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Vegganer oder Veganer…..
das ist hier die Frage!

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Bild Avocados (Shutterstock)

Nein, das ist kein Schreibfehler. Vegan zu leben ist eigentlich  längst out. In Blogs, Foren oder auf Instagram liest man nun von vegganer Ernährung. Dabei  wird auf jegliche tierische Produkte verzichtet, Eier werden trotzdem gegessen. Das Wortspiel ergibt sich aus den Begriffen Veganer + egg (Ei). Kritik gibt’s mittlerweile von "echten" Veganern, weil diese Kostform ja eigentlich nicht mehr vegan ist….

Die Idee, das Thema zu einem Blog-Thema zu machen entstand an einem Wochenende im Freundeskreis. M. fragte nach, was es mit dem vegganen Trend auf sich hat. Als ich ausholte, und zu erzählen begann, unterbrach mich M. „Nein, nicht vegan, des was i eh. Ich mein veggan, doppel-g.! Also die, die auch Eier essen“. Dieser Begriff war mir bis dato neu, fand ich aber amüsant. Und da Ostern vor der Tür steht, ist das Thema nicht ganz unpassend….

Wir sprechen hier streng genommen von keinem neuen Begriff. Der wissenschaftliche Begriff nennt sich Ovo-Vegetarier (das "ovo" ist lateinisch für "Ei"). Vegganer klingt da natürlich etwas knackiger.

Vegane Ernährung hat sich in unseren Kreisen mittlerweile fest etabliert. Das merkt man spätestens, wenn man im Supermarkt die Regale durchforstet: vom veganen Käse bis hin zum veganen Bratwürstel oder sogar einer ganzen veganen Ente findet sich alles, was das Herz begehrt. Dass derartige Ersatzprodukte nicht immer so gesund sind, wie die Werbung verspricht, hat unser Test zu veganen/vegetarischen Bratwürsteln gezeigt.

Und: Mittlerweile gibt es sogar ein Bachelor-Studienangebot Namens „Vegan Food Management“.

Was heißt was – Vegganer und Veganer

Bevor wir nun weiter sprechen, ein paar Definitionen (sorry, das muss ein):

"Vegane Ernährung ist eine rein pflanzliche Kost, bei der jegliche Lebensmittel, die von Tieren stammen gemieden werden (einschließlich Honig). Außerdem werden meist auch andere Materialien, die von Tieren stammen (Wolle, Leder) nicht verwendet.“

Vitamin B12 gilt bei veganer Ernährung als besonders kritischer Nährstoff, da er ausschließlich von Mikroorganismen produziert wird und in einer für den Menschen verfügbaren Form fast nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt.

Ovo-Vegetarismus:

Gemieden wird: Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Milch, Milchprodukte sowie tierische Produkte, wie z.B. Schmalz, Gelatine

Gegessen wird: pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Kartoffeln, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sowie Eier.

Die Beweggründe für ein veganes Leben sind unterschiedlich. Religiöse, Ethische, ökologische sowie gesundheitliche Gründe spielen eine Rolle. Eine Umfrage hat herausgefunden, dass Personen, die aus ethischen Gründen vegan Leben, am längsten „durchhalten“. Klingt logisch.

Gesundheitliche Vorteile einer „vegganen“ Ernährung

Ein Ei enthält viel wertvolles Eiweiß, das der menschliche Körper zu fast 100 % verwerten kann. Außerdem die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K, B-Vitamine sowie  Folsäure, die Mineralstoffe Kalzium, Phosphor und Eisen im Eigelb und Natrium und Kalium im Eiklar. Gerade bei einer veganen Ernährung zählt Protein und sowie B-Vitamine zu den kritischen Nährstoffen. Ab und zu ein Ei als vegganer ist also sehr empfehlenswert.

Und mehr als 3 Eier pro Woche (inklusive der verarbeiteten Eier) sollten es laut Ernährungspyramide ohnehin nicht sein! Eine oft gestellte Frage in diesem Zusammenhang: Erhöht der Verzehr von Eiern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Stichwort: Eier als Cholesterinbomben?  Aktuelle Erkenntnisse besagen, dass sich bei Gesunden das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht erhöht, wenn Hühnereier im Rahmen einer ausgewogenen Ernährungsweise verzehrt werden. Bei manchen Personengruppen (z. B. Diabetikern) könnten Einschränkungen jedoch sinnvoll sein.

