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Wachstum war gestern, heute ist Welterschöpfungstag

Die Erde steht trotzdem noch lange

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Welterschöpfungstag © shutterstock_4565950_LoopAll

Lebensgrundlagen bewahren, ein gutes Leben für alle zulassen … los geht´s. Sie, Ihre Familie, Ihre Freunde und ich können den Welterschöpfungstag (heuer: 1.8.) Stück für Stück nach hinten verschieben. Beginnen wir gleich, damit wir in etwa 2 Generationen feiern können, dass dieser Tag gemeinsam auf Silvester verschoben wurde. Denn noch 1971 reichte 1 Erde aus!
5 Anregungen, um eine wohltuende Zukunft zu ermöglichen.

So schaut´s aus: Saubere Luft, frisches Wasser, guter Ackerboden, Rohstoffe - alles auf Pump!           

Bis zum 1. August 2018 haben alle Menschen dieser Erde die erneuerbaren Umweltressourcen, welche die Erde jährlich produziert, im Durchschnitt aufgebraucht (Earth Overshoot Day). Für den Rest des Jahres leben wir im ökologischen Defizit und vernichten weiter wertvolles Naturkapital. Der Tag ist symbolisch gemeint, auf das exakte Datum kommt es gar nicht an: Das Schwinden der Urwälder bzw. der Artenvielfalt, die Plünderung der Meere, das Auslaugen der Böden, die Bodenversiegelung und die Klimaerhitzung sind bereits deutlich sichtbare Zeichen von Übernutzung. Wir leben theoretisch auf 1,7 Planeten, in Österreich gar auf 3 und eigentlich hatten wir schon im April die uns zustehenden Ressourcen aufgebraucht! Und dann auch noch Mikroplastik (siehe Blog: „Vermeidung wird zur Selbstverteidigung“).

Und 5x Action … ich werde ab jetzt regelmäßig folgende Aktivitäten setzen:          

1. Ich werde mich gesünder fortbewegen    

Keine Autofahrt unter 5 km und - im Falle von Autobesitz - die Fahrten um min. 25 % reduzieren (leicht am km-Stand abzulesen). Radfahren und zu Fuß gehen machen gute Laune, verbrennen Fett (das eigene) und schaffen soziale Kontakte ganz ohne Medien. Kein Auto zu besitzen spart viel Geld (mit der ÖAMTC-Auto-Info können Sie die wahren Kosten berechnen) und Ärger mit Reparaturen oder Parkplatzsuche. Zumindest in der Stadt ist Carsharing eine gute Alternative (siehe VKI-Report zu Carsharing).

Autofahren gefährdet die Gesundheit durch Lärm, Abgase (Stickoxide, CO2) oder Kollisionen und es braucht viel Platz im immer knapper werdenden öffentlichen Raum.

Zugegeben: Mir fällt das leicht. Für mich persönlich ist ein Rad überhaupt das schönste Kabrio der Welt. Seit meiner Jugend bin ich ein „Allwetterradler“, ich habe noch nie ein Auto besessen. In den letzten 30 Jahren bin ich etwa 5x mit einem Mietauto oder in einem privaten Auto in den Urlaub gefahren, im Urlaub war ich etwa 10x mit einem Miet-KFZ unterwegs. In letzter Zeit fast gar nicht mehr. Ich reise fast nur mehr mit Bahn Bus oder Fahrrad, manchmal fliege ich allerdings.

2. Ich werde öfter am Boden bleiben und mehr vom Reisen haben     

Kein Flug unter 1000 km (etwa 1,5 Flugstunden), max. 1x Mittelstrecke pro Jahr und max. alle 5 Jahre Langstrecke mit einer Reise nicht unter 3 bis 5 Wochen ist das Ziel.
Mit der Bahn muss ich mich keinem Security-Check aussetzen, ich erlebe Landschaften und ich bin stressfreier unterwegs. Ich kann mich im Zug frei bewegen, meine wiederbefüllbare Wasserflasche mitnehmen und ich habe Zeit zum Lesen oder Flirten. Übrigens 1/3 der Österreicher fliegt gar nie (siehe VCÖ).

Das fällt mir schwer, weil ich gerne reise und fallweise auch beruflich. Na ja Berlin schaffe ich jetzt schon ganz gut ohne Flugzeug (etwa 9,5 Stunden von Haus zu Haus, mit dem Flugzeug wären es knapp 5 Stunden). Und nach Brüssel habe ich diesmal nur den Rückflug gebucht (das geht seit etwa einem 1 Jahr meist kostengünstig!), hin fahre ich mit der Bahn, mit einem Zwischenaufenthalt und Besuch bei Freunden in Frankfurt. Mit dem Flug habe ich allerdings fußabdruckmäßig heuer doch wieder einen gewissen „Plattfuß“ (925 km Luftlinie zwischen Wien und Brüssel).

3. Ich werde Umweltzeichen-Strom und - wenn möglich - erneuerbare Energien beziehen        

Durch den Bezug von Umweltzeichenstrom (UZ46) fördere ich seit etwa 11 Jahren den Ausbau erneuerbarer Energien. Das tut überhaupt nicht weh smiley Für Sie kann der Wechsel einfach und günstig durch den VKI-Energiekostenstop vollzogen werden (ab Ende 2018 wieder, Kategorie „Umweltzeichen-Strom“ auswählen – wenn Sie sich dort für den Newsletter anmelden, erfahren Sie den genauen Start). Als Mieter beziehe ich Fernwärme (und kann nicht wechseln). Sie haben vielleicht eine Möglichkeit Solarenergie oder einen Biomasseheizkessel zu installieren. Wärmedämmung und Strom Sparen können auch nicht schaden.

