VKI Blog Logo

Ja zum Nutri-Score!

Die gscheiteste Nährwertkennzeichnung derzeit

anrissbild_mit-nutri-score_770px.png

2 ähnliche Produkte, 2 unterschiedliche Nutri-Score-Werte (Bild: VKI)

Der Nutri-Score identifiziert Fett- und Zuckerbomben mit einer einfachen farblichen Codierung in Ampelfarben. Trotz Schwächen ist er meiner Meinung nach derzeit das einzig sinnvolle System für eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung.

Einen ausführlichen Bericht über den Nutri-Score findet ihr in der Jänner-Ausgabe des KONSUMENT. Kurz zusammengefasst handelt es sich um ein Nährwertbewertungssystem, das ihr auf der Vorderseite von verpackten Lebensmitteln findet. Für die Berechnung werden eine Reihe von positiven Nährstoffen wie Ballaststoffe oder ein hoher Obst- und Gemüseanteil sowie negative Nährstoffe wie Zucker und gesättigte Fettsäuren berücksichtigt. Das Ergebnis der Berechnung ist  eine fünfstufige Farbskala, die von Dunkelgrün (A = günstigste Nährstoffzusammensetzung) bis Rot (E = ungünstigste Nährstoffzusammensetzung) reicht.

So könnte der Nutri-Score auf Produktverpackungen aussehen

Ich habe willkürlich ein paar Beispiele aus dem Supermarkt eingekauft und den Nutri-Score berechnet. Anhand der Bilder sieht man schön die Unterschiede - die Lebensmittel für den täglichen Bedarf (A und B) und jene, die nur selten gegessen werden sollten (D und E).

Eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung ist aufgrund des massiven Übergewichtsproblems und der Fehlernährung (zu viel Fett, Salz, Zucker, zu wenige Ballaststoffe, Obst und Gemüse) in Österreich und der EU dringend notwendig. Laut Studien hilft der Nutri-Score bei der Auswahl gesünderer Lebensmittel und kann so einen Teil zur Lösung des Übergewichtsproblems beitragen. Interessant an einer Studie war, dass er besonders benachteiligten Verbrauchern hilft, eine gesündere Wahl zu treffen.

Schwächen des Nutri-Scores

Ja, der Nutri-Score hat auch Schwächen. Er vereinfacht möglicherweise zu stark, berücksichtigt wichtige Inhaltsstoffe wie Vitamine nicht, ebenso wenig wie Zusatzstoffe oder Süßungsmittel. Solange er freiwillig ist, wird ein Vergleich von allen Produkten nicht möglich sein. Trotzdem hat er sich in wissenschaftlichen Studien als das derzeit sinnvollste System herausgestellt. Der Nutri-Score ist verständlich und hilft Verbrauchern, eine gesündere Wahl zu treffen.

Für eine zügige und verpflichtende Einführung

Und gerade deshalb sollten wir jetzt keine Zeit mehr verlieren, sondern ihn zügig in der EU verpflichtend einführen. In einem zweiten Schritt kann man ihn von wissenschaftlicher Seite her evaluieren und verbessern. Aber jetzt ist einfach der Zeitpunkt gekommen, wo wir eine für Verbraucher verständliche Nährwertkennzeichnung brauchen!

Bitte unterschreiben!

Von mehreren europäischen Verbraucherorganisationen und der BEUC, unserer Vertretung auf europäischer Ebene, gibt es eine europäische Bürgerinitiative für die verpflichtende Einführung des Nutri-Scores auf EU-Ebene. Die Bürgerinitiative läuft bis 8.5.2020 und kann ganz einfach online unter Bekanntgabe von Reisepass- oder Personalausweisnummer, Name und Anschrift unterstützt werden. Erfolgreich ist eine europäische Bürgerinitiative immer dann, wenn sie von mindestens 1.000.000 EU-Bürgern unterstützt wird und wenn in sieben EU-Staaten eine Mindestanzahl an Unterzeichnern erreicht wird. Für Österreich liegt diese Schwelle bei 13.500 Unterschriften, derzeit gibt es erst 237 Unterstützer (Stand 8.1.2020). Frankreich, wo der Nutri-Score zuerst eingeführt wurde und von staatlicher Seite unterstützt wird, hat die Mindestanzahl an Unterstützungserklärungen bereits im Dezember 2019 erreicht.

