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Der Teflon-Skandal

Hintergründe zum Film "Vergiftete Wahrheit"

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PFOA (Bild: somchaiP, Carabus/Shutterstock.com, Montage: VKI)

Jahrzehnte lang wird das hochgiftige PFOA (Perfluoroctansäure) in den Ohio River geleitet und PFOA-haltige Schlämme in einer nicht abgedichteten Deponie entsorgt. Das Unternehmen dahinter: DuPont. Der Aufdecker dieses Vergiftungsskandals: Robert Billot. Nun wurde die Geschichte dahinter in „Dark Waters“ („Vergiftete Wahrheit“) verfilmt.

Der Film  "Vergiftete Wahrheit" ("Dark Waters")

David gegen Goliath: Robert Billot, ein unbekannter Wirtschaftsanwalt, legt sich 1998 mit DuPont, einem der weltweit größten Chemiekonzerne, an und deckt den sogenannten Teflon-Skandal auf. Das Unternehmen in Parkersburg (West Virginia) leitete jahrzehntelang das hochgiftige PFOA (Perfluoroctansäure) in den Ohio River und entsorgte PFOA-haltige Schlämme in einer nicht abgedichteten Deponie. Seit 1951 verwendete DuPont diese Chemikalie zur Erzeugung von Teflon; entwickelt und hergestellt wurde sie von der Firma 3M. In geheimen Studien der beiden Unternehmen mehrten sich seit 1961 die Hinweise über die bedrohlichen Eigenschaften von PFOA. Trotzdem wurde die fahrlässige Entsorgung dieses Schadstoffes in die Gewässer und Böden der Umgebung weitergeführt. 
Robert Billot bringt dieses dunkle Geheimnis zu Tage und reicht Klage gegen DuPont ein. Dabei riskiert er nicht nur seinen Job und seine Zukunft, sondern auch sein eigenes Leben, das seiner Ehefrau sowie seiner restlichen Familie.

Dokumentarfilme 

Auswirkungen der unkontrollierten Entsorgung des Schadstoffes PFOA

Die Folgen zeigten sich zuerst bei den Tieren in der Umgebung: Kühen, die in der Nähe weideten, stand der Schaum vor dem Maul. Sie starben an bösartigen Tumoren, ebenso viele Waldtiere. Kälber wurden mit Missbildungen geboren oder starben mit anormal verfärbten Eingeweiden. Inzwischen weiß man, dass PFOA auch beim Menschen eine ganze Reihe von Krankheiten auslösen kann, wie Nierenkrebs, Hodenkrebs, Schilddrüsenerkrankungen und hohe Cholesterinwerte. Zusätzlich zur krebserzeugenden Wirkung wirkt es auch giftig auf die Leber und gefährdet die Fortpflanzung.
Hinzu kommt, dass dieser Schadstoff praktisch unzerstörbar ist – er wird im Englischen auch als „forever chemical“ bezeichnet: PFOA wird in der Natur nicht abgebaut und reichert sich im biologischen Gewebe an. Zugleich ist es sehr mobil und daher weltweit allgegenwärtig. Diese Chemikalie ist heutzutage in Fischen, Meerestieren, Wildtieren, Milch und zahlreichen anderen Lebensmitteln zu finden und lässt sich auch in menschlichem Blut und Muttermilch nachweisen. Die globale Verteilung zeigt sich unter anderem darin, dass PFOA auch in der Leber von Eisbären gefunden wurde – um bis zu 4000-fach angereichert in Vergleich zur Konzentration in der Umwelt.

Teufel und Belzebuben

PFOA ist einer der prominentesten Vertreter der per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). PFAS umfassen etwa 4700 Substanzen (Quelle: Österr. Umweltbundesamt). Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften werden sie seit langer Zeit in vielen Industriebereichen und auch im Haushalt weit verbreitet eingesetzt. Sie sind Bestandteile von Regenmänteln, Schirmen, Outdoor-Kleidung und anderen fleck- und wasserabweisenden Materialien, sowie von vielen beschichteten Aufbewahrungsbehältern.
2013 stellte DuPont die Produktion und Nutzung von PFOA ein, alle anderen Fluorpolymerhersteller verpflichteten sich freiwillig, das bis 2015 ebenfalls zu tun.
Viele andere PFAS könnten jedoch genauso schädlich wie PFOA sein. Dazu gibt es bereits einige Nachweise und Studien und auch Bestrebungen der Gesetzgeber, diese Chemikalien streng zu regulieren.

