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Wie haben wir das bloß früher gemacht?
Über die Smartheit älterer Generationen und das Abgeben des Hausverstands

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Bosch X-Spect: Lebensmittel scannen (Bild: VKI)

Demnächst in unseren Küchen: Ein Scanner für Lebensmittel, um deren Eigenschaften zu prüfen.

Der Jugend sei es verziehen

Vor einigen Jahren hörte ich in der Kantine einer österreichischen Zeitung einen Journalistenkollegen am Nebentisch sagen: „Wie konnte man früher überhaupt recherchieren, so ganz ohne Internet?“ Nun konnte er es ja nicht besser wissen, weil er es aufgrund seiner Jugend gar nicht anders kannte. Und mittlerweile ist auch für die „alten Hasen“ die Sucheingabe in Google und Co. meist der erste Schritt. Trotzdem: Auch die alte Version mit Telefonaten, persönlichen Treffen, dem Sichten gedruckter Quellen und dem Durchwühlen echter Archive (selbst wenn diese digitalisiert sind) funktioniert weiterhin.

Für ein besseres Leben

Wieder eingefallen ist mir die Sache auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin. „Sprechen Sie mit Ihrem Kühlschrank“, liest man da. Oder: „Für die optimale Bügelerfahrung verbinden Sie Ihr Gerät bitte mit dem Internet.“ Oder: „Scannen Sie Ihre Wäsche, um den Verschmutzungsgrad zu eruieren“. Mit einem neuen Lesegerät der Firma Bosch kann man darüber hinaus Lebensmittel, wie Fleisch, Eier oder Pfirsiche scannen, um den Fett- und Wassergehalt, die Frische oder den Reifegrad zu ermitteln. Die Antwort nach dem Wieso und Warum liefern die Hersteller gleich mit: „Für ein besseres Leben“.

Primitive Höhlenmenschen

Abgesehen davon, dass Pfirsiche aus dem Supermarkt zuverlässig fünf Tage lang steinhart und am sechsten Tag matschig sind, mag das alles bis zu einem gewissen Ausmaß schon sinnvoll sein. Aber ich frage mich wie einst der junge Kollege: „Wie haben wir das früher gemacht? Wie haben wir, aber vor allem unsere Eltern und Großeltern eigentlich überlebt? Und was für ein elendes Leben haben wir geführt, ohne zu bemerken, dass wir – dem populärwissenschaftlichen Stereotyp des primitiven Höhlenmenschen entsprechend – dumpf vor uns hin vegetierten?“

Als die Erfahrung noch etwas zählte

Ich möchte jetzt keinesfalls gegen den Fortschritt anschreiben. Ich schätze Smartphones und Computer sehr, kann mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen und mich an das analoge Leben davor kaum noch erinnern. Aber ich frage mich, ob unsere Vorfahren nicht in mancher Hinsicht smarter waren als wir, indem sie sich auf Erfahrung und überliefertes Wissen stützten und den Hausverstand nicht einer Supermarktkette und den Internetkonzernen überließen.

Die Mitte ist kein schlechter Weg

Smart heißt ja übersetzt nichts anderes als schlau, klug, intelligent. Und die smarten Geräte können auch nur so schlau sein wie die Menschen, die sie programmieren. So gesehen fände ich es sehr schlau, wenn wir uns persönlich ein bisschen Hausverstand sowie Wissen über die Welt um uns bewahren würden. Wie so oft wäre halt meiner Meinung nach die goldene Mitte der Weg, den wir einschlagen sollten. Gehen wir ihn, so lange uns diese Richtung noch offen steht!

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4 Kommentare

ps

Abgesehen davon, das Geräte zu Intelligenz meiner Meinung nach (und seien so noch so smart) noch nicht fähig sind – und das finde ich auch gut so, dürfte ein Problem unserer zeit darin bestehen, dass die Mitte oft durch ein smartes Gerät 'verdeckt' wird …

Und dann ist der 'Horizont' eben auf etwa 40 cm beschränkt und der Hausverstand oft ausgeblendet.

Ja, ich nütze auch moderne Medien und 'smarte' Geräte, obwohl ich nicht nur alt,sondern eigentlich wirklich älter bin ;-)

Aber ich glaube, aus meiner Zeit vor dem Internet und dem allgegenwärtigen 'Smart Devices', doch noch eigene Urteilskraft entwickelt zu haben bzw. musste (und wollte) ich immer 'etwas mehr' wissen …

Bild des Benutzers gschoenfeldinger

@Werner Schrunk: Ich würde mich niemals gegen technische Hilfsmittel aussprechen, die Menschen den Alltag auf sinnvolle Weise erleichtern. So gesehen ist natürlich auch die Technologie, die hinter dem Lebensmittelscanner steckt, begrüßenswert, auch wenn sie derzeit noch in den Kinderschuhen steckt. Befremdend wirkt auf den ersten Blick, dass das Produkt eindeutig auf die breite Masse abzielt und nicht zur Abdeckung spezieller Bedürfnisse geschaffen wurde. Aber dies ist ja nicht das erste Beispiel dafür und man kann in Ihrem Sinne hoffen, dass der Erfolg auf dem Massenmarkt die Entwicklung vorantreibt und somit indirekt positive Effekte mit sich bringt.

WS

Ich bin vieleicht nicht der typische Verbraucher aber sicher auch nicht der Einzige der technische Hilfsmittel zu schätzen weis. Ich persönlich habe allerdings ein Problem das durch ein Hilfsmittel bei Lebensmittel die Verschwendung sehr reduzieren würde, mir fehlt seit frühen Jugendtagen durch einen Unfall der Geruchsinn, ein Gerät das an Hand des Geruches feststellen kann ob das Lebensmittel noch nicht verdorben ist würde einigen Lebensmittel die Entsorgung in der Biotonne ersparen

kf

Ich bin 70 und sage früher war es zwar nicht besser, aber fast keine Verbrechen und es gab viel zusammengehörigkeit, jetzt keine Zeit für Menschlichkeit nur Hetzerei und Boshaftigkeit Betrug und Lügen bis zur Geschichtsfälschung.Hoffnung stirbt aber zuletzt.