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Roller-Sharing in Wien

Die 4 Anbieter im Vergleich

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Rollerfahren in der Stadt (Bild: Ekatarina Iatcenko/Shutterstock.com)

Nicht nur Car-Sharing-Anbieter prägen mit ihren gebrandeten Fahrzeugen Wiens Straßenbild immer stärker, auch Roller-Teilen ist im Kommen. Auf den Straßen der Hauptstadt tummeln sich inzwischen rund 400 Roller von vier verschiedenen Sharing-Anbietern. Dickes Plus: Mehr als die Hälfte der motorisierten Zweiräder sind elektrisch betrieben.
Ein Anbietervergleich inklusive Praxistest.

Aufgefallen sind sie mir ja schon länger, die mit Anbieter-Logos bepickten Roller zur Kurzmiete. Aber als dann der ÖAMTC Ende August sein eigenes Roller-Sharing-Angebot präsentiert hat, war mein Interesse endgültig geweckt:

Wie funktioniert das? Was können die Roller? Und wieviel kostet der Spaß?

Genau diesen Fragen bin ich in einem Praxistest der vier Anbieter nachgegangen.

 

Vorweg:

  • Das Roller-Teilen funktioniert bei allen Anbietern nach dem Free-Floating-Prinzip. Es gibt also keine fixen (Rückgabe-) Stationen, sondern die Roller können in einem festgelegten Gebiet auf öffentlichen Parkplätzen ganz flexibel abgestellt werden. Wer einen fahrbaren Untersatz braucht, sucht danach via App, reserviert und startet die Miete, sobald er vor dem Roller steht.
     
  • Das Geschäfts-/Servicegebiet ist bei allen Anbietern sehr ähnlich und umfasst im Wesentlichen die Wiener Innenbezirke - was doch recht dürftig ist. Auf Anfrage versichern eigentlich alle Anbieter, dass sie an der Erweiterung des Geschäftsgebietes und der Flotte arbeiten. Es hänge aber von der Nachfragesituation ab, ob und wann es konkret umgesetzt werde.
     
  • Die Roller haben allesamt Automatikgetriebe, sind also auch für jene Nutzer geeignet, die ein Schaltgetriebe nicht bedienen können.
     
  • TIPP! Vor der ersten Fahrt die FAQs zum Anmeldesystem und der Inbetriebnahme der Roller durchlesen. Es gibt kleine, aber feine Unterschiede.

 

Fazit:

Bevor ich die einzelnen Anbieter vorstelle und meine Erfahrungen mit Anmeldeprozedere und jeweils zwei Testfahrten schildere, gleich vorweg mein allgemeines Fazit:

 

yes Roller-Sharing ist für den Mobilitätsmix in Wien eine absolute Bereicherung. Die Kosten sind niedriger als bei Car-Sharing, man kommt schnell von A nach B - wenn mit E-Scooter unterwegs auch noch leise und umweltschonend - und Parkplatzmangel gibts obendrein keinen.

 

no Das größte Manko ist die fußläufige Verfügbarkeit der Roller. Wer nur eine App installiert hat, wird wenig Freude haben. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass in der näheren Umgebung ein Roller steht, ist verschwindend gering.

Lösung: Alle vier Apps installieren – was freilich hinsichtlich des Registrierungsaufwands mühsam ist. Zumindest in der alltäglichen Nutzungs-Praxis gibt’s aber Erleichterung von sogenannten Mobilitätsaggregatoren: Die App Wegfinder bildet die Standorte von Rollern der Anbieter Go Urban, Sco2t und Mo2drive ab (Easy Way ist leider nicht dabei). Gebucht werden muss aber via App des jeweiligen Anbieters. Eine inkludierte Buchungsfunktion gibt’s bei Free2Move  – allerdings nur für Sco2t und Mo2drive.

 

ÖAMTC Easy Way

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Roller von Easy Way (Bild: VKI)

 

Allgemeines:

Laut Angabe des Anbieters 150 E-Scooter. Die größte Flotte in Wien, das merkt man. Verfügbarkeit im Vergleich recht gut.