 „Echte Veganer“ sind über den Begriff „Vegganer“  not amused

Die ganz strengen Veganer freut dieser Trend überhaupt nicht. Angefangen von Eiern aus Käfighaltung, die vor allem in verarbeiteten Produkten zu finden sind bis hin zur Tötung männlicher Küken, gibt es viele Einwände der echten Veganer, die Bezeichnung „vegan“ nicht in Verbindung mit tierische Lebensmittel  zu bringen.

Wie erkennt man eigentlich zuverlässig vegane Produkte?

Das Label "V" wurde von der Europäischen Vegetarier-Union (EVU) entwickelt. Es steht für Erzeugnisse, deren Herstellung ohne Rohstoffe aus Tierkörpern erfolgt, insbesondere ohne Fleisch, Gelatine, Knochen und Schlachtfette.

In der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) ist eine freiwillige Kennzeichnung von Lebensmitteln, die für Vegetarier oder Veganer geeignet sind, grundsätzlich vorgesehen. Dafür muss die EU-Kommission aber noch ergänzende Rechtsvorschriften erlassen.

Dass augenscheinlich vegane oder vegetarische Produkte nicht auch immer ganz ohne Tier auskommen, hat unser KONSUMENT Report gezeigt. Zusatzstoffe können tierischen Ursprungs sein, ohne dass darauf hinzuweisen ist, beispielsweise „Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren“ (E 471) oder „Glycin“ (E 640). Verarbeitungshilfsstoffe, Lösungsmittel und Trägerstoffe gelten lebensmittelrechtlich nicht als Zutaten und sind daher nicht im Zutatenverzeichnis aufgeführt, sie können aber ebenso aus tierischen oder mit Hilfe von tierischen Bestandteilen hergestellt werden.

Vegan, aber Spuren von Milch, Ei und Co.?

Auf vielen als vegan gekennzeichneten Lebensmitteln befindet sich der Hinweis "Kann Spuren von (Milch, Eiern, usw.)“ enthalten. Wir bekommen dazu über den Lebensmittelcheck vermehrt Zuschriften. Dieser Hinweis sagt nur, dass die Bestandteile gemäß Rezeptur nicht enthalten sind, sondern unbeabsichtigt ins Lebensmittel gelangt sein können. Da die Angabe freiwillig vom Hersteller aufgedruckt werden kann, können vergleichbare Produkte ohne Hinweis trotzdem Verunreinigungen enthalten. Umgekehrt findet man oft eine elendslange Liste an möglichen „Spuren von…..“ die enthalten sein können. Ein schönes Beispiel hatte uns eine Konsumentin zugesandt. Ein Schokokuchen mit der Angabe „kann Spuren von Sellerie, Schalentieren, Schalenfrüchten, Sesam, Senf, Fisch, Sulfiten, Weichtieren enthalten“ – Mahlzeit! Derartige Hinweise sind weder für Allergiker noch für Veganer hilfreich bzw. wird die Produktauswahl für sie oft enorm eingeschränkt!

Warum kennzeichnen das die Hersteller? Betriebe erzeugen üblicherweise mehrere Produkte. Trotz gründlicher Reinigung der Maschinen können eventuell kleinste Restmengen von Zutaten über den Herstellungsprozess in Produkte eingebracht werden, die diese Zutaten normalerweise nicht enthalten. Um Haftungsansprüchen entgegenzuwirken, neigen die Hersteller oft zu Überdeklaration und kennzeichnen Produkte mit umfangreichen Listen möglicher Allergenspuren.

Ich denke, bei bewusstem Ei-Konsum und Bevorzugung von Eiern aus biologischem Anbau, kann man sich beruhigt das eine oder andere Ei gönnen, egal ob man sich der vegganen, vegetarischen oder sonstigen Ernährungsweise verschrieben hat!

