. Und das bringt wiederum weniger Leerstand, lebendigere Einkaufsstraßen und eine Nachbarschaft mit sich, wo man bisweilen auch gerne flaniert, gustiert, konsumiert.

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1 Kommentare

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Das mit der Eigenverantwortung klappt weder bei den Konsumenten noch bei der Wirtschaft besonders gut - trotzdem soll man auf die Eigenverantwortlichkeit hinweisen! Ich bin dafür, dass der Staat unterstützend eingreift, um eine volkswirtschaftlich sinnvolle Mobilität zu ermöglichen. Auch wenn in Zeiten wie diesen das wenig populär ist und es noch immer "klima- und gesunheitsschädliche Gesetze" gibt: z.B Pendlerpauschale, fiskale Förderung von Diesel und Flugbenzin oder Raumplanungsgesetze, die zu Zersiedelung und "Einkauf auf der grünen Wiese" führen.
Helfen wird die Änderung der o.g. Gesetze im Sinne des Klima- und Menschenschutzes und eine Förderung der Elektromobiltät dort, wo sie besonders wichtig ist: im Wirtschaftsverkehr (e-Transporträder und "Pizzaflitzer" bis e-LKW und Bahn) sowie im öffentlichen Verkehr (e-Busse, Bahn) und halböffentlichen Verkehr (Taxis und - Achtung Neuheit in Österreich - Sammeltaxis). 
Übrigens: in Wien mag der Wind das schlimmste verhindern - dennoch gibt es in Wien Grenzwertüberschreitungen bei Schadstoffen und einen Anstieg von Astma besonders bei Kindern und Jugendlichen. Anstatt Verbot oder Citymaut könnte man die Fahrten auf z.B. zehn pro Jahr und KFZ in die Innenstädte begrenzen, das trifft Pendler, aber ansonsten "Arm und Reich" gleichermaßen.
Die Autoindustrie könnte das alles angemessen mit fördern, eine weitere Förderung der privaten e-Mobilität ("e-Abwrackprämie") braucht sie nicht, siehe: 
www.wiwo.de/unternehmen/auto/rekordgewinne-autokonzerne-sind-so-rentabel...
und 
http://derstandard.at/2000062284596/Staat-verzichtet-bei-Tesla-auf-fast-...