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Technik-Abhängigkeit

Wer sich auf die moderne Technik einlässt, muss das mit allen Konsequenzen tun

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Wer sich auf die moderne Technik einlässt, muss dies mit allen Konsequenzen tun (Bild: kung_tom / Shutterstock)

Wenn Sie starke Nerven haben und nicht allzu sehr zum Pessimismus neigen, dann googeln Sie doch einmal nach „Abhängigkeit von der Technik“.

„Beherrscht der Mensch die Technik oder umgekehrt?“, „Wie Maschinen den Menschen versklaven“, „Tödliche Abhängigkeit: Was geschieht, wenn die Systeme versagen“. Diese und ähnliche Schlagzeilen, welche die gesamte Bandbreite zwischen seriöser Berichterstattung und aufmerksamkeitsheischender Panikmache abdecken, findet man im Internet zuhauf.

Positiv geprägt

Nun stamme ich ja aus einer Zeit, in welcher der Glaube an den Fortschritt groß und – von ein paar frühen Schwarzsehern (oder sollte man sie als Propheten bezeichnen?) wie Aldous Huxley abgesehen – meistenteils positiv geprägt war. Außerdem verwende ich Smartphone und PC täglich, sowohl beruflich als auch privat. Und selbst wenn ich das Abschalten im Urlaub mittlerweile wörtlich nehme und es genieße, betrachte ich die moderne Technik zwar insgesamt kritisch, aber (bis auf Weiteres) nicht pessimistisch.

Selten genutzt

Ich möchte hier auch gar nicht in die Untiefen dieses Themas vordringen, aber aus aktuellem Anlass einen Aspekt herausgreifen: Unlängst hat mir jemand erzählt, dass er seinen PC nur alle 3 bis 5 Monate einschaltet. Meine Reaktion schwankte zwischen Verwunderung über diese unüblichen Nutzungsgewohnheiten und Bewunderung, wenn nicht sogar ein wenig Neid für seine weitgehende Unabhängigkeit von der Technik.

Trügerische Unabhängigkeit

Bei näherer Betrachtung ist diese Unabhängigkeit allerdings ziemlich trügerisch. Es zeigt sich nämlich, dass die Technik und seine Art sie zu verwenden nicht miteinander kompatibel sind. Jedes Mal, wenn er den Computer hochfährt, erwarten ihn Unmengen von Updates, die das Gerät verlangsamen oder überhaupt lahmlegen und das Datenvolumen seiner immer nur für diesen Zweck aktivierten Wertkarte weitgehend aufzehren. Die Updates längerfristig hinauszuzögern (und mehrere Monate sind im schnelllebigen Computerbereich tatsächlich ein langer Zeitraum), würde nicht ohne Folgen für die Sicherheit und das Funktionieren des Systems bleiben.

Entweder, oder

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob es einen Ausweg aus dieser Misere gibt. Gefunden habe ich bisher keinen, aber mir ist so richtig bewusst geworden, dass viele von uns ihre Unabhängigkeit in Wahrheit schon lange vor dem Aufstieg der sozialen Medien wie Facebook und Co aufgegeben haben. Ich behaupte: Wer sich auf die moderne Technik einlässt und sie zu seinem Vorteil nutzen möchte, muss dies mit allen Konsequenzen tun – oder es komplett bleiben lassen, wie immer Letzteres auch umsetzbar sein mag. Wie sehen Sie das?

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2 Kommentare

mu

Man muss das differenziert betrachten. Wird das Gerät (auch) online genützt oder ist es vielleicht nur eine bessere Schreibmaschine, ein Mittel, um seine Fotos, Filme, Kochrezepte, etc zu verwalten. Dafür brauche ich keine Netzverbindung und auch keine Updates. Theoretisch wäre ein XP-System immer noch nutzbar, wenn es gut läuft. Was Sie beschreiben ist wahrscheinlich ein Windows-PC, damit muss man leben. Alternativsysteme verhalten sich ähnlich, stehen allerdings wegen der geringeren Verbreitung seltener auf der Angriffsliste von potenziellen Gefährdern.

