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Nature Box von Schwarzkopf

Wie viel Natur steckt drin?

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Nature Box Produktauswahl, Bild: B.Schiller, VKI

„Nature Box“ heißt eine neue Wasch- und Pflegelinie – nur wie natürlich sind die Inhaltsstoffe tatsächlich? Ich habe mir von fünf Produkten die Inhaltsstoffe angesehen und den Hersteller zu einer Stellungnahme gebeten.

Seit Juli 2018 gibt es eine neue „natürliche“ Pflegeserie für Haar und Haut in unseren Drogerien. Nature Box nennt sich die Linie hinter der bei genauem Hinsehen eigentlich die für weniger natürliche Produkte bekannte Marke Schwarzkopf (also Henkel) steckt. Beworben wird die Linie vor allem mit den enthaltenen pflanzlichen Ölen – auf den Werbeplakaten ergießen sich dicke Strahlen bunt eingefärbter Flüssigkeiten aus Avocado, Marille, Mandelkern und Kokosnuss direkt in die Shampoo Flasche oder den Cremetiegel. Warum auch immer – in den Produkten sind weder künstliche Farbstoffe noch hohe Mengen der beworbenen Öle.

Generell nimmt es die neu kreierte Marke von Schwarzkopf mit den Claims (Werbeaussagen) nicht ganz so genau. „Nature Box gibt das Beste der Natur“ und „Unsere Mission ist es, positive Schwingungen rund um den Globus zu verbreiten, indem wir speziell ausgesuchte natürliche Inhaltsstoffe und vegane Formeln verwenden.“ heißt es zum Beispiel auf der Website der Marke. Welche Schwingungen wohl von den synthetischen und erdölbasierten Inhaltsstoffen der Produkte ausgehen?

Wo sich die Natur versteckt

Bei der Angabe wie viel Prozent des Produkts natürlichen Ursprungs sind, wird Wasser mitgerechnet. Die Frage wie viel Wasser in den Produkten steckt, beantwortet Henkel nicht. Es sei dies das „marktübliche“ Äquivalent. Aus „wettbewerbsrechtlichen Gründen“ bekomme ich generell keine Antwort auf die anteilsmäßige Zusammensetzung der Produkte. Da mich aber trotzdem interessiert wie viel Natur in den Produkten steckt, trockne ich kurzerhand die Produkte und berechne den Wasseranteil selbst. Meine Ergebnisse finden sich bei der Beschreibung des jeweiligen Produkts.

Nature Box trocknen

Nature Box trocknen, Bild: B. Schiller, VKI

Produkt: Shampoo mit kaltgepresstem Kokosnussöl

Nature Box Shampoo Kokos

Nature Box Shampoo Kokos, Bild: B. Schiller, VKI

INCIs: Aqua (Water, Eau), Sodium C14 - 16 Olefin Sulfonate, Cocamidopropyl Betaine, Sodium Methyl Cocoyl Taurate, PEG - 120 Methyl Glucose Dioleate, Sodium Chloride, Cocos Nucifera (Coconut) Oil, Guar Hydroxypropyltrimonium Chloride, Panthenol, Parfum (Fragrance), Citric Acid, Sodium Benzoate, PEG - 40 Hydrogenated Castor Oil, PEG - 7 Glyceryl Cocoate, Coconut Acid, Propylene Glycol

Das Shampoo enthält fast 80 % Wasser. Laut Etikett enthält es 84 % natürliche Inhaltsstoffe (inklusive Wasser). Somit sind ohne Wasser nur mehr ca. 4-5 % natürliche Stoffe enthalten. Nach dem Wasser ist Sodium C14 – 16 Olefin Sulfonate – eine Sulfonat-Tensid Mischung, der mengenmäßig nächste Inhaltsstoff. Dieser Stoffwurden aus Erdöl synthetisiert. Ob Erdöl als Naturstoff durchgeht oder nicht, ist wohl eine Glaubensfrage. Kaya-Line Knust, die Geschäftsführerin einer Naturkosmetikmarke, vertritt in einem Interview mit der Zeitschrift Glamour übrigens die Meinung, dass in Sachen Hautverträglichkeit kein Unterschied zwischen Sulfat- und Sulfonat-Tensiden besteht. […] „ Sulfonate, die in Sachen Hautverträglichkeit allerdings identisch mit den Sulfaten sind.“ [...]

Die diversen enthaltenen PEGs (Polyethlyenglykole), welche emulgierend wirken und dabei auch die Durchlässigkeit der Hautbarriere erhöhen, sind an natürlich vorkommende Stoffe gekoppelt. Zu Naturstoffen werden diese synthetisch hergestellten Moleküle in meinen Augen aber dadurch nicht. Die tatsächliche Menge „Natur“ in der Shampoo-Flasche ist also verschwindend gering.

