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Updates: Hilf dir selbst!

Wie Hersteller an falschen Vorstellungen festhalten

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Download-Balken, ein Update ist im Gange (Bild: Teguh Jati Prasetyo/Shutterstock.com)

Derzeit erlebe ich persönlich mit, wohin unsere „smarte“ Reise geht. Dahin nämlich, die Verantwortung für die Software auf die Nutzer abzuschieben. Das überrascht mich nicht, ist aber ein No-Go.

Alles neu an Bord

Ein Freund hat sich ein neues Auto gekauft, im Prinzip das gleiche Modell wie meines, nur ein paar Jahre jünger. Meines hat einen Bordcomputer, der diesen Namen in Wahrheit nicht verdient. Abgesehen vom Errechnen des Durchschnittsverbrauchs, dient er samt seinem Touchscreen eigentlich nur als Ersatz für diverse Tasten und Knöpfe, damit das Armaturenbrett aufgeräumter ausschaut. Das Auto meines Freundes hingegen verfügt auf gleichem Raum über eine Kommando- und Steuerungszentrale, die an Funktionsvielfalt jener des Raumschiffs Enterprise Konkurrenz macht.

Zufallsfund

Durch Zufall, das heißt, nachdem er interessehalber eine Smartphone-App des Fahrzeugherstellers installiert hat, ist mein Freund kurz nach dem Kauf draufgekommen, dass es für seinen Touchscreen ein Firmware-Update gibt, welches installiert werden sollte. Da sowohl die Hard- als auch die Software zugeliefert werden, fühlt sich der Autohersteller offenbar nicht zuständig.

Mühsame Prozedur

Der Fahrzeugbesitzer muss aktiv werden und auf Umwegen nachschauen, ob ein Update angeboten wird, muss dieses auf seinen PC herunterladen, die Datei entpacken, auf einen richtig formatierten, weder zu wenig noch zu viel Speichervolumen bietenden USB-Stick kopieren, dabei die richtige Ordner-Ebene erraten (oder in mühsamer Internetrecherche herausfinden) und schließlich hoffen, dass der halbstündige Installationsprozess auch zu einem guten Ende kommt. Ärgerliches Detail am Rande: Während der Installation muss man den Motor laufen lassen, darf das Auto aber zugleich aus Sicherheitsgründen nicht benutzen – eine Freude für die Umwelt und die Nachbarn.

Warum nicht automatisch?

Anders als smarte Haushaltsgeräte sind Autos eher selten dauerhaft mit dem Internet verbunden, was den ganzen Vorgang natürlich verkompliziert. Möglich, dass man die Firmware-Installation auch in der Autowerkstatt durchführen lassen kann (ob gratis oder kostenpflichtig ist dann – wie bei den Navi-Updates – die nächste Frage). Bei Kühlschränken, TV-Geräten und Co. ist diese Vorgangsweise allerdings eher unwahrscheinlich, weshalb ich der Meinung bin, dass Updates dort auf jeden Fall automatisch erfolgen sollten. Bei Computern und Smartphones funktioniert das ja schließlich auch, und wer sich auskennt und das möchte, kann immer noch manuell eingreifen.

Software ist keine Draufgabe

Liebe Hersteller, deshalb mein Appell im Namen aller Konsumentinnen und Konsumenten: Verzichtet im eigenen Interesse auf das von vielen von euch bevorzugte Prinzip „Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner“, ihr handelt euch damit nur verärgerte Kunden ein. Die Technik-Welt hat sich verändert, Software, Firmware und Internetanbindung sind keine „netten Draufgaben“ mehr, sondern sind feste Bestandteile der Geräte, in die sie integriert sind und bilden gemeinsam mit diesen ein Ganzes, eine Einheit.

Klare Zuständigkeiten

So gesehen gibt es auch keine geteilte Verantwortung. Wir Kunden sind für die ordnungsgemäße Verwendung zuständig und die Hersteller dafür, dass die Nutzbarkeit über die gesamte Lebensdauer des Produkts im vollen Umfang erhalten bleibt.  - So weit meine persönliche, aus dem Bauch heraus geschriebene Meinung. Die rechtlichen Aspekte, Garantie und Gewährleistung, Versicherungsfragen etc. sind in diesem Zusammenhang ein anhaltend heißes und bisher weitgehend ungeklärtes Thema.

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