Soziale Medien sind entbehrlich. Niemand muss bei Facebook und Co sein. Ich bin in der IT-Branche tätig und vermisse keinen einzigen Anbieter. Auch das Mobiltelefon nutze ich überwiegend für den zweiten Teil der Bezeichnung - um damit zu telefonieren. Natürlich - gelegentlich eine SMS versenden oder Mails abrufen. Doch hier gibt es einen gesicherten Bereich, der vom Dienstgeber eingerichtet wurde, verschlüsselt und ohne Google-Konto. Ohne Internet geht es natürlich auch nicht, denn schließlich gibt es eine Menge an Informationen, an die man auf herkömmliche Weise nicht oder nur sehr schwer herankommen könnte. Doch hier geht es um Sachlichkeit und nicht um den in der heutigen Zeit allgegenwärtigen "Spaßfaktor".

Wer sich natürlich zu den selbsternannten "Power"-Usern zählt und der ganzen Welt mitteilen will, was ihm gefällt (für das Gegenteil fehlt nach wie vor die Schaltfläche), wird nach relativ kurzer Zeit schon so etwas wie Suchtverhalten bemerken.

Es wäre völlig sinnlos hier mit zahlreichen Beispielen aufzuwarten, trotzdem möchte ich nur ein einziges nennen: Sprachassistenten im Wohnbereich. Wenn ich einmal so weit bin, dass ich Alexa und ihre Familienmitglieder anschaffe, installiere und benütze (um mir vielleicht den Weg zum Lichtschalter zu ersparen), dann wird mein erster Weg zum Arzt sein, um meinen Geisteszustand überprüfen zu lassen (dabei geht es mir nicht einmal um die damit verbundene Datensammelwut). Meiner Ansicht nach sind diese Dinge der Anfang vom Ende, gefolgt von Dingen wie Hörbücher (man lässt lesen statt dies selbst zu tun) usw. Wir besitzen nun einmal ein Gehirn und das muss auch gebraucht werden. Die Entwicklung geht jedoch genau in die entgegengesetzte Richtung. Alles wird uns abgenommen, die Welt besteht aus Assisstenten und die meisten Leute heißen das noch gut. Man entscheidet nicht, man lässt entscheiden. Das wird als bequem, als Fortschritt verkauft und empfunden, ich halte es für eine sehr gefährliche Entwicklung, da man sich bisweilen in eine völlige Abhängigkeit begibt und nach einer gewissen Zeit nicht mehr in der Lage ist sich davon zu befreien.

Dazu kommt noch, dass es im Internet immer schwieriger wird den Wahrheitsgehalt der Seiteninhalte zu beurteilen. Suchergebnisse sind oftmals nicht aussagekräftig, da die Reihung häufig willkürlich erfolgt (wer zahlt schafft an). Viele Seiten tarnen sich als seriös, sind jedoch nur auf Verkauf zugeschnitten. Man braucht das nur mit manchen Tageszeitungen zu vergleichen. Dort findet man einen "Gesundheitsteil", der auf den ersten Blick wie redaktioneller Inhalt gesetzt ist. Sieht man genauer hin, findet man bei fast jedem Beitrag den Hinweis "entgeltliche Einschaltung", "Promotion", etc - superklein gedruckt.
Jeder schreiben was er will. Was einerseits als totale Freiheit konzipiert wurde, verkommt mittlerweile in vielen Bereichen zu den berühmten "Fake News".

Natürlich soll man Entwicklung und Technik nicht pauschal verteufeln. Es ist - genauso wie bei Genussmitteln - die aufgenommene Dosis. Und die richtige zu wählen, darin besteht die Kunst. Als Misere betrachte ich es trotz meiner pessimistischen Gedanken noch lange nicht. Häufig ist es so wie in der Politik und beim Fernsehprogramm. Man glaubt richtig gewählt zu haben und wird trotzdem enttäuscht.

Ma

Wenn ich meinen PC nur alle 4 bis 5 Monate einschalten würde, hätte ich mir schon lange mal überlegt, ob ich den überhaupt brauche. Meiner Meinung nach ist schon alleine der Kauf hinausgeschmissenes Geld.

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