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Kürbiskuchen

Herbstzeit ist Kürbiszeit!

Kürbiskuchen (Bild: Verena Madlberger-Kleinschmid)

Kürbiskuchen (Bild: Verena Madlberger-Kleinschmid)

"Was macht ein Gmias im Kuchen?" fragt der Angetraute skeptisch und lugt mir beim Kuchenbacken über die Schulter. Wenn der wüsste, denn Kürbis im Kuchen macht sich prächtig. Vor allem mit feinen Gewürzen, wie Vanille, Zimt, Muskat, Piment und Zitrone und außen knusprigem Mürbteig.

Liebevoll zubereitetes Kürbisrahmgemüse war für mich in meiner Kindheit ein bisschen wie die Krot, die ich schlucken musste, damit die Mutter endlich die Nachspeise rausrückte. Meine Mutter war nämlich der strikten Überzeugung, dass Vitamine in jedem Essen enthalten sein mussten und setzte dieses Prinzip kämpferisch auch durch. Zuerst die Pflicht, dann das Vergnügen lautete quasi ihre Devise. Hieß für mich beim Kürbisgemüse: Schnell aufessen, damit die Süßspeis´ endlich verputzt werden konnte. Meine Mutter glaubte tatsächlich, ich hätte das Kürbisrahmgemüse so schnell verdrückt, weil es dem Kind besonders munde und wollte gar noch eine Portion auf den Teller häufen, tatsächlich hatte ich nur die Nachspeis´ im Kopf. Wobei gesagt werden muss: Ein hagliches Kind war ich nicht, ich würde eher sagen, ich war zielgerichtet. In meinem Fall eben Nachspeis´-orientiert, immer das Wesentliche vor den Augen.

Um bittere Kohlsprossen mach´ ich heute noch einen Bogen. Um Kürbis nicht. In diesem Fall hat sich der Geschmackssinn gewandelt. Ich gehöre heute eindeutig zu den Kürbisliebhabern und kann von Kürbis im Herbst nicht genug bekommen. Entsprechend geprägt ist dieser Beitrag von meiner Kürbisphilie, quasi meine persönliche Ode an den Kürbis. Obwohl man gestehen muss: Ein bisschen inflationär kommt der Kürbis ja schon daher in der heimischen Kulinarik. Ganze Wochen werden den Beeren (ja, ihr habt richtig gelesen, Kürbisse sind tatsächlich Beeren) im Wirtshaus inzwischen gewidmet.

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Kürbiskuchen (Bild: Verena Madlberger-Kleinschmid)

Kulinarischer Allrounder

Neben der eher mäßig originellen Suppe – manchmal verfeinert mit Karotten, Ingwer, Kokos oder auch Curry, damit sie eben nicht mehr gar so mäßig originell ist – erobert der Kürbis mittlerweile jeden Menügang und damit das Herz des Feinspitz im Sturm. Während man vor anderen saisonalen Köstlichkeiten, wie Schwammerl, Spargel, Bärlauch oder Ganserl zumindest beim Dessert gefeit ist, werden aus dem Kürbis gar überaus köstliche Süßspeisen zubereitet. Kürbisse sind eben nicht nur rund und g´sund (Kürbisse liefern wertvolle Vitamine und Mineralstoffe und sind zudem kalorienarm) sondern auch echte kulinarische Allrounder.

Nicht nur zu Halloween gut!

Vor allem in den USA ist hinlänglich bekannt, dass man mit Kürbissen mehr fertigen kann, als nur schaurig-schöne Fratzen zu Halloween schnitzen oder sonstige herbstliche Dekorationen. Pumpkin Pie ist eine traditionelle Köstlichkeit zu DEM amerikanischen Feiertag schlecht hin: Thanksgiving. Nebst Truthahn mit Cranberry-Sauce stellen die Köchinnen des Festessens auch einen hübsch verzierten Pumpkin Pie auf den Tisch. Was in den USA cool Pumpkin Pie heißt,  nennt sich hierzulande schnöde Kürbiskuchen. Aber wer ähnlich skeptisch ist, wie eben mein Angetrauter („Was macht a Gmias im süßen Kuchen?“) dem sei gesagt, der Kürbis im Kuchen schmeckt köstlich. Vor allem mit den feinen Gewürzen. Erinnert ein bisschen nach Weihnachten. Und außerdem stillt das „Gmias“ im Kuchen das schlechte Gewissen, wenn augenscheinlich statt gesundem Gemüse süßer Kuchen verspeist wird. Der Kürbiskuchen ist aber two in one: Gemüse UND Kuchen, Vitamine UND Zucker, Geschmack UND einfach zu machen. Überzeugt hat´s letzlich auch den Herrn Gemahl. Ruck, zuck war der Teller mit den Kürbiskuchen-Stücken aufgegessen.