 

Produkt: Duschgel mit kaltgepresstem Aprikosenöl

Nature Box Shampoo Kokos

Nature Box Shampoo Kokos, Bild: B. Schiller, VKI

INCIs:Aqua (Water, Eau), Sodium Laureth Sulfate, Cocamidopropyl Betaine, Sodium Chloride, Glycerin, Prunus Armeniaca (Apricot) Kernel Oil, Cocos Nucifera (Coconut) Oil, Guar Hydroxypropyltrimonium Chloride, Parfum (Fragrance), Coco - Glucoside, PEG - 7 Glyceryl Cocoate, PEG - 40 Hydrogenated Castor Oil, PEG - 60 Hydrogenated Castor Oil, PEG - 120 Methyl Glucose Dioleate, Caprylyl / Capryl Glucoside, Citric Acid, Geraniol, Sodium Benzoate

Das Duschgel enthält fast 84 % Wasser, laut Etikett enthält es 91 % natürliche Inhaltsstoffe (inklusive Wasser). Ohne Wasser sind somit nur mehr ca. 7 % natürliche Stoffe enthalten. Das Duschgel enthält neben Wasser am zweithäufigsten Sulfat-Tenside. Was ich hier spannend finde: Beim oben beschriebenen Shampoo wirbt Schwarzkopf damit, dass eben genau diese Art von Tensiden nicht enthalten sind. Im Shampoo sind sie Pfui, ins Duschgel dürfen sie aber rein… Auch hier sind die PEGs gekoppelt an natürliche Inhaltsstoffe. Sehr viel Raum für „echte“ Natur bleibt auch in dieser Flasche nicht mehr.

 

 

Produkt: Körperpeeling mit kaltgepresstem Avocado-Öl

Nature Box Peeling Avocado

Nature Box Peeling Avocado, Bild: B. Schiller, VKI

INCIs: Aqua (Water, Eau), Sodium Laureth Sulfate, Cocamidopropyl Betaine, Acrylates Copolymer, Parfum (Fragrance), Cocos Nucifera (Coconut) Oil, Persea Gratissima (Avocado) Oil, Prunus Armeniaca (Apricot) Seed Powder, Sodium Chloride, PEG - 7 Glyceryl Cocoate, PEG - 40 Hydrogenated Castor Oil, PEG - 60 Hydrogenated Castor Oil, PEG - 120 Methyl Glucose Dioleate, Sodium Hydroxide, Benzophenone - 4, Citric Acid, Sodium Benzoate, Sodium Salicylate

Das Peeling enthält fast 81 % Wasser, laut Etikett enthält es 89 % natürliche Inhaltsstoffe (inklusive Wasser). Somit sind nur mehr ca. 8 % natürliche Stoffe ohne dem Wasser enthalten. Genauso wie das Duschgel findet sich hier SLS als Sulfat Tensid und auch die PEGs sind wieder gekoppelt an natürliche Inhaltsstoffe. Das Produkt enthält mehr lösliche synthetische Polymere als Öle oder Marillenkern-Peelingpartikel und auch mehr Kokosöl als Avocaodoöl. Das Produkt enthält den synthetischen UV-Schutz Benzophenone – 4, das ist laut Hersteller Henkel nötig, um die Gel-Konsistenz zu schützen. Auf den Punkt gebracht: es finden sich auch hier mehr synthetische Inhaltsstoffe auf der INCI-Liste als reine Naturstoffe.

 

Produkt: Insta Lift-Up Spray mit kaltgepresstem Mandelöl

Nature Box Spray Mandelöl

Nature Box Spray Mandelöl, Bild: B. Schiller

INCIs: Aqua (Water, Eau), Alcohol Denat., VP / VA Copolymer, Prunus Amygdalus Dulcis (Sweet Almond) Oil, Panthenol, Parfum (Fragrance), Cetrimonium Chloride, Citric Acid, Lactic Acid

Das Spray enthält insgesamt fast 93 % Wasser und Alkohol. Trennen kann ich diese 2 Inhaltsstoffe nicht, denn beim Trocknen verdunstet beides gemeinsam. Laut Etikett enthält das Spray 94 % natürliche Inhaltsstoffe. Ob da der Alkohol schon eingerechnet ist, kann ich leider nicht sagen. Was sich sagen lässt ist allerdings, dass es sich bei dem Produkt eigentlich um ein klassisches Haarspray bestehend aus mehrheitlich Wasser, Alkohol und dem synthetischen löslichen Polymer VP / VA Copolymer handelt. Was es mit diesen Polymeren auf sich hat, kann man auch in unserem Test von Haargelen, veröffentlicht im KONSUMENT 11/2018, nachlesen. In echter Naturkosmetik sind diese Polymere jedenfalls Tabu.

