VKI Blog Logo

Zwangsbeglückt

Über widersprüchliche Vorstellungen von Kunden und Unternehmen

zwangsbegluckung_esb_professional_shutterstock_142158799.jpg

Junge Frau am Computer ärgert sich über die Zwangsbeglückung mit unerwünschten Funktionen (Bild: ESB Professional/Shutterstock.com)

Wem hilft die Zwangsbeglückung mit Funktionen, die keiner wollte? Oder die Abschaltung solcher, die wir geschätzt haben? Uns Nutzern wohl eher nicht.

In einem früheren Blogbeitrag habe ich mir über das Thema der Abhängigkeit von der Technik Gedanken gemacht. Wenn wir uns darauf einlassen, sind wir ohnehin zu Kompromissen bereit, weil wir die Geräte ja sinnvoll und für unsere Zwecke nutzen möchten. Auch deshalb, so meine ich, sollten wir von den Anbietern erwarten können, dass sie hie und da auf unsere Wünsche eingehen.

Sturheit

Manche von ihnen, wie etwa der Druckerhersteller HP, setzen sich mit einer gewissen Sturheit darüber hinweg, indem sie sich beispielsweise regelmäßig neue Methoden einfallen lassen, um die Kunden dazu zu zwingen, auf Original-Tintenpatronen bzw. -Laserkartuschen zurückzugreifen. Und von Zwang kann man ja wohl sprechen, wenn dies unbemerkt, mittels automatisch durchgeführter Updates erfolgt und die Nutzer von einem Moment auf den anderen damit konfrontiert sind, dass die bisher verwendeten Nachbau-Patronen nicht mehr funktionieren. Das Argument, dass Nachbauten dem Gerät schaden können und der Hersteller dafür nicht haftet, kann man zwar gelten lassen; andererseits verstehen wir uns doch wohl als mündige Konsumenten, die in der Lage sind, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen und gegebenenfalls auch die Konsequenzen dafür zu tragen.

Durchschaubar

Andere Unternehmen haben bereits verstanden, dass solche Zwangsbeglückungen nicht auf der Liste der dringendsten Kundenwünsche stehen. So lässt Microsoft in Windows 10 das Hinauszögern von Updates (endlich) wieder zu. Und auf unseren Smartphones können wir den Apps gewisse Berechtigungen entziehen, was – vor allem unter dem Betriebssystem Android – auch nicht von Beginn an selbstverständlich war (dass sich manche App-Entwickler partout nicht daran halten, ist eine andere Geschichte). Wenn jedenfalls danach manche Apps, die garantiert auch ohne Zugriff auf unsere Kontakte funktionieren würden, den Dienst verweigern, ist die Absicht dahinter leicht durchschaubar.

Wem nützt es?

Weniger erklärbar ist es, wenn nicht ein einzelner App-Entwickler, sondern der führende Smartphonehersteller Samsung dahintersteht. Ein KONSUMENT-Leser konnte bis vor Kurzem SMS senden und empfangen, ohne der Nachrichten-App den Zugriff auf Kamera und Mikrofon zu erlauben. Seit dem Update auf Android 8 kann er das nicht mehr. Auf den Geräten anderer Hersteller findet sich diese Beschränkung bisher nicht. Es wird vielleicht Nutzer geben, denen das egal ist. Extra einfordern wird so etwas aber auch keiner. Wozu also aufzwingen?

P.S.: Und weil es so gut passt und nochmals Samsung betrifft: Samsung-Apps, die über den herstellereigenen App-Store vertrieben werden, ignorieren den Wunsch des Benutzers, die automatischen Updates zu deaktivieren und starten den Download wieder und wieder und wieder ...

Kommentare erstellen

2 Kommentare

Mu

Auch Canon war lange Zeit nicht müde zu betonen, dass nur Originalpatronen verwendet werden dürf(t)en und Nachbauten dem Gerät schaden. Ich verwende seit fast 20 Jahren Canon-Drucker mit Fremdpatronen (auch hier muss man allerdings die Spreu vom Weizen trennen) und habe mir wahrscheinlich nicht nur einen Drucker mit der Preisdifferenz erspart. Dass die sogenannte geplante Obsoleszenz früher nicht schon nach zwei Jahren gegriffen hat, verdankt mein Drucker sein langes Leben von mittlerweile mehr als 12 Jahren. Selbst der Originaldruckkopf funktioniert noch immer und druckt dank Ultraschallreiniger wie neu.

Anderes Beispiel: Das "Ribbon" von MS Office. Als Feature vom Anbieter propagiert, wird es bis heute von vielen (eingearbeiteten) Anwendern gehasst und durch (gottseidank vorhandenen) Hilfsprogrammen wie bspw Classic Menu for Office ersetzt. Manche Anbieter (wie bspw Softmaker) sind da schon klüger und bieten bei der Installation bereits die Wahlmöglichkeit zwischen klassisch und unübersichtlich (vulgo modern) an.

Womit wir bereits beim aktuellen System von Windows wären. Hier gibt es Zwangsbeglückung wohin das Auge reicht. Der technische Unterbau ist bestimmt ein Fortschritt, doch Bedienung und Optik. Na ja, aber auch hier schlafen die Kreativen nicht und man bekommt seine gewohnte Optik zurück.

Bleibt noch das Lizenzmodul heutiger Software, welche immer häufiger als Miet- statt Kaufprodukt angeboten wird. Das mag für Firmen interessant sein, für den Privaten sicher nicht.

Ändern könnte das natürlich der Konsument, doch auch hier sind manche Hersteller Quasi-Monopolisten. Was am Arbeitsplatz fast acht Stunden genutzt wird, möchte man auch im Privatbereich nicht missen und somit weder Einarbeitungszeit investieren noch zweigleisig fahren. Also wieder das gewohnte Produkt verwenden und der Hersteller reibt sich die Hände.

Zu den Apps möchte ich aus Gründen der Fairness noch anmerken, dass sich eine Gratis-App ja auch irgendwie finanzieren muss. Soferne dies nicht schon durch Werbung erfolgt, dann eben über den Zugriff auf die Daten des Anwenders. Denn wie heißt es so schön: Im Internet ist vieles gratis, jedoch nichts umsonst.

AK

Betr.: Zwangsbeglückung

Auch Magenta tut da fleißig mit : Plötzlich soll ich ein Passwort benützen, damit ich meine von Anrufern hinterlassenen Nachrichten abhören kann. - Ich habe diese Funktion nie angefordert, sie war einfach plötzlich da. Halt Zwangsbeglückung eben, über die man sich nicht unbedingt freut. Darauf verzichte ich gern und informiere meine Kontakte sukzessive, dass sie mir bitte keine Nachrichten hinterlassen, da ich dieses Feature nicht benützen will.

MfG Annemarie Karpf

Blog-Abonnement

Ich möchte bei neuen Blog-Beiträgen eine E-Mail-Benachrichtigung erhalten.
Informationen zum Datenschutz:

Die von Ihnen bekanntgegebenen Daten werden vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) zum Zweck der Blog-Benachrichtigungen verarbeitet. Detaillierte Informationen zu Ihren Rechten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.