Muss ich mehr erzählen? Dann nichts wie ran an den Ofen. Das passende Rezept findet ihr im Anschluss.

Übrigens: Neu ist unsere Kürbisliebe nicht. Kürbis gilt als eine der ältesten Nutzpflanzen. Schon vor 10.000 Jahren wurde das Gemüse in Mexiko und Nordamerika kultiviert. Halloween gab es damals freilich noch nicht.

Kürbiskuchen-Rezept

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Zutaten für den Kürbiskuchen (Bild: Verena Madlberger-Kleinschmid)

Zutaten für den Mürbteig:

  • 125 g kalte Butter in Würfel geschnitten
  • 250 g glattes Weizenmehl
  • Etwas Zitronenabrieb
  • 1 Ei
  • Eine Prise Salz
  • Alternativ: gekaufter Mürbteig

Zutaten für die Füllung:

  • 800 g Kürbis (zB. Hokkaido-Kürbis, bei dieser Sorte lässt sich die Schale mitverarbeiten, das gibt eine schöne, orange Farbe)
  • 200 g braunen Zucker; alternativ: Kristall- oder Staubzucker
  • 250 g Doppelrahmfrischkäse oder fetten Topfen
  • 4 Eier
  • 1 daumennagelgroßes Stück frischen Ingwer
  • 1,5 TL gemahlenen Zimt
  • 2 Pimentkörner
  • 2 Nelken
  • Eine Prise Salz
  • 1 Packerl Vanillezucker
  • Etwas Zitronenabrieb
  • Bei Bedarf: ein Schuss Obers

Wer ein Topping mag:

  • 1/8 Schlagobers
  • Gemahlenen Zimt

Zubereitung:

Das Backrohr auf 180 Grad vorheizen. Den Kürbis in gleichgroße Würfel schneiden und im Backrohr rund 15-20 Minuten weich backen lassen. Etwas auskühlen lassen und pürieren. Sollten die Kürbisstücke zu fest zum Pürieren sein, kann man einen Schuss Obers dazugeben. Das Püree durch ein Sieb streichen und gut auskühlen lassen, am besten über Nacht.

Für den Teig alle Zutaten rasch zu einem geschmeidigen Teig kneten. In einer Frischhaltefolie etwa 30-45 Minuten kalt stellen. Den Teig etwa einen halben Zentimeter dick ausrollen und in eine ausgebutterte und bemehlte Tarte- oder Springform drücken. Nochmals rund 10 Minuten kalt stellen. Das Backrohr auf 170 Grad vorheizen und den Teig rund 10 Minuten „blindbacken“.

Wer lieber auf fertigen Mürbteig zurückgreifen möchte: Den Teig in die Form legen und vorsichtig andrücken. Kühl stellen.

Das Püree mit dem Frischkäse gut vermischen. Nach und nach die Eier dazuschlagen und cremig rühren. Den Zucker durch ein Sieb zur Kürbismasse sieben. Den Ingwer fein reiben und gemeinsam mit dem Vanillezucker und dem Zitronenabrieb zur Masse geben. Die Nelken und die Pimentkörner in einem Mörser feinreiben und ebenfalls untermischen.

Die cremige Füllung in den blindgebackenen Mürbteig bzw. in den fertigen kalt gestellten Mürbteig gießen und bei 170 Grad rund 70-75 Minuten backen.

Wer ein Topping am Kuchen mag: Schlagobers steif schlagen und mit Zimt würzen.


Wer jetzt sehen möchte, wie dieser Kürbiskuchen Schritt für Schritt entsteht, der drücke nun auf "play". smiley

Kürbiskuchen

Habt ihr auch schon einmal Kürbiskuchen ausprobiert? Wie fandet ihr ihn? Hinterlasst mir gerne Kommentare.

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3 Kommentare

HH

Habe den Kürbiskuchen gebacken (den Mürbteig natürlich nicht fertig gekauft :) und fand ihn sehr gut und vor allem die Fülle interessant gewürzt. Allerdings ist die Sache doch recht aufwendig und für mich schon hart an der Grenze dessen, was ich nach der Arbeit noch schaffe. Aber ich konnte es ja auf zwei Tage aufteilen. 

Bild des Benutzers vkleinschmid

Liebe Frau Raunigg,

vielen lieben Dank für Ihr nettes Feedback smiley Das freut mich sehr!

Schöne Herbstzeit wünsche ich Ihnen!

Herzliche Grüße,

Verena Madlberger-Kleinschmid

HR

Liebe Fr.Verena!

Danke für diese überaus wunderbare Schmunzelgeschichte zur Schmunzelmonsterzeit (Halloween)!!!! Weiter so:-)yesdevilheart

Freundliche Grüße Heidi

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