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Damit die Umwelt weniger rot sieht

Von grünerer Elektronik und der Idee, seltener, aber hochwertiger zu kaufen

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Greenpeace-Report Greener Electronics: Fairphone und Apple voran (Bild: Greenpeace)

Mein Herz als Apple-Fan schlägt höher: Greenpeace lobt nicht nur erwartungsgemäß Fairphone, sondern auch Apple für das beispielhafte Umweltbewusstsein bei Produktion und Recycling.

Subjektiv betrachtet ...

... sagt freilich die Erfahrung, dass man bei Statistiken, die man nicht eigenhändig geschönt und Studien, die man nicht selber beauftragt hat, Zurückhaltung üben sollte. Rein aus dem Bauch heraus hätte ich Apple jetzt nicht so weit vorne gesehen, und so empfinden auch viele Kommentatoren in den Foren diverser Online-Medien (wobei man sagen muss, dass Greenpeace bei allem Lob sehr wohl die schlechte Reparierbarkeit der Apple-Produkte anprangert).

Der Ethik-Aspekt

Blenden wir die rein subjektive Seite einmal aus. Tatsache ist: Die Greenpeace-Studie zur sogenannten grünen Elektronik berücksichtigt zwar die Gesundheit der Arbeitnehmer in den Fabriken, stellt aber nicht die Frage nach ihrer arbeitsrechtlichen Situation bzw. nach der Herkunft der Rohstoffe (Stichwort: Konfliktfreiheit). Hier liegt zweifellos Fairphone voran, was auch ein aktueller Ethik-Artikel in unserem Testmagazin KONSUMENT bestätigt. Der Hersteller versucht die Schaffung fairer Arbeitsbedingungen sicherzustellen und zu verhindern, dass Einnahmen aus den Rohstofflieferungen an rücksichtslose Warlords fließen, die sie in weitere Waffen investieren würden.

Wie gut darf mein Gewissen sein?

Mir ist schon klar, dass dies keine klassischen Umweltschutzthemen sind, aber etwas weiter gefasst haben sie durchaus mit einem gesunden Klima zu tun. Was uns zu der Frage bringt, inwieweit man all diese Aspekte überhaupt trennen kann oder soll. Darf ich ab sofort ein einigermaßen gutes Gewissen haben, wenn ich mir wieder ein iPhone kaufe? Muss ich ein schlechtes haben, wenn ich mich für Samsung entscheide, an dem Greenpeace wegen des Einsatzes von Kohlestrom in den Fabriken scharfe Kritik übt? Was, wenn ich Huawei wähle (laut Greenpeace ein Produzent reiner Wegwerfhandys, die maximal zwei Jahre lang genutzt werden)? Tue ich mit dem Kauf eines Fairphones etwas Gutes und ist das die einzig vertretbare Alternative, sofern ich nicht (unrealistischerweise) den mobilen Begleitern vollständig abschwöre?

Haltbarkeit ist relativ

In einem laufenden Gerichtsverfahren in den USA argumentieren Apples Anwälte damit, dass iPhones nicht dafür gedacht seien, länger als 1 Jahr zu halten. Das ist für sich betrachtet ein Skandal, ist aber in Wahrheit die Linie der Anwälte und stimmt nicht mit meinen persönlichen Erfahrungen überein. Ich habe alle meine bisherigen iPhones mindesten drei Jahre lang problemlos genutzt und sie dann entweder weiterverkauft oder innerhalb der Familie weitergegeben. Auf der anderen Seite hat uns ein Kollege, der sich heuer ein Fairphone 2 zugelegt hat, vorgeführt, wie einfach bei diesem Gerät Teile austauschbar sind. Dabei ist prompt ein kleiner Plastikteil abgebrochen, der benötigt wird, um die drei Hauptbauteile des Gerätes fest miteinander zu verbinden. Die über allem befindliche Hülle stabilisiert die Konstruktion zwar zusätzlich, aber anderen Herstellern würde man angesichts dessen geplante Obsoleszenz unterstellen.

Überzeugungsfrage

Was man auch dazusagen muss: Abgesehen davon, dass das Fairphone 1 nach enttäuschend kurzer Zeit (3,5 Jahre) keine Updates mehr erhält, bekommt man mit dem Fairphone 2 ein durchschnittlich ausgestattetes, durchschnittlich modernes Smartphone. Nicht die Technik überzeugt, sondern – wenn man dafür offen ist – das Gesamtkonzept dahinter.

Ich gebe gerne mehr aus

Für mich ist die Alternative weiterhin, mehr, aber dafür seltener Geld in ein Neugerät zu investieren. Die Wahl eines Topmodells hat sich für mich bisher immer ausgezahlt – es muss ja nicht unbedingt Apple sein und es muss auch nicht das allerteuerste Gerät sein. Gerade unser aktueller Test zeigt wieder einmal, dass es schon ab der gehobenen Mittelklasse hochwertige Smartphones zu kaufen gibt.

Keine Garantie, aber gute Chancen

Um es klarzustellen: Ein hoher Preis ist keine Garantie für lange Lebensdauer. Doch die Erfahrung zeigt, dass teurere Handys aufgrund ihrer gehobenen Ausstattung den steigenden Anforderungen im Alltag besser gewachsen sind, speziell im Falle von Android (weil bei Apple sowieso) eher und länger mit Updates versorgt werden und den Nutzern insgesamt mehr und anhaltender Freude bereiten. Auch das kann man – in meinen Augen und etwas weiter gefasst – als Beitrag zu einem grüneren Umgang mit Elektronik verstehen.

Lebensdauer verlängern

Die wichtigsten allgemeinen Tipps zur Verlängerung der Smartphone-Lebensdauer finden Sie übrigens hier: vki.at/handynutzung-kosten-sparen-umwelt-schonen.

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1 Kommentare

ps

Die schlechte Reparierbarkeit von Apple Geräten kann ich nicht bestätigen

– mein iPhone (ja, noch ohne Generationsnummer!) funktioniert noch immer mit dem originalen Akku

 – mein 8 Jahre altes MacBook wird zwar inzwischen auch als 'Vintage' geführt (und ist zugegeben nicht mehr das schnellste), aber konnte von myMac in dieser Zeit problemlos serviciert und repariert werden > Flüssigkeit im Innenleben setzt die meisten Computer außer Gefecht und 4 Jahre Akkulaufzeit (bei täglichem Gebrauch) sind eigentlich o.k.

Die inzwischen auch bei Apple 'normale' Methode, sich immer stärker abzugrenzen (und mehr User-Daten zu sammeln), gefällt mir aber zunehmend nicht … vielleicht kann ich mich beim nächsten Notebook oder Smartphone doch zu einer Alternative entschliessen, selbst wenn sie in der selben Preisklasse liegt

Aber "you get what you pay" ist in vielen Fällen immer noch richtig – wobei man aber z.B. durch Beschränkung auf die wirklich benutzten Funktionen durchaus sparen kann

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