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Amazon: Schluss mit gekauften Bewertungen

Der Online-Handelsriese verbietet Rezensionen auf Basis bereitgestellter Produkte. 500.000 Bewertungen wurden bereits gelöscht. Das löst zumindest für Amazon einen Teil des Problems.

Amazons Club der Produkttester, Vine, war mir seit jeher suspekt. Sicher, ich würde mir auch gerne mein Wohnzimmer mit LCD-TVs und anderen schönen Dingen vollstopfen oder sie zumindest kostenlos ausprobieren. Aber ehrlich: Wäre ich dann bei der Rezension unbeinflusst und würde sagen, dass es sich um ein Glumpert handelt, wenn es so ist? Andererseits sagt Amazon, dass negative Rezensionen okay gehen. Mag sein, ich hab's nicht überprüft. Anders schaut es aus, wenn einem der Hersteller selbst ein Produkt zur Verfügung stellt und Geschenke oder Vorteile in Aussicht stellt. Vielleicht versteckt man verklausuliert ein bisschen Kritik, aber schlechter als durchschnittlich schneidet ein solches Produkt wohl kaum ab. Genau das war Amazon nun selbst ein Dorn im Auge.

Bewertungen sind dazu da, um andere Interessenten vorab zu informieren, nicht um ihnen ein Produkt anzupreisen, weil es eigentlich eh nicht ganz so schlecht ist. Das Ende dieser gekauften Bewertungen ist daher sehr begrüßenswert, ja es wurden seitens Amazon sogar schon mehr als eine halbe Million entsprechender Einträge gelöscht, weil man darin einen Schaden für die Reputation des Unternehmens sah. Die Frage ist, wie verlässlich die Rezensionen nun in Zukunft sein werden. Den Vine-Club gibt es ja weiterhin, und unternimmt Amazon auch etwas gegen die Flut an Fake-Bewertungen, über die wir auf konsument.at schon ausführlich berichtet haben? Auch sie sind gekauft, denn es gibt einen zahlenden Auftraggeber und einen Dienstleister. Ich nehme an, Amazon ist dies durchaus bewusst, doch die Frage ist, ob und wann das Unternehmen den nächsten wichtigen Schritt setzt. Bis dahin hat es zwar einen Teil seiner eigenen Probleme gelöst, doch wir Kunden bleiben noch immer mit einem Fragezeichen zurück. Weiterem entschiedenen Handeln sehen wir wohlwollend entgegen!

 

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1 Kommentare

HM

In Wahrheit hat sich kaum etwas geändert - leider. Eher ist das Gegenteil der Fall. Konnte man früher an der Kennzeichnung einer Rezension mit dem "Vine-Club"-Label auf den ersten Blick erkennen, dass hier Vorsicht in Sachen Vertrauenswürdigkeit angebracht ist, wird diese nun weggelassen.

Die Bestechungs-Masche läuft uneingeschränkt weiter.

Im günstigsten Fall findet sich nun am Ende der "Rezension" der Hinweis: "Ich habe dieses Produkt vergünstigt/gratis erhalten, was aber meine Objektivität nicht beeinflusst." Haha, wer es glaubt ! Denn eine schlechtere Bewertung als 4 Sterne habe ich von solchen "Testern" noch nie gelesen.

Was also ist passiert? Eine gut erkennbare Deklaration ("Vine-Club") wurde durch einen vergleichsweise schwer auffindbaren Hinweis im Text der Rezension ersetzt - wo noch dazu keineswegs klar ist, ob sich jeder der beschenkten Rezensenten auch daran hält, einen entsprechenden Passus in seinen Text einzubauen.

Statt mehr Transparenz noch mehr Verschleierung.

Einziges (schwaches) Mittel dagegen: Solche Rezensionen negativ bewerten oder in einem Kommentar zur Rezension die ersatzlose Einstellung dieser Amazon-Praxis fordern. Die meisten anderen Einkaufsplattformen kommen schließlich auch ohne derartige Täuschungsstrategien aus.

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