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Beschränkt lernfähig

Smarte Geräte wissen letztlich nur so viel, wie der Mensch in sie hineinsteckt

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Künstliche Intelligenz. Ein Roboter blickt nachdenklich aus dem Bürofenster (Bild: Phonlamai Photo/Shutterstock.com)

Dem englischen Adjektiv „smart“, das unter anderem „schlau“ bedeutet, bin ich erstmals in meiner Kindheit begegnet. Da diese nun doch schon ein paar Wochen zurückliegt, war das deutlich vor der Zeit von Smartphone und Smart Home.

Verwendet wurde das Wort als Name für Personen, an deren Schlauheit unter herzhaftem Lachen gezweifelt werden durfte. In beiden Fällen handelte es sich um schusselige Geheimagenten, nämlich Maxwell Smart (bei uns auch bekannt als Supermax oder Mini-Max) aus einer amerikanischen TV-Serie und Jeff Smart als Hälfte des spanischen Comic-Duos Clever & Smart.

Was ist Intelligenz?

Danach dauerte es ziemlich lange, bis die ersten Smartphones auf den Markt kamen. Im Sinne eines Hinweises auf das Alleinstellungsmerkmal dieser Geräte als Telefone mit computerähnlicher Funktionsvielfalt, ergab die Bezeichnung durchaus Sinn. Heute dagegen werden wir von angeblich intelligenten Geräten geradezu überschwemmt. Auch der Begriff der künstlichen Intelligenz wird gerne verwendet, nicht zuletzt von den Marketingabteilungen. Denn eine klare wissenschaftliche Definition von KI, so das Kürzel, existiert gar nicht. Nebenbei bemerkt gibt es ja nicht einmal eine eindeutige Beschreibung der menschlichen Intelligenz. Wobei ich das jetzt eigentlich falsch formuliert habe, denn die menschliche Intelligenz ist wesentlich komplexer als jene von Maschinen.

Weltherrschaft in weiter Ferne

Jedenfalls ist die „Lernfähigkeit“ heutiger Smart-Home-Geräte sehr beschränkt. Selbst wenn man ihnen gewisse Fähigkeiten „beibringen“ kann und sie diese zum Teil selbsttätig optimieren können, hat dies noch lange nichts mit selbstständigem Denken oder mit logischen Schlussfolgerungen zu tun. Man darf außerdem nicht übersehen, dass sie in aller Regel spezialisiert sind, also der Einsatzbereich, in dem sie ihre Stärken ausspielen können, deutlich beschränkt ist. Von menschenähnlichen Robotern oder Supercomputern, welche die Weltherrschaft übernehmen, sind wir noch sehr, sehr weit entfernt.

Sicherheitsrisiko

Aktuell haben wir mit anderen Problemen zu kämpfen. Auch das Denken der Anbieter von smarten Geräten ist leider oft beschränkt – ausgerichtet auf den Gewinn in unmittelbarer Zukunft und nicht auf die auch in einem zeitlich größeren Abstand immer noch existierenden Kundenbedürfnisse. Ein deutscher Hacker hat in gebraucht gekauften Geräten, von der Überwachungskamera über den WLAN-Router bis hin zur smarten Glühbirne und zum Staubsaugerroboter, Unmengen an persönlichen Daten der Vorbesitzer gefunden. Auf Handys, Festplatten und Spielkonsolen sowieso. Er konnte Fotos, Videos und Passwörter wiederherstellen und auch Wohnadressen zurückverfolgen.

Kein Problembewusstsein, fehlende Möglichkeiten

Einerseits fehlt vielen Nutzern offenbar das Problembewusstsein, andererseits bauen die Hersteller in viele der smarten Geräte überhaupt keine Möglichkeit ein, die gespeicherten Daten zu löschen. Der Weiterverkauf ist somit im Grunde nicht empfehlenswert. Davon, dass die Hersteller von vornherein keinen Gedanken daran verschwenden, jemals ein Software-Update (das ja unter anderem dem Schließen von Sicherheitslücken dienen könnte) bereitzustellen, rede ich gleich gar nicht. Es ist bestimmt auch nicht der Fall, dass jeder Hersteller jahrelange Erfahrung mit der Internetanbindung seiner Produkte hat. Da wird dann halt Technologie zugekauft und möglicherweise auf etwas Bestehendes eher aufgepropft als integriert.

Was lernen wir daraus?

Die Schlauheit smarter Geräte ist zwangsläufig auf das beschränkt, was technisch machbar ist und was letztlich auch tatsächlich herstellerseitig umgesetzt wird. Als Hilfsmittel sind sie praktisch, manchmal sogar sinnvoll. Verlassen sollten wir uns am Ende aber auf unsere eigene Intelligenz.

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1 Kommentare

Fo

Sogar ein Smartmeter ist etwas ,was kein Mensch braucht.Solange die Energielieferanten in selbstzerstörerischer Weise dieses mit Drohungen und Schimpftiraden installieren wollen,ist der freie Markt eine Farce.Trotzdem ein Hoch dem Konsument, wenigstens etwas gespart.

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