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Epigenetisch wirksame Hautpflege
Die Hautcreme die dein Erbgut beeinflussen will!

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Bild einer verwirrten Frau mit einer Auswahl an Hautcremen.(Photo: shutterstock, Andrei Korzhyts)

Epigenetisch wirksame Hautpflege ist ein neuer Trend in der Kosmetik Branche. Ich erkläre was diese Produkte bewirken sollen und was ich von den Versprechungen der Werbung halte.

Gentechnik unerwünscht? – ich will keinen Hybridparadeiser!

Ohne Gentechnik hergestellt

Ohne Gentechnik hergestellt

Bei Lebensmitteln suchen vielen von uns nachdem kleinen grünen Logo, das eine Gentechnik freie Produktion garantiert. Es ist uns anscheinend wichtig, dass niemand die Erbsubstanz unseres Essens verändert. Gentechnik in der Lebensmittelindustrie hat viele ökologische Auswirkungen, vermutlich sind uns noch nicht alle möglichen Folgen bewusst. Eins aber kann man mit Sicherheit sagen: der Verzehr eines gentechnisch veränderten Lebensmittels hat keinen Einfluss auf unser eigenes Erbgut.

 

Wie aber schaut es mit uns selbst aus?

Um eben diesen Einfluss auf unsere DNA geht es bei den von mir angesprochenen Pflegeprodukten. Hier gibt es einen Trend zu Cremen die angeblich die Aktivität unserer DNA verändern können. Konkretes Beispiel: 365 Skin Repair Serum von Lancaster. Auch Nivea bediente mit der DNAge Serie diese Schiene, inzwischen sind die Produkte aber weitgehend vom Markt verschwunden. Mir drängen sich ein paar Frage auf: Ist die Anwendung einer solchen Hautcreme dann eine gentechnische Veränderung meiner Haut? Und wenn ja: Warum soll ich das wollen? Will ich mit meiner Haut etwas machen, dass ich bei meinem Gemüse nicht will? 

 

Das neueste Produkt Segment: Epigenetisch wirksame Cremen

Ein neues Segment der „DNA-wirksamen“ Kosmetik ist schon erkennbar: Cremen, die angeblich die Epigenetik unsere Hautzellen beeinflusst. Zunächst einmal beschäftig mich folgende Frage: sind Cremen die (angeblich) unser Erbgut verändern können ein neuer Trend oder eh ein alter Hut? Die Antwort ist ein klares und deutliches, äh, JEIN.

Schon seit längerem gibt es Kosmetika, vor allem Sonnenschutzmittel und After-Sun Produkte, deren Inhaltsstoffe die DNA reparieren sollen. Auch eine Reparatur ist eine Art der Veränderung. Spezielle Enzyme (Photolyase), die DNA-Schäden reparieren sind in diversen Produkten zu finden und mir sind keine Studien bekannt die eine nachteilige Wirkung auf die Haut bestätigen. Neu ist allerdings, dass es nun Cremen gibt die nicht nur Schäden reparieren, sondern auch die Aktivität unserer DNA beinflussen wollen.

 

Genetik und Epigenetik: Das ist der Unterschied

Fragezeichen (Bild: shutterstock, watchara)

Fragezeichen (Bild: shutterstock, watchara)

Ich möchte hier eine kuze Erklärung der von der Kosmetikindustrie verwendeten Begriffe anführen - in meinen Worten.

Genetik ist die Lehre über unser Erbgut, sie behandelt die unveränderlichen, vererbbaren Eigenschaften unserer DNA. Die genaue DNA Sequenz beeinflusst unsere Eigenschaften wie Haarfarbe, Augenfarbe, Größe,.. Wenn man von Genetik spricht, meint man also grob gesagt die Lehre über die Summe aller Informationen die in Form von DNA jeder unserer Zellen gespeichert ist.  Man muss aber wissen, dass ein Großteil unserer DNA die meiste Zeit gar nicht aktiv ist.

Die Epigenetik hingegen befasst sich mit der Regulierung der DNA Aktivität ohne die „Hard Facts“ der DNA Sequenz zu ändern. Das heißt: bei der Epigenetik geht es ums An- und Abschalten unserer Gene. Die Sequenz der DNA bleibt dabei unverändert.

Was ist eine "epigenetische Wirkung"?

Der Begriff „epigenetische Wirkung“ bedeutet, dass die Zellen beeinflusst werden welche Abschnitte des Erbguts (der DNA) aktiviert und welche deaktiviert werden sollen. Umwelteinflüssen wie UV-Strahlung, Luftqualität aber auch unsere Ernährung, Bewegung und Schlafgewohnheiten haben einen Einfluss auf das An- und Abschalten der DNA. Also hat so ungefähr alles was wir tun einen Einfluss auf unsere DNA-Aktivität. Die Epigenetik ist zum Beispiel auch dafür verantwortlich, dass eineiige Zwillinge (die 100% dieselbe DNA besitzen“) doch nicht 100% ident aussehen.

In Bezug auf diese Cremen wird suggeriert, dass die Hautzellen „umprogrammiert“ werden um der Hautalterung vorbeugen. Dazu finden sich weder konkrete Studien noch eine genaue Bezeichnung der tatsächlich verwendeten Inhaltsstoffe. Mit so wenig Information ist leider keine Überprüfung der Werbeaussagen möglich.