Fahren auch zu zweit erlaubt yes

 

Anmeldung:

Keine Anmeldegebühr yes

Moped- oder B-Führerscheins und Kreditkarte erforderlich.

App runterladen/Registrierung: keine Probleme mit der Identifizierung (Fotos von Führerschein und Selfie vom Fahrer); Freischaltung innerhalb von 30 Minuten.

 

Kosten:  

30 Minuten Flatrate um 4€ yes Man hudelt, wie sich im Praxistest zeigt, dadurch tatsächlich weniger und kann die Fahrt entspannter angehen.

Jede weitere Minute kostet 10 Cent.

 

Versicherung:

Info laut Homepage: „Unsere Flotte ist natürlich versichert. Bei eigenverschuldeten Schäden verrechnen wir dir nach Aufwand bzw. den Selbstbehalt (ausgenommen Mutwilliger Beschädigung bzw. Verstoß gegen unsere AGB).“ Laut Preisliste Beträgt der Selbstbehalt bei Kaskoschäden (Eigenverschulden) 400€.

 

App:

Bedienung ist schlüssig und intuitiv. Keine Probleme. Läuft stabil.

 

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Pluspunkt: Handyhalterung vorhanden (Bild: VKI)

Praxistest:

Reservierung 15 Minuten möglich.

Handyhalterung vorhanden yes

Reserviertes Motorrad kann nur mit aktivierten Google-Standortermittlung angemietet werden, sonst erkennt die App den Standort des Mieters nicht, auch wenn er direkt vor dem Bike steht no

Anruf bei Serviceline: Sofort abgehoben; freundlich und kompetent yes

Motorräder wirken robust, fahren sich gut. Beschleunigung ansprechend (E-Bike eben!). Riegelt bei rund 50km/h ab. Bremsen gut. Helme hochwertig (Einweghauben vorhanden). Abstellen über den Hauptständer doch recht mühsam und kraftaufwändig, weil so ein Scooter eben sein Gewicht hat (kein Seitenständer).

 

Go Urban

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Roller von Go Urban (Bild: VKI)

 

Allgemeines:

Laut Angabe des Anbieters derzeit 50 E-Roller. Das ist eindeutig zu wenig. Nur selten ein verfügbares Gefährt in der Nähe no

Fahren mit Beifahrer verboten no

 

Anmeldung:

Keine Anmeldegebühr yes

Leichte Probleme mit der Identifizierung. Fotos von Führerschein und Selfie vom Fahrer/Halter musste wiederholt werden. Freischaltung innerhalb von 30 Minuten.

 

Kosten:  

Fahren: 0,21€/Minute

Parken: 0,12€/Minute

Tagesmaximum: 20€

Auch vergünstigte Minuten-Pakete buchbar.

 

Versicherung:

Info laut Homepage: „goUrban e-Mopeds sind mit einer Kfz-Haftpflichtversicherung im gesetzlichen Umfang nach österreichischem Recht versichert. Im Falle eines von KundInnen verursachten Schaden gegenüber Dritten oder am e-Moped von goUrban wird für die Abwicklung und Reparatur ein Selbstbehalt von maximal Euro 350,– fällig. Dieser Betrag ist bei Beendigung des Mietvertrages zu erlegen. Für Schäden, die von KundInnen durch unsachgemäße Behandlung oder Bedienung des e-Mopeds sowie durch vorsätzliche Handlungen entstehen, haften diese in voller Höhe. Dazu zählen Schäden durch Nichtbeachten von Warnleuchten oder unsachgemäßem Transport von Ladegut.“

 

App:

Funktioniert zweckmäßig und läuft stabil.

 

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Helme von Go Urban (Bild: VKI)

Praxistest:

Reservierung 15 Minuten möglich.