4. Ich werde ¼ weniger Fleisch, Wurst oder Eier essen   

Das fällt mir, mit „Mischkost“ sozialisiert, am schwersten. Auch über die Messbarkeit muss ich mir noch Gedanken machen (Stricherliste?). Der Weg zum 1x wöchentlichen „Sonntagsbraten“ ist weit für mich, ökologisch und gesundheitlich sinnvoll ist es allemal. Zumindest kaufe ich bei Fleisch und Eiern fast nur „bio“, im Wirtshaus ist das schon schwieriger.     

Ich bin in schlechter Gesellschaft: Österreich ist Europameister (allerdings nicht im Fußball) - der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch beträgt gemäß AMA fast 100 kg pro Jahr. Der WWF hat die Auswirkungen der österreichischen Ernährung auf Klima und Gesundheit 2015 näher beleuchtet: „Achtung: heiß und fettig

Dass gut ein 1/3 der Lebensmittel weggeworfen werden, heizt das Klima unnötig auf: Fakten zu Lebensmittelverschwendung („Mutter Erde“, ORF). Ja und Meeresfisch ist gut, aber auch (fast) aus. Die positive Nachricht: Eine neue Studie der BOKU zeigt, dass eine hundertprozentige Versorgung Österreichs mit heimischen, biologisch hergestellten Lebensmitteln möglich ist.

Die vegetarische oder vegane Küche ist ein wahrer Genuss, wenn man gute Wirtshäuser oder feine Rezepte findet.

gazpacho-rezept.pdf

Ja sie wird ein wahrer Luxus, wenn man das Wiener Restaurant Tian besucht, was man am Gaumen und im Geldbörsel spürt. Oder wenn man die Preise von schmackhaften Obst- und Gemüsesorten mit Billigfleisch aus der Massentierhaltung vergleicht (siehe auch K-Report zu Hühnerfleisch aus Brasilien). Ob da die Preise stimmen? 

5. Ich werde bewusst (nicht) kaufen - lieber Reparieren, Tauschen, Ausborgen     

Der Weg ist das Ziel wink und ich habe das Glück, dass ich meist nur mittelmäßig gerne einkaufe. Ich kaufe jährlich etwa 1 Paar Schuhe (inkl. Sport) und - abgesehen von Unterwäsche, Socken - durchschnittlich 10 Kleidungsstücke im Jahr (na ja beim vielen Radfahren ist der Hosenboden schnell durchgescheuert). Technisch bin ich hochgerüstet: Smartphone, Tablet, eBook-Reader, Laptop, Mini-Stereoanlage, Plattenspieler, Dunstabzug, Waschmaschine, Kühlgefrierkombination (jeweils 1) und 3 (!) Radios sowie etwa 6 weitere elektrische Geräte aus dem Hygiene- und Küchenbereich - aber ich nutze die Geräte lange (z.B. Smartphone 5 Jahre) und repariere gegebenenfalls. Mein Fahrrad hat 24 Jahre am Buckel, ein Faltrad habe ich mir voriges Jahr gekauft. Für notwendige Produkte bevorzuge ich das Österreichische Umweltzeichen. Und vor Weihnachten schaue ich mir immer meinen Blog an: „Unfassbar, was man alles schenken kannsurprise

Haben Sie schon einmal versucht, ihre jährlichen Einkäufe grob zu bilanzieren?
Ulrich Brand sagt zu unserem „westlichen Lebensstil“ auch „imperial“, weil oft gehen Ausbeutung der Umwelt und Ausbeutung von Menschen Hand in Hand (siehe weiter unten).

Sie können IHRE Beiträge zur Rettung IHRER Welt für sich auswählen oder auch an einer anonymen Umfrage teilnehmen (einfach anklicken).
(dauert nur kurz – die Ergebnisse zeige ich im September in diesem Blog). Die „Selbstverpflichtungs-Actions“ # 1 bis # 4 habe ich gemäß der Abschätzung einer Studie zur Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen gereiht (siehe weiter unten). Die exakte Reihung ist an und für sich egal, jeder Bereich ist wichtig. Die wirksamste individuelle Maßnahme gegen den Klimawandel ist laut dieser Studie allerdings, weniger Kinder zu bekommen. Ich höre schon den Aufschrei: „Wer zahlt dann meine Pension“.

Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang, lang, lang, lang, lang, lang (Nestroy)

FALSCH – der Erde ist der Klimawandel und der dramatische Rückgang der Artenvielfalt sch…egal. Nur für uns, unsere Kinder und Enkel wird das Leben auf der Erde unbequemer werden. Fragen wie diese, werden wir uns häufiger stellen: Wie schütze ich mich vor der Hitze oder vor Wetterkatastrophen, gibt es während der Hitzeperioden genügend Wasser, wie teuer können Nahrungsmittel aufgrund von Missernten werden?


Weitere Informationen

Studie Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen

climate-mitigation-gap_env-res-letters_2017_.pdf

„The climate mitigation gap: education and government recommendations miss the most effective individual actions“ (Seth Wynes and Kimberly A. Nicholas in Environmental Research Letters 12-2017)
Anmerkung: Mir gehen in dieser Studie die Auswirkungen von Zweitwohnsitzen ab.

In Ihrer Bibliothek oder der Buchhandlung Ihres Vertrauens zu finden       

        

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