 

Welche Wirkung hat epigentisch wirksame Hautpflege?

Kann eine Creme überhaupt epigentisch wirksam sein? Einen gewissen Einfluss werden die Cremen schon haben, wenn man bedenkt dass ja auch unsere Ernährung und Schlafgewohnheiten einen epigenetischen Einfluss haben. Aber ob die zielgerichtete Aktivierung der Jugendlichkeit tatsächlich funktioniert? Es stellt sich auch die Frage, ob und wieviel der Inhaltsstoffe tatsächlich die Hautbarriere durchdringen, in die Zellen gelangen und in den Zellen auch noch die Barriere zum Zellkern (wo sich die DNA befindet) passieren können.

Unsere Partnerorganisation Stiftung Warentest hat sich Antifalten Cremen der Kosmetikriesen genauer angeschaut und ein vernichtendes Urteil abgegeben. Wir haben die Ergebnisse für 8 Anti-Faltencremen der Marken Diadermine, Estée Lauder, Lancaster, Lavera, L'Oréal, Nivea, Olaz, und Vichy im Konsument 03/2016 veröffentlicht. Wie es mit den Cremen der nächsten Generation aussieht können wir derzeit noch nicht sagen – es gibt leider noch keinen Test dazu. Bis es soweit ist, habe ich mir einmal die Werbeaussagen angesehen und versucht die Fakten dahinter finden.

Lancaster, Lancôme und TThe Organic Pharmacy – diese Firmen behaupten ihre Produkte können die DNA-Aktivität beeinflussen um uns jugendlicher aussehen zu lassen. Hier ist eine kleine Sammlung von Slogans mit meinem Fact-Check.

 

So werben die Firmen – und das steckt dahinter!

Lancaster 365 (Bild: B. Schiller)

Lancaster 365  (Bild: B. Schiller)

Laut Lancaster wird die jugendliche Ausstrahlung der Haut in der Produktserie "365 Skin Repair" durch „epigenetische Wirkung“ der Creme bewahrt, die Creme aktiviert die natürliche Fähigkeit der Haut sich zu regenerieren und jünger auszusehen.

Fakten Check: Als Beweis für die Wirksamkeit wir das Ergebnis von „Konsumenteneinschätzungen“ gegeben. Von 31 Frauen waren 26 der Meinung dass ihre Haut nach 4 Wochen „strahlender“ und „revitalisierter“ ist. Klingt in meinen Ohren eher abstrakt und nicht nach einer fundierten wissenschaftlichen Analyse. Auch die Tatsache dass ein Großteil der befragten Frauen angab sich „vor allen externen Umwelteinflüssen geschützt“ zu fühlen überzeugt mich nicht wirklich.

 

Organic Pharmacy (Screenshot from homepage)

Organic Pharmacy (Screenshot from homepage)

The organic Pharmacy wirbt mit dem Slogan, dass ihr Gene Expression Lifting Serum „sowohl die genetischen als auch die umweltbedingten Alterungsauslöser“ anspricht.

Fakten Check: Auf der Homepage der Londoner Kosmetikmarke findet sich sehr viel Information zu den Inhaltsstoffen und wie ihrer isolierten Wirkung – und folgender Satz „Clinical studies were carried out by an independent institute specialising in dermal 3D imaging and the results proved that it works.“ Das kann man glauben, oder nicht. Eine Vorher-Nachher Bildserie soll zeigen, dass nach 28 Tagen Falten gemildert werden. Mein Fazit: Möglicherweise wirkt die Creme, überprüfen kann man das aber ohne Kauf nicht. Auch die Behauptung das Produkt sei „organic“ kann man als Konsumentin nur glauben aber nicht kontrollieren - es fehlt eine offizielle Zertifizierung als Naturkosmetik.

 

Lancome Genifique (Bild: B. Schiller)

Lancome Genifique (Bild: B. Schiller)

Die Tätigkeit der „Jugend-Proteine“ aktivieren – das kann laut Lancôme die Pflegeserie Génifique (Die Proteinaktivität beeinflussen ist eine epigenetische Wirkung.) Außerdem soll nach nur 7 Tagen die Haut sichtbar und fühlbar jugendlicher sein.

Fakten Check: Im hell-gedruckten Zusatztext findet sich die Information:  „In-Vitro Tests zu den Inhaltsstoffen“ und “Zufriedendheitstest 34 Frauen“. Im Klartext bedeutet das: im Reagenzglas haben einzelne Inhaltsstoffe die Fähigkeit Proteinaktivität zu beeinflussen. Ob sie das dann in der Mixtur und aufgetragen auf die Haut auch können sei dahingestellt. Bewiesen ist es jedenfalls nicht.

Wie sieht es mit dem Test der 34 Frauen aus? Auf der Homepage findet sich auch eine spannende Grafik – erkennbar ist daraus, dass nach 7 Tagen die Haut um ca. 5% „verbessert“ ist. Ich hätte mir unter „sichtbarer“ und „spürbarer“ Wirkung doch ein wenig mehr erwartet.

Kennen sie noch weitere Cremen die mit epigenetischer Wirkung ihre DNA beeinflussen wollen? Schreiben sie ein Kommentar -  Ich freue mich über Hinweise bei welchen Werbeslogans ich noch einen Fakten Check durchführen kann!

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