1. Roller schon ein wenig ramponiert. Die Handyhalterung ist kaputt no Helme hochwertig (Einweghauben vorhanden). Motorrad fährt sich OK, Beschleunigung ist gut (elektrisch eben!). Riegelt bei rund 50km/h ab. Bremsen in Ordnung. Abstellen einfach, weil auch mit Seitenständer möglich yes
no Probleme bei Mietende: Roller bleibt trotz Abmeldung aktiv. Jeder könnte theoretisch damit wegfahren. Ich habe es eilig, suche nach der Support-Telefonnummer. Die ist in der App aber leider so versteckt, dass ich die Situation nur per Feedback-Formular schriftlich kundtun kann und den aktiven Roller schließlich aus Ermangelung an Alternativen und mit mulmigen Gefühl zurück lasse. Per Mail kommt später die Antwort, dass die Scooter manchmal Probleme mit dem Empfang zwischen den Häusern hätten. Man arbeite an der Lösung dieses Problems.

2. Roller offenbar einer der neuen Generation. Viel besser in Schuss. Allerdings generell keine Handyhalterung no Fahrverhalten, Bremsen etc. ähnlich wie bei 1. Roller.

 

Sco2t

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Roller von Sco2t (Bild: VKI)

 

Allgemeines:

50ccm-, 125ccm- und E-Roller

Laut Angabe des Anbieters etwas mehr als 100 Roller im Einsatz, davon 25 Elektrofahrzeuge

Fahren zu zweit erlaubt yes

 

Anmeldung:

Anmeldung kostenlos yes

Kreditkarte (Pre-Paid-Karten werden nicht akzeptiert) oder SEPA-Bankeinzug. Zur Validierung der Kreditkarte wird einmalig ein Betrag von 10€ reserviert – es erfolgt keine Belastung.

App runterladen/Registrierung: keine Probleme mit der Identifizierung (Fotos von Führerschein und Selfie vom Fahrer); Freischaltung dauerte rund 4 Stunden.

 

Kosten:  

Fahren: 19 Cent/Minute

Parken 9 Cent/Minute

Tagesflat 29,90€ (für 125ccm 39,90€).

 

Versicherung:

Info laut Homepage:Selbstverständlich sind die SCO2Ts entsprechend der gesetzlichen Anforderungen versichert. Gemäß unseres Vertrages müssen wir bei Schäden jedoch einen Selbstbehalt berechnen.“ Laut Preisliste beträgt der Selbstbehalt bei Kaskoschäden bzw. Diebstahl je nach Aufwand bis zu 599,90€.

 

App:

App wirkt ein wenig rustikal-zweckmäßig, aber durchaus übersichtlich. Karte beim Wischen über das Servicegebiet etwas träge. Läuft aber prinzipiell fehlerfrei.

Leider in der App nicht ersichtlich, welcher Roller elektrisch ist no

 

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Schon etwas in die Jahre gekommen, Roller von Sco2t (Bild: VKI)

Praxistest:

Reservierung 20 Minuten möglich.

mit 50ccm Automatik:

Roller (links im Bild) schon ein wenig ramponiert. Keine Handyhalterung no Einweghauben liegen offen verstreut unter der Sitzbank herum und wirken nicht mehr sonderlich frisch no Motor startet erst beim vierten Versuch. Roller fährt sich OK; die Beschleunigung vom Stand ist aber nur sehr mäßig. Deshalb ist das Wegfahren immer ein wenig wacklig no Maximalgeschwindigkeit rund 50km/h. Hinterradbremse zu wenig Bremsleistung no Abstellen einfach weil auch mit Seitenständer möglich (wobei ein Abstellen am Hauptständer vom Anbieter erbeten wird).

mit E-Scooter:

Roller optisch gut in Schuss. Deutlich neuer als 50ccm-Modell. Handyhalterung dabei yes Einweghauben vorschriftsmäßig in einem Sackerl verstaut. Gute Beschleunigung. Gute Bremsleistung. Scooter fährt sich deutlich besser als sein „Benzin-Bruder“ yes

 

Mo2drive

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Roller von Mo2drive (Bild: VKI)

 

Allgemeines:

Laut Angabe des Anbieters 100 Vespas, davon 15 x 125ccm und der Rest 50ccm

Fahren zu zweit möglich, aber pro Roller nur ein Helm. Der Beifahrer müsste also einen eigenen Helm mitbringen bzw. ist die Wahrscheinlichkeit, einen passgenauen Helm zu bekommen, auch für den Fahrer geringer, als bei den anderen Anbietern no

 

Anmeldung:

Mo2drive verlangt als einziger Anbieter eine Anmeldegebühr von 19€ no

Führerschein Klasse A oder B

Kreditkarte (Visa oder Mastercard) oder ein Girokonto

Registrierung: keine Probleme mit der Identifizierung (Fotos von Führerschein und Selfie vom Fahrer); Freischaltung dauerte rund 3 Stunden.

 

Kosten:  

19€ Anmeldegebühr

Fahren: 0,19€/Minute,

Parken: 0,07€/Minute

Tages-, Wochen- und Monatsmiete auf Anfrage möglich.

 

Versicherung:

Info laut Anbieter: „Die mo2drive Scooter sind im gesetzlichen Rahmen Haftpflicht versichert (Deckungssumme 100 Mio. € pauschal, keine Vollkasko-Versicherung).“ Optionale Versicherung: Vollkasko-Abo mit 250 € Selbstbehalt um 40€/Monat.

 

App:

App funktioniert zweckmäßig-intuitiv und läuft stabil.

 

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Leider nur ein Helm bei Mo2drive (Bild: VKI)

Praxistest:

Reservierung 15 Minuten möglich.

Bei der 1. Testfahrt Probleme mit der GPS-Ortung. Hintergrund: Ich schalte die GPS-Funktion standardmäßig aus – man will ja nicht auf Schritt und Tritt ausgespäht werden. Auch die „Standort“-Berechtigung in den Apps erteile ich immer nur nach Bedarf und entsprechend kurzfristig. Mit dieser Kurzfristigkeit hatte die Mo2drive-App Probleme. Musste den Support anrufen, der mir sagte, ich soll das Handy neustarten, dann sollte es klappen. Was auch der Fall war.

Roller fährt sich gut. Beschleunigung zwar weit entfernt von E-Scootern, aber immerhin besser als bei Sco2t. Maximalgeschwindigkeit fast 60 km/h. Vorderbremse hat zu viel Spiel no

Beim Abmelden leider wieder Probleme: Sitzbank kann nur per App geöffnet werden – was sie aber nicht tat. Wieder Anruf beim Support. Musste den Roller händisch rebooten, dann gings no

Bei der 2. Testfahrt aktivierte ich die GPS-Ortung bereits zeitgleich mit der Reservierung. Die 10 Minuten bis zur tatsächlichen Anmietung reichten der App dann offenbar aus, um die Ortung genau genug vorzunehmen - denn es gab keine Probleme bei der Anmietung.

Fahrverhalten, Bremsen etc. gleich wie bei 1. Roller.

 


Ich bin gespannt auf eure Erfahrungsberichte - gleich hier unten bei den "Kommentaren". mail

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1 Kommentare

BB

Die Unterscheidung Benzin = schlecht, Strom = gut ist vielleicht ein bißchen zu simpel.

Die Akkus der E-Scooter werden ja von den Anbietern aufgeladen. Diese fahren dann mit größeren Benzin-Autos herum und transportieren die schweren und gefährlichen LiIon-Akkus. Wenn ein Auto 50 km fahren muß, damit einige E-Scooter 100 km fahren können, ist er CO2-Ausstoß größer als wenn man mit Benzinscootern 100 km gefahren wäre.

Die Herstellung der Akkus ist aufwändig, ihre Technik noch nicht lang erprobt. Wie umweltfreundlich das Recycling ist, wird sich noch zeigen müssen.

E-Scooter sind eine wichtige Entwicklung, keine Frage, aber wenn man das Gesamtbild betrachtet, nicht der große Wurf in Punkto Umwelt. (Anders sieht's aus, wenn man den Scooter kauft und zu Hause auflädt.)

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