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Fußball-WM

Wo das Geld nicht zu Hause ist

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Ein Fußball-Großereignis wie die WM, die ab Donnerstag in Russland über die Bühne geht, ist immer auch eine Möglichkeit, der Öffentlichkeit vor Augen zu führen, welch´ traurige Schicksale sich hinter dem Milliarden-Spektakel mitunter verbergen.

Vorsicht, hier sind zwei fürs Phrasen-Schwein:

Fußball ist ein Spiel, das verbindet.

Und:

Auf dem Platz sind alle gleich.

Nun gut, so falsch sind diese Floskeln gar nicht mal. Fußball bietet sozial Benachteiligten tatsächlich wie kaum ein anderes Spiel die Möglichkeit, sich in den Fokus zu dribbeln. In der reinen Lehre ist es ein schönes Spiel. Durchaus. Aber es gibt so viele Aspekte des modernen Fußballs, die unfair, dreckig, ja verabscheuenswürdig sind. Der Sport verkommt zur Nebensache. Hauptsache, der Rubel rollt.

Das fängt ganz oben, bei den dunklen Machenschaften des Weltfußballverbandes FIFA an, geht über skandalös hohe Ablösesummen und Gehälter der Profikicker (inklusive intransparenter, zwielichtiger Verträge; siehe dazu Football Leaks) bis hin zu Wettskandalen und Steuerhinterziehung.

Ein Fußball-Großereignis wie die WM, die ab Donnerstag in Russland über die Bühne geht, ist immer auch eine Möglichkeit, der Weltöffentlichkeit vor Augen zu führen, welch´ traurige Schicksale sich hinter dem Milliarden-Spektakel  verbergen. Auch wir vom VKI haben diese Möglichkeit immer wieder zu nutzen versucht. Anlässlich der WM 2014 in Brasilien veröffentlichten wir beispielsweise einen Bericht über die Arbeitsbedingungen in der Fußballproduktion. Zwei Jahre später im Zuge der EM lenkten wir den Blick auf kambodschanische Textilfabriken, wo unter prekären Bedingungen u.a. Fußballtrikots hergestellt wurden und werden .

suedwind

Näherin hält Schild mit der Aufschrift hoch: \"Cristiano Ronaldo, du kennst mich nicht. Aber ich kenne dich. Ich habe dein Trikot genäht.\"

Das frustrierende ist, dass sich, trotz jahrelangem, jahrzehntelangem Engagement von NGOs für Arbeits- und Menschenrechte in den Entwicklungs- und Schwellenländern viel zu wenig verbessert hat. Wenn Arbeitsrechte in einem Produktions-Land zu massiv eingefordert werden, dann zieht der Globalisierungstross ganz einfach weiter. War es vor ca. 10-15 Jahren noch hauptsächlich China, werden Sportartikel mittlerweile auch in Indonesien, Vietnam oder Kambodscha hergestellt – dort sind die Bestrebungen, Arbeitsrechte voranzutreiben noch nicht so weit gediehen wie in China; und auch die Löhne sind niedriger.

Der aktuelle Bericht „Foul Play“ der Clean Clothes Kampagne zeigt Missstände einmal mehr auf: Vom Ladenpreis eines Paares Nike- oder Adidas-Schuhe entfallen aktuell rund 2,5 Prozent auf Lohnkosten. Lächerlich wenig, würde man meinen. 1995 bekamen die Fabrikarbeiter aber noch 4 Prozent vom Ladenpreis, ein Rückgang um mehr als ein Drittel.

Internationale Abkommen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen (80 Prozent der Beschäftigten des Sektors sind Frauen) sind bisweilen zahnlos oder nicht über den Greenwashing-Status hinausgekommen. 2011 unterschrieben die namhaften Sportartikelhersteller z.B. das „Freedom of Association Protocol” der Fair Play Alliance, um Arbeiterrechte zu fördern. In einem nächsten Schritt hätten Lohnsteigerungen umgesetzt werden sollen. Davon kann sechs Jahre später keine Rede sein. In Indonesien verdienen Arbeiterinnen zwischen 82 und 200 Euro im Monat. Viel zu wenig, um für sich und geschweige denn für ihre Familien sorgen zu können.

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Die deutsche Nationalelf freut sich über den WM-Titel - und über 50 Millionen Euro an Sponsorgeld pro Jahr von Adidas.

 

Stattdessen fließen Millionen in Sponsoringverträge. Das französische Team bekommt kolportierte 50 Millionen Euro jährlich von Nike überwiesen. Und das aktuelle Weltmeisterteam Deutschland? 2015 hat Sponsor Adidas noch verlauten lassen, die deutsche Nationalmannschaft „nicht um jeden Preis“ halten zu wollen. Nun gut, „jedes Preis“ ist es nicht geworden. Aber der Deutsche Fußballbund kassiert nun ebenfalls 50 Millionen Euro pro Jahr an Sponsorgeld, was eine Verdoppelung der bisherigen Summe darstellt.

Alternatives Public-Viewing

Keine Lust mehr auf Fußball? Vieles spricht eigentlich dafür, die WM zu boykottieren. Allein, ich werde es nicht durchhalten. Vielleicht schau ich da mal hin: Die Initiative „OUR GAME – Unser Spiel für Menschenrechte“ bietet alternative Public Viewings an, bei denen es rund um die Live-Übertragungen an vier Spieltagen auch Infostände, gesellschaftspolitische Kurzfilme und Diskussionen gibt.

 


 

Und damit ich den Überblick über die insgesamt 64 Spiele nicht verliere, hab ich mir schon den von Kollegin und Blog-Masterin Daniela Brindlmayer in liebevoller Handarbeit zusammengebauten...


WM-Planer 2018

 

...heruntergeladen und auf A3 ausgedruckt! yes

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2 Kommentare

wj

BIus

Bild des Benutzers dbrindlmayer

angel

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