In einem Haarspray, das einen so hohen Anteil an Alkohol enthält, dass es das Gefahrenpiktogramm „leicht entzündlich“ trägt, sind weitere Konservierungsstoffe wohl unnötig. Dass das Produkt dann mit „frei von Parabenen“ beworben wird, kann wohl nur als Effekthascherei gesehen werden.

 

 

Produkt:Körperbutter mit kaltgepresstem Avocadoöl

Nature Box Körperbutter Avocado

Nature Box Körperbutter Avocado, Bild: B. Schiller, VKI

INCIs: Aqua (Water, Eau), Behenyl Alcohol, Ethylhexyl Palmitate, Helianthus Annuus (Sunflower) Seed Oil, Cetearyl Alcohol, Glycerin, Cocos Nucifera (Coconut) Oil, Butyrospermum Parkii (Shea) Butter, Theobroma Cacao (Cocoa) Seed Butter, Hexanediol, Persea Gratissima (Avocado) Oil, Tocopherol, Parfum (Fragrance), Sodium Carbomer, Sodium Stearoyl Lactylate, Hydrogenated Palm Glycerides Citrate, Xanthan Gum, Phenoxyethanol, Hydroxyacetophenone

Die Körperbutter enthält ca. 78 % Wasser, laut Etikett enthält es 95 % natürliche Inhaltsstoffe (inklusive Wasser). Die Körperbutter besteht also aus 17 % natürlichen Stoffen ohne dem Wasser. Das ist schon mal eine erfreuliche Zahl. Die Körperbutter besteht zum Großteil aus Wasser und Derivaten der Palmitinsäure. Weitere verwendete Öle kommen aus Sonnenblumen und Kokosnuss, wobei das Sonnenblumenöl laut Hersteller nicht kaltgepresst ist. Trotzdem ist auf dem Tiegel das kleine „mit 100% kaltgepresstem Öl“ Emblem aufgedruckt. So genau nimmt Henkel es also mit dieser Angabe auch nicht. Nach Glycerin, Sheabutter und Kakaobutter findet sich noch ein synthetisches Lösungsmittel in der INCI Liste und dann endlich das Namensgebende Avocadoöl. Zu guter Letzt enthält das Produkt noch ein synthetisches Konservierungsmittel und ein synthetisches Antioxidantium. Auch wenn hier natürliche Öle und Pflanzenbutter verwendet wurden, Naturkosmetik ist auch dieses Produkt nicht.  

Mein Gesamteindruck - Greenwashing vom Feinsten

Bei den Produkten von Nature Box fehlt die einheitliche „Linie“ was in die Produkte rein darf und was nicht. Das Shampoo wirbt damit „ohne Sulfat Tenside“ auszukommen, genau diese finden sich aber im Duschgel und im Peeling wieder. Jedes Produkt trägt groß den Hinweis „mit 100% kaltgepresstem Öl“ – das stimmt aber auch nicht bei allen Produkten.

Die Produkte enthalten keine künstlichen Farbstoffe, sehr wohl aber künstliche Duftstoffe. Warum geht der Henkel-Konzern hier nur den halben Weg?

Rechnet man das Wasser weg, bleibt je nach Produkt nicht mehr viel Natürlichkeit über. Das mag so üblich sein. Den Konsumenten vorgaukeln es handle sich hier um Produkte die „Natur pur“ enthalten finde ich aber nicht OK.

Wie seht ihr das – ist es in Ordnung klassische Kosmetik mit Natürlichkeit zu bewerben?

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1 Kommentare

LH

Ein Danke und höchstes Lob für die Idealisten und Stellen, die solche Mühen auf sich nehmen und mit ihren Analysen dem Konsumenten die Augen öffnen. Hoffentlich bleiben sie nicht auf ewig die einsamen Rufer in der Wüste.sad

Leider ist es die traurige Wahrheit, dass die Werbe - und Verkaufspraktiken, vorwiegend großer Marken, dem Konsumenten einen Produktinhalt vortäuschen, der nicht der Realität entspricht. Unterschiedliche Packungsgrößen und Gewichtsanteile, zum Teil fast unleserliche oder falsche Inhaltsangaben, alles wird toleriert.
Geschäftserträge steigern auf Kosten der Ehrlichkeit, die jedoch vom gutgläubigen Konsumenten erwartet wird. Es scheint, dass weder die Politik noch die großsprechenden Organisationen gewillt sind, ihr Volk vor solchen Lügenpraktiken zu bewahren. Auf Kosten der Konsumenten wird bei Unternehmen vermutlich alles erlaubt, wenn es nur zur Gewinnsteigerung beiträgt. Eine ganze Heerschar von Lobbyisten ist für diese Machenschaften tätig.

Global Player (z.B. Amazon, GMX etc.) negieren selbst die Neue Datenschutzverordnung. Man kann nicht einmal die unerwünschten Webemails abstellen oder unterbinden lassen.

 

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