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Der Wert der Wahrheit
Eine nicht nur mediale Debatte – und was das mit Extrawurst zu tun hat

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Ich war bei den Österreichischen Journalismustagen, wo sich die Branche heuer mit dem Wert von Wahrheit in Zeiten von Fake News beschäftigt hat. Brauchen wir noch traditionelle Medien? Was sind uns ihre Informationen wert?

Früher lautete die Antwort auf die Frage, was Qualitätsjournalismus auszeichnet, ganz klar: Objektivität. Gleichzeitig ist kaum ein Begriff unter Journalisten seit Jahrzehnten so umstritten. Wer kann schon tatsächlich objektiv sein? Jede Themenauswahl, jede Frage in einem Interview, jede Formulierung eines Satzes ist schließlich ein subjektiver Akt, getätigt von einem Menschen.

Früher konnte man darauf erwidern, dass Journalisten eben darin ausgebildet sind, objektiv Bericht zu erstatten, Fakten objektiv wiederzugeben, Interviews objektiv zu führen, etc. Im digitalen Zeitalter, in dem jeder mit einem Blog, einer WordPress-Seite oder in den sozialen Medien Bürgerjournalismus betreiben kann, fällt die Antwort nicht mehr ganz so einfach aus.

So gesehen ist es kein Wunder, dass wir uns momentan mit "Fake News" und "alternativen Fakten" auseinandersetzen müssen. Die diesjährigen Österreichischen Journalismustage widmeten sich daher dem Thema: "Journalismus, Demokratie und Internet: Der Wert der Wahrheit".

Was hat das mit Konsumentenschutz zu tun?

Ganz plump gesagt: Wir konsumieren nicht nur Waren, sondern eben auch Information. Und basierend auf den Informationen, die wir bekommen, entscheiden wir, welche Waren wir konsumieren. Wofür wir also am Ende des Tages unser hart verdientes Geld ausgeben.

Die Medien gelten als die vierte Säule der Demokratie, sie sind die "Watchdogs", die auf Misstände in Politik und Gesellschaft hinweisen. Wenn wir das Vertrauen in dieses so wichtige Kontrollorgan verlieren, stehen wir ziemlich verloren da.

"The best obtainable version of the truth"

Für Carl Bernstein, Pulitzer-Preisträger und Urgestein des investigativen US-Journalismus, hat der Journalismus zwei zentrale Aufgaben:

  1. Er existiert für das Allgemeinwohl, er ist ein öffentliches Gut ("public good"). Seine Aufgabe ist es nicht, künstlich Kontroversen zu schüren und die Gesellschaft zu spalten.
  2. Er muss der Gesellschaft die beste verfügbare Version der Wahrheit zur Verfügung stellen.

Die beste verfügbare Version der Wahrheit – was bedeutet das? Dass ein Journalist diese Formulierung wählt, ist jedenfalls schon mal ehrlicher, als einfach zu behaupten, objektiv zu sein. Denn damit gesteht er ein, dass es absolute Objektivität eben nicht geben kann.

Allerdings – und das ist der springende Punkt – stellt er den Anspruch an sich selbst, der objektiven Wahrheit so nah wie möglich zu kommen. Er richtet sein gesamtes professionelles Streben danach aus. Das journalistische Handwerk gibt ihm dafür einige Werkzeuge an die Hand – von der eingehenden Recherche über die Befragung aller Parteien (nicht nur im politschen Sinn) und Quellen, die dem Otto Normalverbraucher nicht zugänglich sind, bis hin zum Verfassen eines verständlichen und umfassenden Textes.

Sind wir noch darauf angewiesen, die beste verfügbare Version der Wahrheit von traditionellen Medien serviert zu bekommen? Können wir sie uns nicht im Zeitalter des Internets selbst suchen? Darauf möchte ich mit einem aktuellen Fallbeispiel aus dem VKI antworten.

Der WERT der Wahrheit – wurscht?

Vor kurzem hat der VKI einen Extrawurst-Test durchgeführt. Die vollständigen Ergebnisse dieses Tests wurden, wie immer, im Magazin KONSUMENT veröffentlicht. Parallel gab es ein Posting auf Facebook, das allerdings nur darauf hinwies, dass manche Produkte beim Test durchgefallen sind. Daraufhin gab es große Aufregung bei unseren Followern und die Forderung, die Ergebnisse kostenlos zur Verfügung zu stellen, schließlich gehe es ja um wichtige Informationen für ihre Gesundheit.

Konsument Facebook : https://www.facebook.com/konsument.at/posts/1300566089981290

Extrawurst gehört nach wie vor zu den beliebtesten Wurstsorten von uns Österreichern. Die Hauptzutat herkömmlicher...

Posted by Konsument on Donnerstag, 27. April 2017

 

Zur Klarstellung: Die durchgefallenen Extrawurst-Produkte sind nicht gesundheitsgefährdend. Sie wurden von uns als verdorben und ungenießbar bewertet und zwar nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Produktrückrufe, wo Gesundheitsgefahr besteht, veröffentlichen wir immer kostenfrei (siehe auch Lebensmittel-Check).

Diese Diskussion verdeutlicht jedoch zwei zentrale Probleme der aktuellen Medienlandschaft:
Wir sind es gewohnt, dass Informationen im Internet gratis sind. Die Hemmschwelle, dafür zu zahlen, ist hoch. Die unabhängigen Tests des VKI kosten Ressourcen, sie verlangen Know-How, Zeit und Geld. Der KONSUMENT ist werbefrei, um seine Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit zu garantieren.

Daher sind wir auf die Abonnenten angewiesen, die bereit sind, für unsere Informationen und Inhalte zu zahlen. Ob das Print- oder Online-Abo für ein Jahr oder die Tageskarte – mit diesen Beiträgen wird sichergestellt, dass der VKI auch in Zukunft die beste verfügbare Version der Wahrheit liefern kann.

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