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4 Kommentare

Bild des Benutzers kmittl

Hallo Jenny, danke fürs Mitteilen deiner Sichtweise! Ich bin da ganz bei dir, jeder sollte die für sich passende Ernährungsform wählen, solange sie ausgewogen ist. Wie du als langjährige Veganerin sicher weißt, ist es wichtig, sich besonders ausgewogen zu ernähren. Der kritischste Nährstoff ist laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) Vitamin B12. Veganer sollten daher dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen. Dazu am besten eine Beratung von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft machen lassen und die Versorgung mit kritischen Nährstoffen regelmäßig vom Arzt überprüfen lassen.

Zu den potenziell kritischen Nährstoffen bei veganer Ernährung gehören Protein und langkettige Omega-3 Fettsäuren  sowie die Vitamine Riboflavin und Vitamin D und Mineralstoffe (Calcium, Eisen, Jod, Zink, Selen). Für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche wird eine vegane Ernährung von der DGE nicht empfohlen.

JF

Ich ernähre mich schon seit fast 5 Jahren hauptsächlich vegan. Mal ein Stück Kuchen auf einer Geburtstagsfeier, weil es eine Ausnahme ist oder mal ein Stück Pizza, wenn man gemütlich zusammen sitzt. Ich möchte auch nicht immer so eine große Sache aus meiner Ernährung machen, weil viele sich immer zurückgestoßen fühlen, wenn man sagt, man lebe vegan. Dass man sich allerdings immer rechtertigen muss, wenn man diese eine Ausnahme macht, ist mir auch nicht neu. Ich verstehe das nicht. Ich denke, jeder, der sich veggan ernährt, wird sich bewusst darüber sein, dass für ein Ei auch Hühner in Käfighaltung leiden oder auf viel zu kleinem Raum leben. Das ist etwas, womit sie dann leben würden. 

Ich wünschte, dass jeder einfach für sich bewusst leben und essen dürfte. Das wäre das Optimum. Ich lasse die "Ausnahmen" mittlerweile nur noch geschehen, wenn ich weiß, dass ich mich nicht rechtfertigen muss, wenn ich das nun tue, d.h. nur mit nahen Freunden. Aber als ich mein Fitnessprogramm gestartet habe und dafür Proteinshakes getrunken habe, musste ich mir eine Menge anhören - und das obwohl ich KEINE Molke getrunken habe, sondern mit Hanfproteinen trainiert habe. Aber das konnte ich lang und breit erklären, niemand hat mir geglaubt (ist aber tatsächlich ein Ding, hier ist der Beweis) und ich musste wieder lange erklären, dass ich finde, dass jeder die freiheit haben sollte, sich ernähren zu dürfen, wie er mag. 

Leider scheinen die Menschen noch nicht so weit zu sein. Aber irgendwie auch seltsam, dass einige Veganer anscheinend den Wunsch versprüren, eine "Eier-Ausnahme" zu machen. Ich würde die eher für Halloumi machen wollen. 

Bild des Benutzers kmittl

Hallo, „veggane“ Würste oder dergleichen sind mir bislang noch nicht untergekommen, lediglich als "vegan" gekennzeichnete. Und die sind meist hoch verarbeitet, wie unser Test gezeigt hat. Entgegen ihrem Image enthalten diese Produkte oft viel Salz. Auch der Anteil an Fett bzw. gesättigten Fettsäuren kann höher liegen als vermutet und in vielen Produkten stecken Geschmacksverstärker und Aromastoffe….eine ausgewogene vegetarische/vegane oder „veggane“ Ernährung ist auch ohne Fleischersatzprodukte möglich bzw. sinnvoll.

Wie bei allen Ernährungsformen sollte auch Vegganern bewußt sein, dass Hühner geschlachtet werden.....

Ra

Ist sicher eine Idee der Industrie, da sich "Veggane" Würste und Fleisch viel leichter und billiger herstellen lassen als vegane.
Jedem Vegganer muss halt bewußt sein, dass mit jedes Ei-legende Huhn und ihre Brüder einmal geschlachtet oder getötet werden.
Also ohne Fleischesser kein Vegganismus.