Was machen die Behörden?

PFOA und andere PFAS wurden bereits vor einigen Jahren gemäß der Chemikaliengesetzgebung REACH als besonders besorgniserregende Chemikalien (SVHCs) identifiziert. Diese Chemikalien – zurzeit etwas mehr als 200 - sind Kandidaten für die verpflichtende Zulassung und weitere Beschränkungen.
Seit diesem Jahr (2020) gelten in der EU für PFOA und Substanzen, aus denen PFOA freigesetzt werden kann, endlich strenge Grenzwerte. Für einige Spezialanwendungen gibt es Ausnahmen bzw. längere Übergangsfristen.
PFOA zählt seit 2019 auch zu den problematischsten globalen Umweltschadstoffen, den sogenannten langlebigen organischen Schadstoffen (POPs = Persistent Organic Pollutants). Diese Stoffe haben alle eines gemeinsam: Sie sind schwer abbaubar, reichern sich in der Nahrungskette an und haben unerwünschte Wirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Daher hat sich im Mai 2001 die internationale Staatengemeinschaft im Stockholmer Übereinkommen darauf verständigt, POPs zu verbieten – dies geschieht meist mit Übergangsfristen, manchmal unter Einführung sehr niedriger Grenzwerte und oft auch mit Ausnahmen für bestimmte Anwendungen. Die Liste der POPs besteht zurzeit aus 30 Chemikalien.
In der Europäischen Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit (CSS) vom 14. Oktober 2020 ist ein möglichst umfassendes Verbot von PFAS als ein Ziel explizit genannt. Daher ist die Hoffnung wohl berechtigt, dass bald strenge Maßnahmen eingeführt werden.

Tipps für KonsumentInnen

Achten Sie bei Outdoor-Bekleidung darauf, dass sie „fluorfrei“ bzw. „PFC-frei“ imprägniert wurde.
Ein Vergleich von 8 2-Lagen Funktionsjacken ohne Fluor-Ausrüstung findet sich im Oktober-Heft des Konsument.

Die Innenbeschichtung von Einweggeschirr, Fast-Food-Verpackungen und Tiefkühlkartons kann PFAS enthalten.
Daher: Verwenden Sie auch aus diesem Grund statt Einwegbechern Ihren eigenen wiederbefüllbaren Mehrwegbecher, oder kaufen Sie Getränke zum Mitnehmen nur dort, wo es Mehrweg-Pfandbecher gibt.

Für besonders besorgniserregende Chemikalien, die sogenannten SVHCs, gilt eine Auskunftspflicht von Herstellern über ihren Gehalt in bestimmten Konsumprodukten. Um die Anfrage von KonsumentInnen zu erleichtern, wurde die App Scan4Chem entwickelt.
Nähere Informationen finden Sie dazu unter www.scan4chem.at.

Interessante Informationen sind auch in folgender Broschüre des deutschen Umweltbundesamtes zu finden: Schwerpunkt 1-2020: PFAS. Gekommen, um zu bleiben .

Weiterführende Links zu den Chemikalien

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2 Kommentare

Bild des Benutzers sstark

Mit Teflon beschichtete Pfannen können nur in Ausnahmefällen bzw. bei falschem Gebrauch Gesundheitsprobleme verursachen.

Vor dem ersten Gebrauch ist es sinnvoll, die Pfannen gründlich zu reinigen, auch um etwaige Reste an PFAS zu entfernen. Beachten Sie dazu die Hinweise der Hersteller.

Von Teilchen, die sich ablösen, geht keine Gefahr aus, weil sich aus dem Kunststoff der Ausgangsstoff PFOA bzw. seine Ersatzstoffe nicht herauslösen. 

Teflon-Pfannen sollten aber keinesfalls ohne Inhalt überhitzt werden - bei Temperaturen über ca. 360°C können giftige Dämpfe entstehen. Sobald sich Öl und/oder wasserhaltige Lebensmittel in der Pfanne befinden, werden diese Temperaturen  nicht erreicht - Öl beginnt weit früher zu verbrennen und rauchen, bei wasserhaltigen Lebensmitteln werden maximal Temperaturen von ein wenig über dem Siedepunkt von Wasser (100°C) erreicht.

DS

Ich habe viele Pfannen und Kochgeschirr, das mit Teflon beschichtet ist. Wie schädlich ist es, wenn man das Geschirr zu stark erhitzt, wenn man winzige Teile davon unbemerkt mitißt?

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