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Kurztest: My friend Cayla

Finger weg von der sprechenden Puppe!

'My friend Cayla' ist eine sprechende Puppe für Kinder ab 4 Jahren. In unserem Kurztest ist sie jedoch kläglich durchgefallen. Und da ist vom Datenschutz-Aspekt noch gar keine Rede.
UPDATE: In Deutschland wurde die Puppe verboten. Laut Gesetz ist sie eine getarnte Abhöranlage, dessen Einfuhr, Herstellung und Vertrieb illegal sind. Eltern werden von der Bundesnetzagentur aufgefordert, die Puppe zu zerstören.

Fantastisch, was sie alles NICHT weiß!

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My friend Cayla, wie sie in ihrer Verpackung zu kaufen ist. (Bild: VKI)

 

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My friend Cayla, wenn man sie auspackt. Es wird eine Anleitung und ein kleiner Kamm sowie ein Minispiegel mitgeliefert. (Bild: VKI)

 

 

 

 

Das ist 'Cayla'. Die Puppe ist 45 cm groß, hat lange blonde Haare, blaue Augen und viele pinke Akzente. Mitgeliefert werden eine rosa Anleitung sowie eine Mini-Bürste und ein kleiner Spiegel. Beides kann die Puppe jedoch nicht halten. 'Cayla' wirbt auf ihrer Verpackung damit, dass sie viel weiß: "Fantastisch, was sie alles weiß!!", "Ich weiß so viel über dich", "Sie hat MILLIONEN Dinge zu erzählen!". Millionen Dinge stimmt sogar, die Puppe hört oft gar nicht auf zu reden. Von viel wissen kann allerdings nicht die Rede sein.  In unserem Kurztest haben wir die Werbeclaims des Herstellers auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Der Hersteller sagt:

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My friend Cayla - Produktbeschreibung laut Hersteller. (Bild: http://myfriendcayla.de/)

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Genau diese Funktionen, die der Hersteller auf seiner Website anpreist, haben wir uns im Kurztest angesehen.

Unser Fazit

Cayla kann...

... jede Menge Fragen beantworten: "Wie heißt die Hauptstadt Deutschlands?", "Wie groß ist Deutschland?", "Wer war Steve Jobs?" - mit diesen Fragen haben wir 'Cayla' konfrontiert. Oft war die Antwort aber "Das weiß ich nicht." oder "Darüber möchte ich nicht sprechen". Aber selbst wenn die Puppe eine Antwort findet, muss man oft länger darauf warten. Ein leuchtendes Herz an der Puppe zeigt an, wann gesprochen werden kann. Dieses funktioniert allerdings nicht immer und so haben auch wir ihr öfter in die Antworten reingeredet.

... verstehen was man sagt und sich unterhalten: Klickt man in der App auf "Hallo!" fängt 'Cayla' an, mit dem Kind zu reden. Sie erzählt von sich selbst, ihren Hobbies, Geschwistern und Träumen. Auch dem Kind stellt sie Fragen, auf die sie aber kaum eingeht. Eine richtige Unterhaltung kommt also nicht zu Stande, es ist mehr ein Monolog der Puppe. Außerdem versteht sie manche Fragen schlecht, weil man sehr deutlich und direkt in das Mikrofon sprechen muss. In unserem Test hatte sie auch mit Österreichisch so ihre Probleme. Dabei haben wir gar nicht Dialekt gesprochen, aber auch in Österreich übliche Fragestellungen verwirren sie (z.B. WELCHE ist deine Lieblingsfarbe? statt WAS ist deine Lieblingsfarbe?). Selbst 'Caylas' Aussprache lässt zu wünschen übrig. Aus dem von uns eingegebenen Namen 'Leona' macht sie 'Leone'.

... Geschichten erzählen und gemeinsam Spiele spielen: Zwei Spiele, drei Geschichten und einige Fotoalben hat die App gespeichert. Das hört sich nicht viel an - und das ist es auch nicht. Selbst wenn man alles durchgeht, ist man in weniger als einer Stunde fertig damit. Der große Nachteil bei den Geschichten ist, dass man die "Seiten" in der App umblättern muss. So können Eltern ihre Kinder nicht einfach damit beschäftigen, dass sie eine Geschichte aufdrehen. Das Kind braucht auch das Tablet oder Smartphone und muss weiterklicken. Und welches Kind beschäftigt sich dann noch mit der Geschichte, wenn es das Gerät in der Hand hat? In der App wird ein Buch mit Text und Bildern angezeigt. Es ist eigentlich eine gute Idee, Kindern auch den Text anzuzeigen. So werden sie beim Lesen Lernen unterstützt. Blöd nur, dass dieser Text voller Tipp- und Rechtschreibfehler ist. Da wäre es gleich besser, ihn wegzulassen.

... Online und Offline spielen: Ist die Puppe mit dem Internet verbunden, greift sie auf Datenbanken wie Wikipedia zurück. Diese Quellen sind nicht immer kinderfreundlich, schon gar nicht für Vier- oder Fünfjährige. Bei der Frage nach der Größe von Deutschland antwortet 'Cayla' zum Beispiel mit Wörtern wie "föderal verfasster Staat" und "freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat". Ist die Internetverbindung am Smartphone oder Tablet inaktiv, kann 'Cayla' keine Fragen beantworten und brabbelt einfach vor sich hin. Auf die Antworten des Kindes auf ihre Fragen geht sie dann gar nicht ein.

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My friend Cayla, App. (Bild: VKI)

So sieht übrigens die App für's Tablet oder Smartphone aus. Die Bedienung der App stellte sich für uns jedoch als Herausforderung dar. Tipp- und Rechtschreibfehler, nicht reagierende Buttons und unverständliche Einstellungen - für uns sieht gute Usability anders aus. Wenn sich Erwachsene schon schwer tun, wie geht es dann erst den Kindern? Unserer Ansicht nach hätte in die App auf jeden Fall mehr Zeit seitens der Programmierung investiert werden müssen. Zumindest ist die deutsche App gratis, die englische kostet fünf Euro (in Österreich).

In den Einstellungen der App können Eltern Wörter blockieren, die 'Cayla' nicht verwenden soll. Die Puppe antwortet dann auf Fragen zu dem geblockten Wort mit "Darüber will ich nicht sprechen". Das funktioniert aber auch nicht in 100 Prozent der Fälle. Obwohl wir das Wort "pink" blockiert haben, erzählte uns 'Cayla', dass das ihre Lieblingsfarbe ist und sie später einmal ein pinkes Auto haben will. Eines der wenigen positives Beispiel aus dem Test war ihre Antwort auf die Frage nach Bier: "Ich bin ein Kind, so etwas trinke ich nicht."

Im Testvideo werden Sie selbst sehen: Diesem Produkt kann man eine klare Kaufwarnung aussprechen. Der Umgang mit der Puppe ist mühsam und frustrierend, sie gibt keine oder völlig unnötige Antworten. Stellen Sie sich selbst die Frage: Würden Sie Ihrem Kind ein solches Produkt zum Spielen geben wollen?

"My friend Cayla" im VKI-Kurztest

 

Lesen Sie außerdem unseren Datenschutz-Artikel zu 'Cayla'.

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