Vereinfachte Nährwertkennzeichnung in anderen Ländern

Auch in anderen Ländern gibt es seit Jahren Initiativen für eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung. Das bekannteste europäische Beispiel ist die britische Ampel. In Südamerika gibt es Warnungen vor zuviel Zucker oder Salz, das bekannteste Beispiel kommt aus Chile. Sterne dagegen werden in Australien vergeben. Mit dem Health Star Rating (HSR) hat sich meine Kollegin intensiv auf ihrer Australienreise auseinandergesetzt und in dem Beitrag Sternebewertung für Lebensmittel darüber berichtet.

Kommentare erstellen

4 Kommentare

Bild des Benutzers bbeck

Langsam kommt etwas in Bewegung - Pressemeldung von heute, 20. Mai 2020:

Um Verbrauchern die Wahl im Supermarkt zu erleichtern, will die EU-Kommission ein verpflichtend Nährwertlogo für Lebensmittel vorschlagen. Man wolle die Menschen dazu befähigen, eine gesunde und nachhaltige Wahl zu treffen, heißt es im Entwurf einer Strategie für nachhaltige Lebensmittel, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Bild des Benutzers bbeck

Liebe Frau Schweiger,

ich denke, das Entscheidende ist, dass man das Image Fruchtsaft = gesund weg bekommt. Saft ist halt kein Getränk für täglich oder eine gesunde Schuljause für jeden Tag, so wie es uns die Werbung vermittelt.

Gerade Großmütter haben in ihrer Kindheit nicht täglich Saft getrunken, auch in meiner Kindheit gab es Saft nur zu besonderen Anlässen - das war einfach zu teuer bzw. auch etwas Besonderes. Und dort sollten wir wieder hin, denn gerade der Fruchtzucker im Saft kann bei übermäßigen Konsum Übergewicht fördern. Getrunkene Kalorien verursachen keine Sättigung und so konsumieren Kinder mit 1 Liter gespritzten Apfelsaft 300 kcal so nebenbei (bei einem ca. Bedarf von 2.000 kcal für ein Volksschulkind). 1 Liter gespritzter Saft enthält rund 67 g Zucker - laut WHO sollten es bei 2.000 kcal maximal 50 g Zucker, idealerweise 25 g Zucker, pro Tag sein.

Das Getränk für täglich ist schlicht und einfach Wasser. Und am Wochenende darfs auch gerne einmal ein Glas verdünnter Saft sein. Und wenn der Nutriscore dieses Bewusstsein fördern kann, bin ich als Ernährungswissenschafterin völlig zufrieden smiley

 

BS

Zum Artikel "Kindersicher mit dem Ampelcheck" im Konsument 1/2020 kann ich nur sagen: ratlose Großmutter hat nun gar keinen Durchblick mehr: warum sollen Kinder nicht auch mal ein wenig Apfelsaft ohne Zuckerzusatz trinken? Warum soll Höllinger Vitamin-Apfel mit dem Nutriscore D eingestuft sein?  Ganz so einfach sollte man es sich  nicht machen denn so wird man als Verbraucher ganz verunsichert, da wäre es schon auch interessant, warum ein Urteil so ausfällt! Denn wenn man dann aus lauter "Vorsicht" und "Ernährungsbewußtsein" nur mehr Sachen mit Nutriscore A kauft (und auf das läuft doch die Lehre daraus hinaus), entgehen einem vielfältige und auch gesunde Sachen. Vielmehr sollten die Verbraucher lernen, alles im richtigen Maß zu konsumieren und wirklich fette und süße Dinge zu reduzieren bzw. vermeiden.

Bild des Benutzers bbeck

Am 22. Jänner 2020 kündigte Kellogg´s Frankreich an, dass sie auf den Cerealien zukünftig den Nutri-Score verwenden wollen.

Blog-Abonnement

Ich möchte bei neuen Blog-Beiträgen eine E-Mail-Benachrichtigung erhalten.
Informationen zum Datenschutz:

Die von Ihnen bekanntgegebenen Daten werden vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) zum Zweck der Blog-Benachrichtigungen verarbeitet. Detaillierte Informationen zu Ihren Rechten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.